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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 15:24 Uhr

Einzelhandel : „Viele Kunden waren verstimmt“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach freiwilliger Selbstverpflichtung des Einzelhandels bieten viele Itzehoer Geschäfte keine kostenlosen Kunststofftüten mehr an

Auch in Itzehoer Geschäften wird die kostenlose Kunststofftüte zum Auslaufmodell. Im Zuge einer bundesweiten Initiative wollen viele Einzelhändler ab dem 1. Juli ein Entgelt für die beliebten Beutel kassieren und so die Verbraucher zum sparsamen Umgang animieren (siehe Infokasten). Viele heimische Händler, die sie bisher noch im Angebot hatten, haben bereits umgestellt oder tun dies in der nächsten Zeit.

„Bei uns kosten kleine Plastiktüten seit Kurzem 10 Cent, große 20“, sagt Harald Butz vom Buchhändler Heymann. Alternativ kommen Papiertüten und Stoffbeutel kostenlos zum Einsatz. Die Reaktion der Kunden sei durchweg positiv. „Es ist augenscheinlich so, dass uns allen – Händlern wie Verbrauchern – die Umwelt-Problematik bewusst ist.“

Auch in den Filialen der großen Handelsketten wie Mediamarkt oder Tchibo verschwindet die Gratis-Tüte in diesen Tagen. In den Drogerien von Rossmann müssen Kunden bereits seit Jahresbeginn auf die bisher kostenlose kleine Plastiktüte an der Kasse verzichten. Größere Tüten sind, wie schon bisher, kostenpflichtig erhältlich. Nicht zur Freude aller Kunden: „Viele waren verstimmt. Sie haben diese kleinen Tüten geschätzt“, berichtet Unternehmenssprecher Stephan-Thomas Klose. „Aber wir bitten mit Hinweisen an der Kasse um Verständnis für diese Maßnahme, die Nachhaltigkeit und Umweltschutz geschuldet ist. Ein Effekt: Die Menschen kaufen jetzt mehr Tüten ein.“ Dass nicht alle Kunden über das Tüten-Entgelt glücklich sein werden, erwartet auch Sven Haltermann, Geschäftsführer des Modehäuser B und H und Stör-Carree. „Wir stellen in den kommenden Monaten um.“

Aktuell gibt es bei B und H gratis Papiertüten zum Unternehmensjubiläum. Anschließend werden zunächst parallel Plastik- und Papiertaschen für ein geringes Entgelt je nach Größe angeboten, bis die Restbestände an Plastiktüten aufgebraucht sind. Dann gibt es nur noch die kostenpflichtigen Papiertüten – und eventuell noch eine besondere wasserdichte Variante für Regentage, die auf besonderen Kundenwunsch verkauft wird. „Wir haben uns für diese Regelung entschieden, weil die Papiertüten zwar nicht die gleiche Entsorgungsproblematik mit sich bringen, in der Herstellung, aber keinesfalls umweltschonender sind.“ Deshalb sei das Ziel des Entgelts, den Tütenverbrauch allgemein zu reduzieren – unabhängig vom Material.

Haltermann setzt auf das Umweltbewusstsein seiner Kunden und will mit seinen Mitarbeitern Überzeugungsarbeit leisten. „Wir wollen an den Tüten nichts verdienen. Deshalb werden wir mit den Einnahmen regionale Naturschutzprojekte finanzieren.“ Wohin ihr „Tütengeld“ fließt, sollen die Kunden selbst entscheiden – über Abstimmungen an den Kassen und im Internet. „Ich bin froh, dass wir mit der freiwilligen Selbstverpflichtung die Möglichkeit für diesen flexiblen Weg haben und es keine starre gesetzliche Regelung gibt.“

Diese Flexibilität begrüßt auch Goldschmiedin Carolin Kröhnke. „Ich gebe eigentlich nur ungern Plastiktüten mit, aber ganz möchte ich auf diesen Service nicht verzichten.“ Es gäbe aber Fälle, etwa bei starkem Regen und einer Geschenkverpackung aus Papier, wo Plastik Sinn mache und dann möchte die Kunsthandwerkerin ihren Kunden auch zukünftig diesen Service kostenlos anbieten. „Unsere Verpackungen sind aber bereits seit langem ganz überwiegend aus Papier und Karton.“

Ganz verschwinden wird die Plastiktüte aber in absehbarer Zeit noch nicht, denn in einigen Bereichen fehlt die praktikable Alternative und beispielsweise an den Obst- und Gemüseregalen der Supermärkte wird es weiter gratis dünne Plastikbeutel geben. Selbst das umweltbewusste Itzehoer Reformhaus in der Feldschmiede kommt nicht ganz ohne Kunststoff aus. „In bestimmten Lebensmittelbereichen geht es nicht anders“, sagt Inhaber Olaf Schulze. „Die klassische Gratis-Plastiktüte zum Einkauf gab es aber bei uns noch nie.“

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