zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 20:51 Uhr

Kriminalität : Versuchter Betrug am Telefon

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie Unbekannte versuchten, die Itzehoerin Uta Wolgast hereinzulegen / Polizei: „Der beste Schutz ist gesunde Skepsis“

„Mir haben erst mal richtig die Knie gezittert.“ Knapp 750 Euro wollte die Anruferin von Uta Wolgast kassieren. Viel Geld für die Itzehoer Kleinunternehmerin. „So viel habe ich nicht mal so eben über – deshalb habe ich einen gehörigen Schreck bekommen.“ Denn die Geschichte der Dame am Telefon klang zunächst durchaus plausibel. Dass es sich um einen Betrugsversuch handelte, wie sie zunehmend per Telefon oder Internet probiert werden, wurde der Itzehoerin erst später klar – zum Glück noch rechtzeitig.

Was war geschehen? Der Anruf mit der unverschämten Forderung hat eine reale Vorgeschichte. Seit zwei Jahren ist Uta Wolgast selbstständig, hilft als „Perle“ Senioren im Haushalt, die sich nicht allein selbst versorgen konnte. Doch ihre Nummer war nur schwer zu finden. „Ich hörte von Kunden, dass ich ja gar nicht im Telefonbuch stehe. Deshalb nahm ich vor einigen Wochen mit meinem Anbieter Kontakt auf.“

Ein Eintrag sei kein Problem, sagte die Telefonfirma und bot gleich an, Uta Wolgast auch einen Eintrag für Suchmaschinen wie Google oder Bing im Internet einzurichten. Sie nahm das Angebot an, von Extrakosten war keine Rede. Nur 24 Stunden später stand Wolgast im Telefonbuch und im Internet.

Wochen später dann der Anruf. Sie sei von einem „lokalen Medienverlag“, sagte die Frau am anderen Ende der Leitung und der arbeite mit den großen Suchmaschinen-Anbietern Google, Yahoo und Bing zusammen. Uta Wolgast habe einen gewerblichen Eintrag dort gebucht, und nun sei die erste Rechnung über 750 Euro für ein Jahr fällig. Denn die Itzehoerin habe die Probezeit ohne Kündigung verstreichen lassen – damit sei der Vertrag rechtsgültig. Sie habe schließlich auch alles schriftlich bekommen. Übrigens könne sie gleich für ein weiteres Jahr verlängern. Das koste dann aber 950 Euro.

Uta Wolgast war unsicher. Die vermeintlich kostenpflichtige Leistung hatte sie in Anspruch genommen, aber an Unterlagen konnte sie sich nicht erinnern. Als sie sich uneinsichtig zeigte, wurde die Frau am Telefon unfreundlicher, drohte mit Konsequenzen. „Sie beendete schließlich das Gespräch, und ich war erstmal total aufgewühlt“, sagt die Itzehoerin. „Ich war mir nicht sicher, ob ich nicht tatsächlich das Kleingedruckte übersehen hatte. Die Frau wusste viele Details über meine Firma und war sehr überzeugend.“

Klarheit brachte ein Anruf bei der Telefonfirma. Die Mitarbeiter dort bestätigten Wolgast, dass es keinen kostenpflichtigen Vertrag über Interneteinträge gab. Und von einem Dienstleister, dessen vermeintliche Mitarbeiterin mit einer Nummer aus Mülheim am Rhein angerufen hatte, hatte das Unternehmen noch nie gehört. Uta Wolgast informierte die Polizei.

Im Betrugskommissariat der Itzehoer Kriminalpolizei sind Versuche wie dieser alles andere als unbekannt. „Es gibt eine ganze Reihe von Maschen, mit denen Täter versuchen, telefonisch Geld zu erschleichen“, sagt Abteilungsleiter Hans-Joachim Hochleitner. „Solche Delikte haben ebenso wie die Cyberkriminalität im Internet gewaltig zugenommen.“ Es sei typisch, dass die Geschichte einen realen Hintergrund habe. „Je besser die Story ist, desto größer sind die Erfolgschancen für die Betrüger.“ Dass der Anruf aus Mülheim kam, schließt der Kripo-Beamte trotz angezeigter Nummer nahezu aus. „Eine beliebige Nummer zu generieren, ist technisch gar kein Problem“, warnt er. Die Täter riefen häufig aus dem Ausland an. In Ländern wie der Türkei gebe es ganze Callcenter, aus denen deutschsprachige Betrüger ihre Opfer anriefen. Versuche wie der bei Uta Wolgast seien strafrechtlich nur schwer zu verfolgen. „Der beste Schutz ist eine gesunde Skepsis, insbesondere dann, wenn man am Telefon zu Geldzahlungen aufgefordert wird“, rät Hochleitner.

Uta Wolgast ist froh, dass sie nicht auf den Trick hereingefallen ist, und hofft, dass die Betrüger es nicht erneut versuchen. „Ich möchte aber andere Menschen warnen. Ich bin bestimmt nicht die einzige Betroffene, und ich kann mir leider durchaus vorstellen, dass die Betrüger anderswo damit Erfolg haben.“

zur Startseite

von
erstellt am 14.Jun.2016 | 05:50 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen