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Norddeutsche Rundschau

26. März 2017 | 05:36 Uhr

Aus dem Gericht : Unglaubwürdige Geschichte kann Drogendealer nicht retten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Ein 45-jähriger Handwerker ist zu zweijähriger Bewährungsstrafe verurteilt – er soll mit Drogen gehandelt haben.

Ist der arbeitslose Handwerker (45) ein harmloser Kiffer mit Hang zu Vorratshaltung und skurrilen Marotten oder ein dicker Fisch in der Itzehoer Drogenszene? Mit dieser Frage musste sich das Schöffengericht unter Vorsitz von Strafrichter Mark Eidam beschäftigen. Am Ende verurteilten Richter Eidam und die Schöffen den bis dato unbescholtenen Handwerker zu einem Jahr Freiheitsstrafe, ausgesetzt auf zwei Jahre zur Bewährung.

Das Gericht erkannte den Angeklagten schuldig des Besitzes und Handeltreibens mit Drogen in nicht geringer Menge. Zudem ordnete Eidam einen Wertersatzverfall, also die Zahlung in Höhe von 9950 Euro an, denn niemand soll an Drogengeschäften verdienen. Vor allem um diesen Betrag ging es im Prozess. Das Geld wollte der Handwerker gern wieder haben, weswegen er versuchte dem Gericht eine wenig glaubhafte Geschichte zu erzählen. Doch der Reihe nach: Während der gesundheitlich angeschlagene Handwerker und seine Ehefrau auf Urlaubsreise in Amsterdam weilten, schaute am 6. Juli vorigen Jahres die Polizei bei ihm daheim in Itzehoe vorbei. Ziel der Hausdurchsuchung war eigentlich der bei seinen Eltern lebende Stiefsohn (26). Man ermittelte in einer Drogensache gegen den polizeibekannten 26-Jährigen. Während ein Kollege mit Hund im Obergeschoss im Zimmer des jungen Mannes nach Drogen fahndete, nahmen ein Drogenfahnder (51) und seine Kollegin (34) im Wohnzimmer Platz. Der geschulte Blick des Kriminalisten entdeckte dabei hinter der Couch zwei typische Wasserpfeifen, wie sie Kiffer benutzen, sowie eine Bauchtasche mit 9950 Euro in kleinen Scheinen und drei Zetteln, die nach Geld und Buchhaltung eines Dealers aussahen. Unter dem Wohnzimmertisch fanden die Beamten 240 Gramm Haschisch und 46 Gramm Marihuana, sowie Zubehör, wie zum Beispiel eine Feinwaage. Die Kripo nahm alles mit.

Die Mengen an Bargeld erklärte der Angeklagte damit, das er aus einem Versicherungsfall für sein Haus vor einiger Zeit 33  000 Euro von einer Versicherung erhalten habe. Da er Banken seit jeher misstraue, habe er das Geld bar zuhause an verschiedenen Plätzen aufbewahrt. Dass es nur kleine Scheine waren, erklärte er damit, dass er Postbank-Kunde sei und es dort ohne Voranmeldung keine großen Scheine gäbe. Etwa 2000 Euro der sichergestellten 9950 Euro habe er zudem für seine Stiefsöhne aufbewahrt. Darüber hinaus fand die Polizei weitere 4000 Euro, die in einer Kassette aufbewahrt wurden.

Bei den ebenfalls entdeckten Zetteln handele es sich allesamt um Bauprojekte zur Renovierung seines Hauses, beziehungsweise um Geldsummen, die er Freunden geliehen habe. Allerdings lasen sich die Abkürzungen wie ein Code, der im Drogenmilieu verwendet wird. ,,Polle 3,5 11.750“ bedeutet im Drogenjargon 3,5 Kilogramm Marihuanablütenmaterial für 11  750 Euro. So zumindest erklärte Staatsanwalt Christian Irmer-Tiedt die Notizen des Handwerkers.

Für Richter Mark Eidam war die Sachlage eindeutig: ,,Das Gericht hat überhaupt keinen Zweifel daran, dass das Geld dem Drogenhandel diente“, sagte er in seinem Urteil. Abschließend riet er dem seit seinem 15. Lebensjahr kiffenden Handwerker zu einer Entzugstherapie.

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