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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 20:30 Uhr

Freizeit : Strampeln für die Natur

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umweltbewegte Tour über 465 Kilometer: 150 Radfahrer durchqueren auch Steinburg mit Stationen in Glückstadt, Brokdorf, Wilster, Itzehoe und Kellinghusen.

Die Unternehmung erfindet sich jedes Jahr neu – und das jetzt schon zum 26. Mal. Zum zweiten Mal führt die „Tour de Natur“ dabei auch durch Schleswig-Holstein. Gestern machten die rund 150 Radfahrer aus ganz Deutschland und Holland Station in Glückstadt, Brokdorf und Wilster. Nach der Ruhepause in der Waldorfschule gibt es heute gegen 10 Uhr eine Kundgebung auf dem Itzehoer La Couronne-Platz, anschließend geht es weiter in Richtung Kellinghusen. Wenn die bunte Truppe am Freitag Kiel erreicht hat, haben die Teilnehmer nach dem Start vor zwölf Tagen in Groningen fast 500 Kilometer zurückgelegt.

„Für mich ist das mein Jahresurlaub, und ich kann dabei sogar noch etwas für den Klimaschutz tun“, sagt Kati Ziemer. Die Berlinerin genießt vor allem die Gemeinschaft. Und die basisdemokratische Organisation der Tour, bei der jeder das einbringt, was er möchte. Unterwegs gibt es immer umweltpolitische Tagesthemen – in Cuxhaven waren es Windkraft und Watt, auf der Überfahrt nach Glückstadt die Elbvertiefung und in Brokdorf die Atomenergie. Fachkundiger Begleiter an der Unterelbe war dabei der Brokdorfer Karsten Hinrichsen.

Bei einer kurzen Kundgebung am Kernkraftwerk erinnerte er an die Geschichte des Widerstands. Und daran, dass Atomkraftwerke einst auch in Kollmar und in Neuhaus geplant gewesen seien. „Jeden Tag sollten hier 3000 Menschen vor dem Tor stehen“, so Hinrichsen weiter. Das habe man dann doch nicht geschafft. Die Mahnwache am Tschernobyl-Gedenkstein gleich hinter dem Kraftwerk ergreife – wie immer am 6. eines Monats – am kommenden Sonnabend aber bereits seit 30 Jahren Position. Dass die kleine Anlage mit dem mahnenden Grabstein immer gepflegt aussieht, dafür sorgen Antje Ahmling und ein Ehepaar aus Kellinghusen, das alle vier Wochen mit einem Rasenmäher anrückt.

Hinrichsen betonte zum Abschluss noch einmal die Forderung der örtlichen Initiative, die Anlage sofort vom Netz zu nehmen. „In jeder Stunde wird hier ein Kilogramm Atommüll erzeugt.“ Gleich drei Mal gab es spontanen Beifall aus den Reihen der Radfahrer: Für Karsten Hinrichsen und seine Forderung nach einem weltweiten Abschalten aller Kernkraftwerke, für Anke Dreckmann und ihre erfolgreiche Klage gegen das Zwischenlager in Brunsbüttel und schließlich noch einmal für Hinrichsen, der die Justiz jetzt noch einmal gemeinsam mit Greenpeace bemüht. Dann gab es für die auch dem Regen trotzenden Teilnehmer erst einmal Tomatensuppe und heiße Getränke.

Nächste Station Wilster: Der Treffpunkt vor dem Colosseum wurde kurzerhand vor die Kirche verlegt. Dort schaffte es eine kleine Theatergruppe, das gesamte Dilemma der Atomwirtschaft in nur zehn Minuten zusammenfassend auf die Bühne, also das Pflaster zu bringen. Zum Abschied wurde das Ende des Atomzeitalters musikalisch beschworen – dazu drehten sich kleine Windrädchen. Anke Dreckmann machte am Rande aber auch deutlich, dass der Widerstand aus ihrer Sicht weitergehen müsse: „Den Prozess habe ich gewonnen, jetzt kommen die Brennelemente aber trotzdem ins Zwischenlager.“

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erstellt am 04.Aug.2016 | 17:00 Uhr

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