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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 11:36 Uhr

Neue Lage : Umstrittene Fassaden nun geschützt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Denkmalpfleger des Landes entscheiden – jetzt werden Bahnhofshotel und Bollhardt’sches Gebäude in Kreishaus-Planungen einbezogen.

Die Planungen für das neue Kreishaus laufen weiter – aber seit dieser Woche unter neuen Vorzeichen: Das alte Bahnhofshotel und das benachbarte Bollhardt’sche Gebäude an der Viktoriastraße sind vom Landesamt für Denkmalschutz als schutzwürdig eingestuft worden. Künftig wird wieder mit den beiden Gebäuden geplant.

Bisher hatten das nicht alle Büros getan, die sich mit ihren Entwürfen im städtebaulichen Wettbewerb durchsetzten. Fünf prämierte Arbeiten sollen jetzt vertieft werden. Und alle bekommen die Vorgabe, das Bahnhofshotel und das Bollhardt’sche Gebäude in ihre Überlegungen einzubeziehen. Vielleicht würden sie für die Verwaltung nicht gebraucht, sagte Bauamtsleiterin Daniela Immich im Kreis-Bauausschuss. „Nichtsdestotrotz liegen bisher keine Alternativkonzepte vor.“

Auch weitere Anlieger der Viktoriastraße werden Post von den Denkmalschützern bekommen, denn die Straße wird als schützenswerte „Mehrheit von baulichen Anlagen“ gesehen. Das bedeute, dass die beiden Fassaden erhalten bleiben müssten, eine Entkernung der Gebäude oder ein Ausbau auf der Rückseite aber möglich seien, so Daniela Immich. Konkretes lasse sich noch nicht sagen, es werde auf die Begründung gewartet. Sicher sei: „Denkmalschutz ist kein Schwarz und Weiß“, es werde viel um Details gehen. Die Ansprechpartnerin ist Beate von Malottky von der unteren Denkmalschutzbehörde beim Kreis, und auch sie betonte: „Wo schon Eingriffe passiert sind, hat man Spielräume. Die Türmchen muss man nicht wiederherstellen.“

„Sehr glücklich“ zeigte sich in einer Mitteilung die Fassaden-Initiative, die den Bürgerentscheid für den Erhalt der Fassaden auf den Weg gebracht hatte. Die Entscheidung der Denkmalschützer stoppe Abrisspläne für das historische Viertel, denn: „Damit hat der Bürgerentscheid auch über die Bindungsfrist von zwei Jahren hinaus sein Ziel erreicht, die Gebäude dauerhaft zu schützen.“ Die Initiative sieht das Engagement aller Unterstützer vom Landesamt gewürdigt – allerdings macht auch Landeskonservator Michael Paarmann deutlich, dass es Schlupflöcher gibt (siehe Interview).

Zunächst sollen jetzt die Büros ihre Entwürfe „ausdetaillieren“, so Daniela Immich. Dabei geht es weiter nur um die Gebäudestruktur, nicht um Äußerlichkeiten. Dafür bekommen die Planer Hinweise des Kreises, der Wettbewerbs-Jury und aus den Bürger-Workshops mit auf den Weg. So beschloss es der Bauausschuss, am 30. Juni muss der Kreistag noch zustimmen. Transparent soll das Verfahren laufen mit einer Präsentation zwischendurch und einer weiteren am Ende. Bis zum Kreistag im Dezember, so die Bauamtsleiterin, sollen die städtebaulichen Fragen geklärt sein.

Zur Entscheidung des Landesamtes für Denkmalpflege äußert sich im Interview Landeskonservator Michael Paarmann:

Wie kam es zu der Entscheidung?

Die Entscheidung, die Viktoriastraße als so genannte Mehrheit baulicher Anlagen in die Denkmalliste aufzunehmen, hängt zusammen mit der neuen Gesetzeslage seit dem 30. Januar 2015. Der ehemalige Status der Gebäude, um die es in erster Linie geht, als einfache Kulturdenkmale ist mit der Gesetzesnovelle abgeschafft worden. Insofern ergibt sich für sehr viele Gebäude auch in Itzehoe die Notwendigkeit einer Nachbewertung.

Warum kommt diese Nachbewertung jetzt?

Wir haben von dem neuen Wettbewerb gehört und waren der Meinung, dass wir jetzt, wenn die Diskussion um den Erhalt der Gebäude möglicherweise wieder aufflammt, die Viktoriastraße in unserem Bewertungsmarathon vorziehen. So können auch aktuelle Ausweisungen der Kulturdenkmale mit einbezogen werden.

Was darf der Kreis und was nicht?

Der Kreis ist in diesem Fall seine eigene Genehmigungsbehörde für den denkmalschutzrechtlichen Part. Wenn man ein Gebäude unter Schutz stellt, bedeutet das grundsätzlich nie, dass eine Veränderungssperre verhängt wird. Auch Kulturdenkmale können, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind, abgerissen werden. Letztlich ist es die Entscheidung des Kreises, wie er mit seinen historisch wertvollen Gebäuden umgeht. Es freut mich aber, dass die Büros angehalten werden, die Gebäude in den weiteren Planungen einzubeziehen. Das ist für den Denkmalschutz in Itzehoe ein gutes Zeichen.

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erstellt am 19.Jun.2016 | 16:00 Uhr

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