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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 04:18 Uhr

Liebevoll saniert : Villa Westphal: Kleinod der Gründerzeit

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neuer Besitzer enthüllt die verborgene Schönheit des Kellinghusener Bauwerks.

Die Villa Westphal hält für jeden ihrer Besitzer Überraschungen parat: Nach der Familie von Rauch, die 1981 das Haus „mit einem gewissen Charme“ erwarb, versetzt die Bürgervilla nun auch die neuen Besitzer mit Entdeckungen von Malereien und Holzarbeiten in Erstaunen. Rätsel gibt derzeit ein zugemauertes Fenster unter der Loggia auf. „Dort muss es noch einen Raum geben“, sagt Eric Feller.

Seit zweieinhalb Jahren lebt der Pianist, Kunstpädagoge und Sammler historischer Tasteninstrumente im zauberhaften Gründerzeitambiente. Die Gebrüder Westphal waren zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Gerbereigeschäft zu Geld gekommen und galten als große Gönner der Stadt. Standesgemäß wohnten sie mit ihren Familien im damals gängigen Gründerzeitchic, geprägt von einem Dekor im Neorenaissance- und Neubarockstil. Der Bauherr folgte zudem der aus Großbritannien kommenden Mode und ließ einen Wintergarten anbauen.

„Als Kulturgut muss das Haus unbedingt erhalten werden“, unterstreicht der Kunsthistoriker Feller. Entsetzt erfuhr er aus alten Dokumenten, dass sogar einmal an Abriss gedacht wurde. Nach Auszug seiner betuchten Bewohner erlebte das Haus tatsächlich eine wechselvolle Geschichte mit teils wenig pfleglicher Behandlung. Der Familie von Rauch ist die Restaurierung des historischen Wintergartens zu verdanken. In Kooperation mit dem Denkmalschutz, Restauratoren, Architekten und Handwerkern ließen sie den Holz- und Glasbau wieder in seinen alten Zustand versetzen.

Per Zufall über das Internet fand die Villa nun erneut Menschen mit Sinn für ihren Stil und ihre zum Teil noch verborgene Schönheit. „Liebe auf den ersten Blick war der Wintergarten“, bekennt Feller. Bei Gebäude und Garten funkte es erst beim zweiten Hinschauen. Die verwilderte Anlage wandelt sich derzeit zu einem Schmuckstück der Gartenkunst.

„Im Lauf von zweieinhalb Jahren hat sich ein Gefühl für das Gesamtensemble entwickelt“, sagt Feller. Zimmer wurden mit viel Sachverstand liebevoll saniert, diskret auch die Annehmlichkeiten moderner Technik untergebracht. Freigelegte Stuckdecken, glänzende Holzdielen und nicht zuletzt ein original Kellinghusener Fayence-Kachelofen lassen die Räume in früherem Glanz erstrahlen. Antiquitäten aus aller Herren Länder, aufgestöbert auf ausgedehnten Reisen, komplettieren die umfangreiche Ausstattung im eleganten Günderzeit-Stil.

Ins Auge fallen vor allem aber historische Tasteninstrumente aus der Sammlung des Hausherrn. Die Leidenschaft für Tafelklaviere, Tangenten-, Hammerflügel und Co. packte ihn schon während des Studiums. 200 wertvolle Originale aus dem 18. und 19. Jahrhundert hat Feller seither zusammengetragen. Historische Stimmwerkzeuge, Notenbände, Klavierschulen, frühe Handschriften, Erstausgaben und Autographen ergänzen die in Schleswig-Holstein wohl einzigartige Sammlung in privater Hand.

Da er nur einen winzigen Teil davon in der Villa unterbringen kann, ist Feller auf der Suche nach Präsentationsfläche für eine Dauerausstellung. Unter dem Titel „Clavierwelt“ hatte er bereits ein Konzept für das Schloß Hessen im Harz erarbeitet, wo er auch die hochkarätig besetzte Konzertreihe „Castle Classics – Summer Nights“ leitete. Nun vor Ort heimisch geworden, wäre der Sammler glücklich, in Kellinghusen geeignete Räumlichkeiten zu finden. „Gerade in Verbindung mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival wäre das sehr interessant“, sagt Feller. Unabhängig davon könnten kleine Konzerte und Lesungen in der „Clavierwelt“ das Kulturleben der Stadt bereichern.

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