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Norddeutsche Rundschau

30. März 2017 | 12:45 Uhr

Virtuose Werke in Schwarz-Weiß-Grau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Verein Justiz und Kultur präsentiert im Landgericht große Ausstellung des Itzehoer Künstlers Heinrich Kröger

Blick auf das Blatt und aus dem Fenster – die Augen wechseln im Sekundentakt. Heinrich Kröger demonstriert, wie er unmittelbar vor einem Motiv zeichnet. Die schnellen Blicke und die Geschwindigkeit, mit der die Finger mit der Zeichenkohle übers Papier fliegen, zeigen, dass er die Natur nicht „abzeichnet“, sondern das Gesehene in Bewegung überführt.

Einen Einblick in sein Schaffen gibt ab morgen bis zum 30. Juni eine große Ausstellung im Itzehoer Landgericht. Anders als in den mittlerweile neun Einzelausstellungen seit 1999 zeigt Heinrich Kröger nun zu seinem figürlichen Schwerpunkt unter dem Titel „Landschaft: natürlich – figürlich – dynamisch“ auch die beiden anderen Pole: Landschaften als Vor-Ort-Motive und Abstraktionen als Spiel unterschiedlicher Kräfte und Formzusammenstellungen. Letztere könnten auch als Landschaften gesehen werden, erklärt der Itzehoer. Diese Landschaften sind abhängig von den subjektiven Assoziationen des Betrachters und nicht mehr regional abgeleitet wie die Ansichten von der Stör oder aus dem Breitenburger Wald.

Grundlage für Krögers zeichnerische Virtuosität, wie er sie beim Atelierbesuch im ehemaligen Maschinenhaus auf Alsen demonstriert, sind unzählige Stunden, Tage, letztlich Jahre der Übung. Mit dem Zeichnen frönt der 74-Jährige aus voller Überzeugung und jenseits aller Strömungen und Moden einer künstlerischen Nische. Schon als Kind liebte er Rubens und Riesenformate. Im Studium an der Berliner Hochschule für bildende Künste interessierten ihn eher Stadtspaziergänge als die 68er-Demos seiner Kommilitonen. Nach den ersten freikünstlerischen Jahren als Maler und Bildhauer wurde der heute 74-Jährige an der Kaiser-Karl-Schule (KKS), an der er selbst das Abitur abgelegt hatte, Kunsterzieher.

Das Arbeiten mit Bleistift, Kugelschreiber oder Kohle, das er von Jugend an systematisch geschult und weiterentwickelt hatte, behielt Kröger bei. Lange Zeit hat er sich selbst „jeden Tag eine Zeichnung“ verordnet und manchmal sogar erst abends im Bett seinen Anspruch eingelöst. Später war es dann der Hund, der ihn täglich ins Freie und zu Vor-Ort- Motiven führte. Dazu hat er immer ein Skizzenbuch in der Tasche und eine Staffelei im Auto. Beim Zeichnen nach Fotos, was er für sich grundsätzlich ablehnt, geht ihm „durch das „Sehen aus zweiter Hand das Wesentliche verloren“.

So präsentiert Kröger auch zu vielen seiner figürlichen Arbeiten den gegenständlichen Anreiz, den er verarbeitet hat: Der abgestorbene Stamm, um den sich eine Efeuwurzel rankt, wird in den Zeichnungen zum knotig wuchernden phallischen Drama. Der Platanenast tänzelt wie ein Frauenkörper. Das Dynamische der Natur, das sich beispielsweise im Wachsen der Zweige sowohl zum Boden als auch zum Licht zeigt, bringt Kröger als Kräftespiel in seine Griasaille-Bilder ein, wie man die Kompositionen in Schwarz-weiß-grau nennt. Im Landgericht stellen sich den Besuchern auch die Prozesse dar, wie die drei Bereiche zusammenhängen – und wie ausdrucksstark ein Itzehoer Künstler Landschaft interpretiert.
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Die Vernissage im Landgericht beginnt morgen um 19 Uhr.

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