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Norddeutsche Rundschau

27. September 2016 | 02:12 Uhr

Itzehoe : Streit um Supermarkt-Neubau

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der geplante Neubau des Famila-Supermarkts vor dem Delftor in Itzehoe sorgt für Streit. Eine Bauvoranfrage hätte nicht positiv beschieden werden dürfen, ohne die Politik zu fragen, kritisiert Ratsherr Hans Emil Lorenz.

Noch bevor Details öffentlich bekannt gemacht wurden, führt das geplante Bauvorhaben rund um den Famila-Markt vor dem Delftor zu Streit zwischen Teilen der Politik und der Verwaltung. Die Unabhängige Wählergemeinschaft Itzehoe (UWI) wirft dem Rathaus mangelnde Transparenz und ein Handeln zu Lasten der Innenstadt vor. Fraktionschef Hans Emil Lorenz will das Thema nun in der Ratsversammlung am Donnerstag diskutieren.

Dass Famila gemeinsam mit dem Grundstückseigentümer, der Hamburger Hebe GmbH, den in die Jahre gekommenen Supermarkt durch einen Neubau ersetzen möchte, hält auch Lorenz angesichts der Modernisierungswelle bei den konkurrierenden Lebensmittel-Einzelhändlern in der Kreisstadt für nachvollziehbar und folgerichtig. Im Stadtentwicklungsausschuss hatte die Verwaltung allerdings mitgeteilt, dass eine Bauvoranfrage der Investoren, die die Stadtverwaltung bereits positiv beschieden hat, auch den Plan für einen Drogeriemarkt beinhalte (wir berichteten).

„Vor einem Drogeriemarkt auf der ‚grünen Wiese‘ wurde in der Vergangenheit in Einzelhandelsgutachten gewarnt“, sagt Lorenz. Ein solcher Markt könne zur Schließung eines der Drogeriemärkte in der Innenstadt führen und dort für weiteren Leerstand und weniger Kaufkraft führen. „Teile von Politik und Verwaltung haben aus den Fehlern der Vergangenheit nichts gelernt“, so Lorenz. Seiner Einschätzung nach haben frühere „enorme Verkaufsflächenerweiterungen“ in Randbereichen der Stadt zu Leerständen in der Innenstadt geführt.

Basis für die Kritik des UWI-Chefs ist das Einzelhandelskonzept für Itzehoe. Dieses wurde im Mai 2012 als „fachlich fundiertes und rechtssicheres Steuerungselement“, wie es auf der Internetseite der Stadt heißt, beschlossen, und zwar inklusive Angaben zu Sortimenten und dem richtigen Platz für deren Verkauf. Für die „Fachmarkt-Agglomeration“ auf Alsen kam das Konzept zu dem Schluss: Der Standort sei nicht geeignet für die Ansiedlung nahversorgungsrelevanter Sortimente wie Drogerieartikel. Allerdings enthielt der Beschluss zum Konzept den Zusatz: „Eine Einzelfallbetrachtung von Projekten wird aber ausdrücklich zugelassen.“

Kurz darauf – Ende 2012 – hatten die Investoren bereits eine Erweiterung des Famila-Markts samt Drogerie beantragt. Damals hatte die Verwaltung den städtischen Gremien eine Ablehnung empfohlen: Die Pläne vertrügen sich nicht mit dem Einzelhandelskonzept und könnten einen der Drogerie-Märkte im Zentrum zur Aufgabe zwingen. Jetzt kritisiert Lorenz, dass die Entscheidung, die Bauvoranfrage positiv zu bescheiden, nicht ausreichend in den politischen Gremien diskutiert wurde, das will er am Donnerstag nachholen. „Es stellt sich auch die Frage, ob die bestehenden Verträge bezüglich der Fläche nicht durch das neue Vorhaben überarbeitet werden müssen.“ Denn dort sei kein Drogeriemarkt vorgesehen.

Im Rathaus will man sich vorerst nicht zu der Thematik äußern, so Stadtsprecher Frank-Dieter Simon auf Anfrage. „Bürgermeister Andreas Koeppen wird der Ratsversammlung ebenfalls vorschlagen, das Thema am Donnerstag nicht-öffentlich zu behandeln.“ Die Investoren halten sich bisher ebenfalls bedeckt. Famila kündigte aber auf Nachfrage an, die Baupläne in Kürze öffentlich vorzustellen.

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erstellt am 20.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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