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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 14:39 Uhr

Eine Biografie : Vom Schiffsjungen zum Farmer

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Gerber – Bauern – Farmer: Klaus Lange veröffentlicht die Geschichte der Glückstädter Familie Hoff, die 1926 nach Kanada ausgewandert ist.

Er war sechs Jahre alt, als der Erste Weltkrieg ausbrach. Doch Carl Heinz Hoff erinnerte sich zeitlebens an die Not, an die Armut. Er hatte zu Lebzeiten seine Erinnerungen aufgeschrieben und viele Gespräche mit Klaus Lange geführt. Der ehemalige Direktor der Kaiser-Karl-Schule in Itzehoe war fasziniert von dem Glückstädter und seinen Erinnerungen. Diese hat der Herzhorner jetzt in einem Buch verarbeitet. Er hat die Lebensgeschichte von Hoff und seiner Familie unter dem Titel „Beiträge zur Geschichte der Familie Hoff aus Glückstadt, Gerber-Bauern-Farmer“ veröffentlicht.

Hoff besuchte als Kind trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, wie sein Bruder auch, das Gymnasium. Nach der Schulzeit wurde er Schiffsjunge auf einem Dreimastschoner. Er erinnerte sich an eine „schöne Zeit“ und dass er rechtzeitig an Land ging. 1926 wanderte er nach Montreal (Kanada) aus. Zunächst arbeitete er auf verschiedenen Farmen als Cowboy und Treckerfahrer. 1931 heiratete er seine Frau Lydia. Bereits ein Jahr später pachtete das Ehepaar eine Farm und schon 1938 kaufte es eine eigene. Das Paar zog fünf Kinder groß. In Rückschauen beschreibt Hoff die Zeit des Ersten Weltkrieges in Glückstadt, die Zeit des Zweiten Weltkriegs in Kanada und Begegnungen mit Gefangenen und seine tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben. Hoff stammte aus einer Familie von Gerbern und Bauern. Er starb mit 92 Jahren.

„Durch Zufall habe ich die Familiengeschichte der Familie Hoff aus Glückstadt entdeckt und sie ist so interessant, dass ich die Beiträge in einem Buch zusammengestellt habe“, sagt Klaus Lange, der von je her historisch interessiert war und Spaß daran gefunden hat, geschichtliche Quellen aufzuarbeiten und zu dokumentieren. „In Glückstadt weiß man wenig über die Familie Hoff, aber das Leben von Carl Heinz Hoff ist ein bewegendes Zeitdokument. Ich möchte, dass solche Überlieferungen nicht verloren gehen und als zeitgeschichtliche Quellen unserer Region dienen können.“

Der Kontakt zur Familie Hoff entstand eher durch einen Zufall. 1977 reisten Klaus Lange und seine Frau Ingried zusammen mit dem befreundeten Ehepaar Horst und Jutta Wirsing nach Kanada. Dort besuchten sie den Bruder von Jutta Wirsing– und trafen auch die Familie von Hermann und Bethel Spliedt in der Nähe von Calgary. Denn diese Familie, die 1928 nach Alberta ausgewandert war, stammte aus Elskop. Klaus Lange, der ebenfalls gebürtiger Elskoper ist, hatte sie bei einem Besuch in ihrer alten Heimat kennen gelernt. Während des Aufenthaltes dort erfuhr Klaus Lange von der Familie Hoff, die in der Nachbarschaft lebte. Im Laufe der Jahre entwickelte sich eine Freundschaft zwischen Klaus Lange und Carl Heinz Hoff.

Die Vorfahren von Hoff hatten zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Gerberei der Glückstädter Schusterinnung am Fleth gekauft – dort wo heute die Feuerwache steht. Die Hoffs gaben die Gerberei im Ersten Weltkrieg auf, weil der Nachfolger Karl Hermann aus gesundheitlichen Gründen kein Gerber werden konnte. Sein Bruder Max Friedrich machte dann aus der Gerberei eine Sauerkohlfabrik. In den Kriegsjahren 1916/17 produzierte er Sirup aus Zuckerrüben für die hungernde Bevölkerung. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in dem Gebäude ein Kohlenlager eingerichtet, außerdem eine Böttcherwerkstatt und ein Blumenladen. In dem zugehörigen Wohnhaus lebte bis zu seinem Tod 1966 der Heimatdichter Fritz Lau.

Auf dem Restgrundstück der Gerberei wurde ein Haus gebaut, wo heute die Familie Steinhüser lebt. Christiana Steinhüser ist die Tochter von Anne Marie Hoff, die in Argentinien lebte. Sie und ihre beiden Töchter sind die letzten Nachkommen der Familie Hoff in Glückstadt.

Karl Hermann Hoff, der Vater von Anne Marie und Carl Heinz, kaufte 1908 einen Bauernhof in der Blomeschen Wildnis. Er betrieb Landwirtschaft und Gemüsebau. Dieser „Hof an der Stintkuhle“ nördlich der Stadt Glückstadt am Sperforkenweg wurde 1935 enteignet, um dort die Kaserne zu bauen. Karl Hermann Hoff erhielt als Entschädigung einen Teil des so genannten Sparkassenhofes im Bereich des heutigen Willi-Holdorf-Sportplatzes. Der Hof wurde 1956 aufgegeben und von der Stadt gekauft, die einen Sportplatz und Wohnhäuser darauf erbaute.

Klaus Lange erinnert sich noch gut an die ersten Begegnungen mit Carl Heinz Hoff: „Wir hatten uns viel zu erzählen, denn wir waren beide historisch und politisch interessiert. Wir haben uns sechs Mal besucht und ich bin froh, dass er etwas aus seiner Kindheit aufgeschrieben hat, das als Zeitdokument erhalten werden kann. Ich habe Hochachtung vor seiner Lebensleistung.“

> Die Aufzeichnungen in broschierter Form umfassen 96 Seiten, das Layout hat der Herzhorner Karl-Heinz Jasmer gestaltet. Interessierte Leser können das Buch von Klaus Lange erhalten. Kontakt: 04124/7225

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