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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 03:24 Uhr

Strom-Drehscheibe nimmt Gestalt an

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Erste Info-Veranstaltung zur neuen Südlink-Trasse / Im Süden von Wilster entsteht eine zwei Fußballplätze große Konverterstation

Nach einer ersten großen Informationsveranstaltung zur geplanten Südlink-Trasse stehen drei Punkte fest: Die Stromleitung ab Wilster wird mit allergrößter Wahrscheinlichkeit komplett unter der Erde verschwinden, vor den Toren der Stadt wird noch eine gewaltige Konverterstation errichtet und die Hauptbetroffenen bei dem Projekt werden wohl die Landwirte sein. Das jedenfalls wurde gestern Abend bei einer Präsentation des Netzbetreibers Tennet im Colosseum deutlich.

Als stellvertretender Landrat hatte Dr. Heinz Seppmann zum Auftakt einen fairen Umgang auf Augenhöhe mit der Bevölkerung gefordert. Gleichzeitig unterstrich er aber auch die Notwendigkeit der Trasse, über die erneuerbare Energie vom Norden quer durch die Republik nach Süddeutschland transportiert werden soll. Aktuell, so rechnete Seppmann vor, zahle jeder Einwohner 100 Euro im Jahr für Strom, der gar nicht ins Netz eingespeist werden könne.

Anhand der ausgehängten Pläne, die von einigen Besuchern sogar mit der Lupe studiert wurden, konnte man sich über die derzeit noch rund 1000 Meter breiten Trassenkorridore informieren. Jeweils vom neuen Umspannwerk in Wilster aus verläuft eine Variante durch die Dammflether Gemarkung Jammertal in Richtung Brokdorf und dort unter der Elbe hindurch nach Niedersachsen. Eine andere Möglichkeit wäre eine Trasse von Wilster in Richtung Osten, unter der Stör hindurch und dann vor allem durch Bahrenflether Gebiet, westlich an Krempe vorbei und weiter in den Kreis Pinneberg. In beiden Fällen nimmt die Leitung ihren Anfang an einer noch zu bauenden Konverterstation. Südlich von Wilster – jeweils links oder rechts der Bundesstraße 5 – sind dafür bislang vier mögliche Standorte auserkoren worden. Die Bauwerke selbst, so ein Tennet-Sprecher, sind mit 120 mal 100 Meter etwa so groß wie zwei Fußballplätze. Bauhöhe: rund 20 Meter. In dem Gebäude würde ankommender Wechsel- in Gleichstrom verwandelt. Das im Kern aus Aluminium bestehende Erdkabel würde dann bis nach Bayern verlegt. Hinzu kommt eine zweite Südlink-Trasse, die von Brunsbüttel aus nach Baden-Württemberg führt. Auch bei Brunsbüttel wird eine entsprechende Konverterstation entstehen. Für die Unterquerung der Elbe – geplant ist ein begehbarer Tunnel – würden beide Südlink-Leitungen gebündelt.

Von vielen Besuchern umringt war gestern ein Modell, mit dem die Erdarbeiten dargestellt wurden. Die Kabel – voraussichtlich je vier pro Südlink-Trasse – werden in knapp zwei Meter Tiefe verschwinden. Tennet hat nach eigenen Angaben im Norden auf diese Weise bereits rund 1000 Kilometer Erdkabel verbaut und damit gute Erfahrungen gemacht. Nach zwei bis drei Vegetationsperioden sei von dem Eingriff in den Boden nichts mehr zu sehen. Allerdings ist hier künftig auch keinerlei Bebauung mehr möglich. Betroffene Landeigentümer würden, so versichert Tennet, für mögliche Ernte- oder Nutzungsausfälle entschädigt. „Die Bedenken in der Landwirtschaft sind erheblich“, stellte die Krempdorfer Bürgermeisterin Dörte Harms fest und fragte nach Ausnahmegenehmigungen für Freileitungen. Die gibt es – allerdings mit sehr hohen Hürden. So muss eine Gebietskörperschaft – eine Gemeinde oder ein Landkreis – einen förmlichen Beschluss fassen, dass sie in ihrem Bereich keine Erdkabel, sondern Stromleitungen an Masten wolle. Und dann, so machte Tennet deutlich, müsse das auch noch technisch und wirtschaftlich umsetzbar sein. So müssten für die Übergänge vom Erdreich zur Freileitung jeweils wieder entsprechende Bauwerke errichtet werden. Auch Tennet sieht allerdings den Informationsbedarf gerade unter den Landwirten und kündigte Gespräche unter anderem noch mit dem Bauernverband an. Ansonsten könne es Freileitungen in Ausnahmefällen nur geben, wenn wertvolle Naturschutzgebiete dies erforderten.

Wo genau die Leitungen am Ende verlaufen, soll nun der weitere Prozess ergeben. Tennet erhofft sich von allen Betroffenen Anregungen für eine Feinjustierung. Die Bundesnetzagentur rechnet mit einem förmlichen Antrag im ersten Quartal 2017. Der gesamte Planungsverlauf einschließlich Planfeststellungsbeschluss soll spätestens 2021 abgeschlossen sein. Tennet geht von einer Bauzeit von vier Jahren aus. 2025, so das erklärte Ziel, soll dann aus dem Norden der Strom unter der Elbe hindurch nach Süddeutschland fließen. Tennet spricht von der „Hauptschlagader für die Energiewende“. Mit dem Südlink-Strom könnten bis zu zehn Millionen Haushalte versorgt werden. „Mit der Entscheidung für das Erdkabel ist schon viel Zündstoff aus dem Projekt herausgenommen worden“, stellte abschließend Heinz Seppmann zufrieden fest.

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erstellt am 17.Nov.2016 | 10:17 Uhr

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