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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 08:49 Uhr

Streit um Zuschuss für Kulturverein

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

SPD macht sich für finanzielle Zuwendung stark – CDU lehnt das mit Hinweis auf leere Kassen

Von der Stadt Wilster wird es wohl keine finanzielle Unterstützung für den Kulturverein geben. Das jedenfalls zeichnet sich nach einer Sitzung des Finanzausschusses ab. Dort wurde ein Zuschussantrag von den CDU-Vertretern und damit der Mehrheitsfraktion auch in der Ratsversammlung abgelehnt. Bei der SPD sorgte das ebenso für Unverständnis wie bei Kulturhaus-Geschäftsführer Anton Brade, der die kurze, aber heftig geführte Debatte als immer fassungsloser werdender Zuhörer verfolgte.

„Das ist ein tolles Aushängeschild für die Stadt“, hatte Ausschuss-Vorsitzende Natascha Böhnisch (SPD) den Tagesordnungspunkt zunächst noch hoffnungsfroh aufgerufen.

Anton Brade meldete sich auch gleich zu Wort und betonte, dass die Arbeit im neuen Kulturhaus am Markt sehr gut angelaufen sei. Die Veranstaltungen seien zum Teil ausgebucht. „Wir wollen Kultur für alle machen und das zu erschwinglichen Preisen“, begründete er den Wunsch nach 3000 Euro aus dem Stadtsäckel.

„Das ist eine Selbstverständlichkeit“, stand für SPD-Sprecher Helmut Jacobs die Zustimmung seiner Fraktion außer Frage.

Das Kulturprojekt sei ja sehr ehrenwert, räumte CDU-Sprecher Mark Dethlefs sein. Dennoch werde seine Fraktion den Zuschussantrag ablehnen. Seine Begründung: die chronisch leere Stadtkasse und insbesondere der Umstand, dass in der Stadt alle Vereine gleich behandelt werden müssten. Schließlich, so Dethlefs, gebe es in vielen Bereichen großes ehrenamtliches Engagement. Als Beispiel nannte er den Verein Leselust, der auch kein Geld bekomme und auch noch nie darum gebeten habe. Der Kulturverein, so fügte der Christdemokrat noch hinzu, sei zum Teil ja auch als eine Art Wirtschaftsbetrieb einzustufen. Sein Parteifreund Andreas Prüß lobte ausdrücklich die Arbeit des Kulturvereins, wies aber ebenfalls auf eine notwendige Gleichbehandlung hin. Schließlich werde auch im MTV, bei den Seglern, den Schützen und vielen anderen gute Arbeit geleistet.

Während für Dethlefs ein Zuschuss für den Kulturverein „ein Schlag ins Gesicht aller anderen Vereine“ wäre, sah Jacobs das genau andersherum. „Die Ablehnung ist ein Schlag ins Gesicht des Kulturvereins.“ Immerhin hätten Anton Brade und seine Mitstreiter am Markt einen „Leuchtturm geschaffen, wo die Stadt sonst abzusterben droht“. Im Übrigen, so merkte Jacobs an, werde der Verein Leselust sehr wohl von der Stadt finanziell unterstützt. „Ich unterschreibe das doch ständig“, bekräftigte Jacobs in seiner Eigenschaft als stellvertretender Bürgermeister.

Bei Mark Dethlefs wie auch bei Bürgermeister Walter Schulz löste das Kopfschütteln aus. Dort, so wurde betont, wisse man nichts von Geldern für Leselust. Tatsächlich werden an die Bücherfreunde auch keinerlei städtische Zuschüsse gezahlt. In Einzelfällen hatte es in der Vergangenheit allerdings Zuwendungen aus dem Etat der Stadtbücherei gegeben, die aber auch Mitveranstalter der erfolgreichen Veranstaltungsreihe ist.

Die Mehrheitsverhältnisse im Ausschuss waren dann eindeutig. Zuvor hatte das Gremium noch einstimmig und ohne große Diskussion den Zuschuss für die Wilstermarsch Service GmbH um gleich 1000 Euro angehoben. Der Dienstleister hatte wegen steigender Ausgaben sowohl die Stadt als auch das Amt um mehr Geld gebeten.

Anton Brade verließ nach der Entscheidung sichtlich geknickt den Sitzungssaal. Schließlich gehe ein Signal davon aus, wenn die Stadt eine Kultureinrichtung in ihren eigenen Grenzen nicht unterstützen wolle. Er richtet seine Hoffnung nun auf Zuschussanträge, die auch an das Amt Wilstermarsch und an den Kreis Steinburg gestellt worden seien.

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erstellt am 13.Okt.2016 | 15:18 Uhr

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