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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 09:04 Uhr

Warnstreik in Glückstadt : Vitanas-Mitarbeiter fordern mehr Geld

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Warnstreik bei der Psychiatrischen Einrichtung in Glückstadt: Nach 14 Jahren ohne Lohnerhöhung gehen die Beschäftigten auf die Straße.

Ein lauter Knall hallt über den Glückstädter Marktplatz, gefolgt von einem weiteren. Danach entbrennt ein Pfeifkonzert. Die Mitarbeiter der Psychiatrischen Einrichtung „Vitanas“ machen ihrem Ärger Luft. Seit 14 Jahren wurden ihre Bezüge nicht erhöht. Deshalb hat die Gewerkschaft Verdi sie aufgerufen, unter dem Motto „Wir platzen gleich“ auf dem Marktplatz für ein besseres Gehalt zu demonstrieren. Symbolisch bringen die Beschäftigten beim Warnstreik zahlreiche Luftballons zum Platzen.

Die Arbeitnehmer fordern einen höheren Lohn. Die Gehälter von Erzieherin und Ergotherpeuten sowie der Fachkräfte im Pflegebereich liegen unter 2000 Euro brutto. Vergleichbare Gehälter in der Region lägen bis 36 Prozent darüber, so Heike Maser-Festersen, Gewerkschaftssekretärin von Verdi. „Bei den Glückstädter Werkstätten verdienen die Beschäftigten im gleichen Berufsfeld rund 200 bis 300 Euro mehr.“ Dabei sei die Arbeit der Beschäftigten psychisch anspruchsvoll und müsse auch dementsprechend bezahlt werden. „Den Beruf kann nicht jeder ausüben.“ Die knapp 60 Demonstranten laufen von der Grillchaussee über die Christian-IV-Straße zum Markt. Dabei machen sie selbst viel Lärm mit Trillerpfeifen und Tröten, einige Autofahrer hupen. Ob aus Sympathie oder Ärger, weil sie der Demonstrantenzug aufgehalten hat, bleibt unklar.

Auf dem Markt bezieht Heike Kühl, Betriebsratsvorsitzende und Beschäftigte bei Vitanas, zu den laufenden Verhandlungen Stellung. Sie ist Mitglied der Tarif- und Verhandlungskommission. „Die Mitarbeiter haben lange die Füße stillgehalten, aber mittlerweile ist mit dem Einkommen kein Auskommen mehr.“

Als die Belegschaft vor einem Jahr die ersten Forderung gestellt hätte, sei ihnen gesagt worden, dass die Geschäftsführung gerne bereit wäre zu verhandeln und dass ein großer Wurf von Nöten wäre, erklärt Kühl. Doch passiert sei seitdem nicht viel. „Die Tarifkommission und damit auch die Mitarbeiter werden hingehalten.“

Im März habe sich die Arbeitgeberseite zum ersten Mal zu einem besseren Gehalt geäußert. „Was wir zu hören bekamen, verschlug uns allerdings fast die Sprache.“ 2,5 Prozent Steigerung für Mitarbeiter der Pflege, Beschäftigte im Bereich Integration sollten ein wenig mehr bekommen. „Sollten wir daraufhin lachen oder weinen? Wir zeigten unseren Ärger, in dem wir am Stock gingen“, sagt die Vorsitzende des Betriebsrates. „Das Angebot wurde dann noch etwas nachgebessert. Aber ein Unterschied zwischen der Pflege und der Integration - das geht gar nicht.“ Die Teilnehmer des Warnstreiks unterstreichen Kühls Worte mit Applaus und Pfiffen.

„Von uns wird ein hohes Niveau an Leistung erwartet. Dies muss angemessen bezahlt werden.“ Ursprünglich forderten die Arbeitnehmer von Vitanas, dass das Gehalt an den „Tarifvertrag für den Öffentlichen Dienst“ (TVöD) angepasst wird. Mittlerweile ist es ihr Ziel, zumindest nach dem Kirchlichen Tarifvertrag bezahlt zu werden. Der sieht einen niedrigeren Lohn als der TVöD vor.

„Wir machen unsere Arbeit gern. Die uns anvertrauten Menschen sind uns ein Stück weit ans Herz gewachsen“, sagt Heike Kühl. Doch das solle ein Unternehmen nicht als Grund nehmen, seine Arbeitnehmer unfair zu bezahlen.

Jetzt sollen die Tarifverhandlungen am 22. Juli fortgesetzt werden. Die Betriebsratsvorsitzende: „Im Kirchen-Tarifvertrag steht, wie das Gehalt Stück für Stück angeglichen werden kann. Das wollte sich die Geschäftsleitung von Vitanas ansehen.“

Heinz-Dieter Nies, Leiter der Integrations Centren von Vitanas und Verhandlungsführer mit Verdi, zeigt sich offen für weitere Gespräche. „Wir, die Vitanas Gruppe, setzen alles daran, um alle Beteiligten zu einer konstruktiven Verhandlung an einen Tisch zu bekommen. Wir wünschen uns, dass wir gemeinsam eine akzeptable Lösung im Sinne unserer Mitarbeiter finden.“

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erstellt am 16.Jun.2016 | 12:00 Uhr

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