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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 20:25 Uhr

Südlink: Ein Graben quer durch die Elbmarschen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Netzbetreiber Tennet präsentierte gestern weitere Details für den Bau des Erdkabels von Nortorf nach Bayern

Ab 2025 soll via Südlink überzähliger Windstrom aus dem Norden vom Umspannwerk in Nortorf bis nach Bayern geschafft werden. „Das Ziel ist ambitioniert, aber machbar“, sagte gestern in Itzehoe Lex Hartmann, Chef von Netzbetreiber Tennet. Nach veränderten politischen Vorgaben soll die rund 700 Kilometer lange Stromtrasse komplett unterirdisch verlaufen (wir berichteten). An dieser Zielsetzung werde sich auch in einzelnen Regionen nichts ändern, versicherte der Sprecher. Freileitungen werde es allenfalls dort geben, wo betroffene Gemeinden dies ausdrücklich wünschen. „Die müssten dann aber einen entsprechenden Beschluss fassen.“ Die Kehrtwende dürfte nach Einschätzung von Tennet erheblich zur Akzeptanz der Stromleitung in der Bevölkerung beitragen. Noch vor zwei Jahren schien das reine Utopie. Auf einer Regionalkonferenz war das Erdkabel als technisch unsicher und vor allem als zu teuer verdammt worden. Teuer ist es immer noch. Hartmann schätzt die Kosten auf rund zehn Milliarden Euro – statt drei Milliarden für Freileitungen. Angesichts der Tatsache, dass die Energiewende derzeit monatlich mit 2,5 Milliarden Euro subventioniert werde, sei das aber ein vertretbarer Mehraufwand, zumal die Kosten über 40 Jahre abgeschrieben werden. Auch technisch gibt es offenbar keine großen Hürden mehr. Hartmann verwies auf gute Erfahrungen mit Leitungen an anderer Stelle – wenn auch nicht in diesen Dimensionen. Seine größte Sorge: „Engpässe bei der Lieferung der Erdkabel.“ Für die Bauarbeiten selbst sieht er keine großen Probleme. Vielfach werde man auf Firmen aus der Region zurückgreifen.

Am 15. November soll es im Kreis Steinburg eine erste Informationsveranstaltung geben. Der von einer der drei noch zur Auswahl stehenden möglichen Trassen ebenfalls stark betroffene Kreis Pinneberg soll im Anschluss erfolgen. Hartmann rechnet damit, dass im ersten Quartal 2017 ein Antrag bei der Bundesnetzagentur gestellt werden kann, die dann die weitere Federführung übernimmt. Nach einer eingehenden Bewertung – allein für die Querung der Elbe gibt es 50 unterschiedliche Kriterien – wird die endgültige Trasse festgelegt und in der Folge ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Hartmann hofft auf eine Baugenehmigung im Jahr 2020. „Deutschland ist unter Druck, nicht wir“, machte er noch einmal die Bedeutung von Südlink für die Energiewende deutlich.

Quer durch die Wilstermarsch – und je nach Trasse auch durch die Kremper- und die Haseldorfer Marsch – wird es eine 40 bis 50 Meter breite Schneise geben. Gebuddelt wird dann auf einer Breite von 25 Metern. Das pro Meter 70 bis 80 Kilogramm schwere Erdkabel wird dann in einer Tiefe von 1,80 Meter versenkt. Anschließend wird die Grube mit dem vorhandenen Aushub wieder zugeschüttet. Straßen und Bahngleise sollen mit Spezialgerät gequert werden. Unter der Elbe soll es einen mannshohen Tunnel geben, in dem das Kabel verlegt wird.

Von dem Erdkabel wird man nach der Verlegung nichts mehr sehen. Zwar erwärmt es sich durch den Fluss von erheblichen Mengen Gleichstroms auf etwa 40 Grad. Nach aller Erfahrung, so Hartmann, führe das aber zu keinerlei Beeinträchtigungen. „Das Land kann anschließend ganz normal genutzt werden.“ Einzige Einschränkung: Bäume dürfen auf der Trasse nicht gepflanzt werden, auch keine Gebäude errichtet. Auch müsse das Kabel im Notfall zugänglich sein. Sollte es im Zuge der Bauarbeiten zu Beeinträchtigungen – zum Beispiel Ernteausfall – kommen, würden diese selbstverständlich entschädigt. Eine einmalig Entschädigung bekomme auch der jeweilige Eigentümer des Grund und Bodens. Die Höhe richte sich nach Grundstücks- und Bodenwerten. Gebaut werden soll übrigens nicht in einem Stück, sondern parallel an mehreren Stellen entlang der Trasse. Hartmann verspricht im weiteren Verfahren größtmögliche Transparenz. Sämtliche bisherigen Pläne seien auch schon jetzt im Internet einsehbar. Deutschlandweit ist das Interesse dafür offenbar groß. In den ersten 24 Stunden nach der Veröffentlichung habe es schon mehr als 200  000 Zugriffe geben. Tennet verspricht zudem größtmögliche Rücksichtnahme: „Wenn wir bauen, sind wir zu Gast. Auch wenn wir uns ja selbst eingeladen haben.“ Hartmann weiter: „Wir ziehen jetzt durchs Land und gehen auf die Bürger zu.“ Angesichts des völligen Verzichts auf Strommasten und Freileitungen ist er aber zuversichtlich, dass es keine nennenswerten Widerstände gibt.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 16:49 Uhr

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