zur Navigation springen

Gustav Frenssen : Straßenname mit Beigeschmack

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach einem Vortrag beim Verein für Brunsbütteler Geschichte über den zuletzt nationalsozialistisch orientierten Autor Gustav Frenssen: SPD der Schleusenstadt sieht Handlungsbedarf und überlegt die Namensänderung der Straße.

In Brunsbüttel, Heide, Dingen, Meldorf und weiteren Gemeinden in Schleswig-Holstein gibt es sie noch, die Gustav-Frenssen-Straße oder den Gustav-Frenssen-Weg. Vielerorts wurden die Straßen und Wege, die den Namen des Dithmarscher Schriftstellers trugen, hingegen längst umbenannt. Mit gutem Grund, wie kürzlich Schüler des 13. Jahrgangs am Gymnasium Heide Ost betonten. Denn Gustav Frenssen war alles andere als ein harmloser Heimatdichter.

Ein Jahr lang setzte sich der Abiturjahrgang während des Geschichtsunterrichts mit dem Leben und den Werken des am 19. Oktober 1863 in Barlt als Sohn eines Tischlermeisters geborenen Gustav Frenssen auseinander. Mit der Präsentation ihrer Arbeit zogen die Schüler nicht nur das mediale Interesse und das vieler Zuhörer auf sich. Mit den öffentlich gemachten Erkenntnissen entfachten die Schüler eine erneute Diskussion um die Regularität der Ehrung von Gustav Frenssen durch die Namensgebung von Straßen und Wegen. So auch in Brunsbüttel. Dort griff der Verein für Brunsbütteler Geschichte im Rahmen des historischen Stammtisches das Thema auf.

Während eines Vortrags lieferte Jens Binckebank einen Einblick in die Werke des Mannes, der vor seinem Durchbruch als Schriftsteller unter anderem in Hemme als Pastor beruflich tätig war und während seiner schriftstellerischen Karriere zwei Mal für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen wurde.

1902 hängte Frenssen seinen Talar an den Nagel, nachdem ihm mit seinem Entwicklungsroman „Jörn Uhl“ der große Durchbruch als Schriftsteller gelang. Hunderttausendfach wurde sein Werk seinerzeit verkauft, und weitere Erfolgsbücher entsprangen der Feder des Dithmarscher Schriftstellers. Doch spätestens ab 1933 entwickelte sich Frenssen in seinen Schriften zunehmend zum Propagator nationalsozialistischen Gedankenguts, Befürworter unmenschlicher Gräueltaten und Anhänger Adolf Hitlers. In seinem Buch „Recht und Unrecht – mein Land!“ rechtfertigt und legitimiert Frenssen die Verfolgung der Juden und das Weltmachtstreben der Nationalsozialisten. In seinem 1942 erschienenen Werk „Lebenskunde“ fordert der einstige Gottesmann gar die Tötung von Behinderten, Arbeitsunwilligen, Landstreichern, „Volksfeinden“, Kriminellen und anderen, die er als krank einstuft.

„Es ist an der Zeit, dass man sich nicht nur in Heide erneut dem Thema widmet und sich ernsthaft fragt, ob es richtig ist, dass Gustav Frenssen durch die Namensgebung einer Straße geehrt wird“, zog Jens Binckebank am Ende seiner Ausführungen ein persönliches Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen.

Kurios ist, dass sowohl in Heide als auch in Brunsbüttel die Straßen erst 1960 nach dem Dithmarscher Schriftsteller benannt wurden. „Es war eine grobe Nachlässigkeit, die Straßen so zu benennen“, unterstrich Klaus Roosen aus Marne. 1983 hätten sich die Jusos in der SPD um eine Namensänderung sämtlicher Gustav-Frenssen-Straßen im Kreis bemüht. Doch ohne Erfolg. Es sei an der Zeit, diese Umbenennung endlich durchzuführen, forderte Roosen. Eine Meinung, der sich SPD-Ratsfrau Anke Schäfer anschloss. Die Brunsbütteler Kommunalpolitikerin will sich jetzt für eine Namensänderung der Straße in ihrer Fraktion stark machen und darüber hinaus auch dafür Sorge tragen, dass dieses Thema in der Ratsversammlung auf den Tisch kommt, betonte Schäfer. Die Teilnehmer der Veranstaltung regten an, diese Veranstaltung zu wiederholen und neben den Brunsbütteler Kommunalpolitikern aller Fraktionen auch sämtliche Anwohner der Gustav-Frenssen-Straße einzuladen.

zur Startseite

von
erstellt am 09.Jan.2014 | 17:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen