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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 03:00 Uhr

Bürgerengagement : Texte und Musik für den Frieden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Innenminister lobt auf Friedenstag in Kellinghusen die Anstrengungen der Stadt bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen.

Der „9. Kellinghusener Friedenstag - Texte zum Frieden“ beschränkte sich nicht nur auf das gesprochene Wort. Die Besucher im gut gefüllten Bürgerhaus konnten zudem Eindrucksvolles hören und sehen. Mit ihren Liedern plädierte die deutsch türkische Sängerin Sibel Demirezen für eine friedliche Welt. Mit dem Thema Krieg und Frieden setzt sich auch der Künstler Dietmar Noworzyn auseinander. Seine Werke zeigt derzeit das Museum in einer Sonderschau.

Erneut gemahnte der Kellinghusener Friedenstag an Leid und Unsinnigkeit von Kriegen. Überdies wollte die Veranstaltung einen Beitrag zur Festigung der Mitmenschlichkeit im Zusammenleben aller Bürger vor Ort leisten. Ins Leben gerufen wurde der Friedenstag vor neun Jahren von der Initiative „Stadtwege zur Mitmenschlichkeit“. Monja Niesemann, Vorsitzende des Mitveranstalters Kriminalpräventiver Rat (KPR) der Stadt, hob in diesem Zusammenhang die Beharrlichkeit von Heinz-Jürgen Heidemann hervor. Auch das aktuelle Programm sei sein Werk – inklusive der spontanen Bitte an den Innenminister des Landes Schleswig-Holstein um einen Redebeitrag. Stefan Studt war der Einladung in die Störstadt gern gefolgt. In wohl keiner Stadt des Landes sei er in den vergangenen Monaten häufiger zu Gast gewesen, erklärte Studt. Der Anlass passte zum Thema des Abends: Fast über Nacht waren im September vergangenen Jahres Gebäude der ehemaligen Liliencron Kaserne zum Zufluchtsort für Menschen geworden, die aus kriegerischen Gründen ihre Heimat verlassen mussten. Gemeinsam mit der Abgeordneten Birgit Herdejürgen und Bürgermeister Axel Pietsch habe er den ersten Aufnahmetag miterlebt, erinnerte Studt. „Ich bin dankbar, dass wir in Kellinghusen unter schwierigsten Bedingungen Menschen unterbringen konnten und so viel Hilfsbereitschaft erlebten.“ Mehr als 1800 Flüchtlinge, überwiegend aus Syrien und Irak, seien in Spitzenzeiten von vielen freiwilligen Helfern und Hilfsorganisationen betreut worden. Nach einer Zeit mit großer Hilfsbereitschaft, aber auch Sorgen und Ängsten in der Bevölkerung, habe sich die Kaserne am 2. Mai geleert. „Jetzt ist die Einrichtung endgültig geschlossen“, so Studt.

Was in Zukunft passiere, wisse jedoch niemand, strich der Innenminister heraus. Krieg, Terror, Armut, Hunger und Chancenlosigkeit könnten jederzeit neue Flüchtlingsbewegungen in Gang setzen. Zudem sei die Situation in Syrien und Irak weiter undurchsichtig und von Frieden weit entfernt. Mit allen Ressorts kümmere sich das Land jetzt um die Integration der Menschen, zeichne nach Maßgabe des Integrationsgesetzes aber auch für die Rückführung derer ohne Bleibeperspektive verantwortlich. Den KPR lobte Studt als eine Einrichtung, wo viele Beteiligte aus Gesellschaft, Stadt und Polizei versuchten, das Leben in der Kommune friedvoll zu gestalten.

Im Schnelldurchgang trug Heinz Jürgen Heidemann die traurigen Fakten aus der kriegerischen Menschheitsgeschichte vor und erinnerte an den deutschen Überfall auf Polen am 1. September vor 77 Jahren – und damit den Beginn des zweiten Weltkriegs mit vielen Millionen Toten. Zu den Kriegen des 21. Jahrhunderts sagte Heidemann, sie würden nach Möglichkeit „Fern der Heimat“ mit einem „obskuren Mischmasch“ an Begründungen geführt. Mehr denn je seien wirtschaftliche Interessen im Spiel. Als weltweit drittgrößter Waffenexporteur laufe auch Deutschland in der Statistik mit.

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