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Norddeutsche Rundschau

06. Dezember 2016 | 22:58 Uhr

Schicksale : Stolpersteine gegen das Vergessen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bildhauer Gunter Demnig sorgt für die Erinnerung an die Lägerdorfer Nazi-Opfer Fritz Berent und Elise Augustat.

Die Kommunalpolitiker Harald Karstens und Uwe Erickson hatten die Idee, und der Bildhauer Gunter Demnig setzte sie in die Tat um. Jetzt erinnern zwei Stolpersteine in Lägerdorf an den Tod von Fritz Berent im Jahre 1937 und an das Ableben von Elise Augustat drei Jahre später. Beide Lägerdorfer Schicksale stehen in direkter Verbindung mit den politischen Verhältnissen während der NS-Zeit (1933-1945): Der Arzt Dr. Fritz Berent litt als Jude unter den Schikanen des Ortsgruppenleiters Robert Struck und wählte den Freitod, und die ehemalige Reichstagsabgeordnete Elise Augustat starb nach ihrer Entlassung aus dem Konzentrationslager Ravensbrück an den Folgen der Haft. „Auch sie wurde von den Nazis gedemütigt und schikaniert“, betonte Karstens.

Die Zeremonien in der Rethwischer Straße und in der Rosenstraße erlebten zahlreiche Bürger mit, darunter auch Bürgermeister Heiner Sülau, die Landtagsabgeordnete Birgit Herdejürgen und die Kreistagsabgeordnete Gerlinde Böttcher-Naudiet. Um vor dem Regen Schutz zu haben, verrichtete Gunter Deming seine handwerklichen Arbeiten auf den beiden Gehwegen jeweils unter einem Pavillon. Eine Besonderheit umgibt den Stolperstein für Fritz Berent: Um die Lücke im Asphalt des Gehweges ganz zu schließen, verbaute Gunter Demnig zusätzlich kleine Granitsteine, die vom Berliner Alexanderplatz stammen. Für den Künstler, der seit 1996 bislang rund 58  500 Stolpersteine in 20 europäischen Staaten gesetzt hat, war die handwerkliche Prozedur reine Routine. Er benötigte zum Setzen der Stolpersteine in der Größe von 96 mal 96 Millimeter jeweils lediglich eine gute viertel Stunde.

Im Gespräch mit unserer Zeitung erinnerte sich Gunter Demnig an den ersten von ihm gesetzten Stolperstein. Für die Aktion im Jahr 1996 in Berlin habe er aber keine Genehmigung gehabt: „Die hätte ich auch nie bekommen.“ Zwischenzeitlich begegne man in den Amtsstuben seiner Stolperstein-Initiative aber offner. „Es gibt kaum Probleme – außer in München.“ Dort wolle man seitens der Stadt Stolpersteine im öffentlichen Raum nicht haben. „Die gibt es dort nur auf privaten Grundstücken.“ Die allermeisten seiner Stolpersteine sind bisher unangetastet geblieben. Lediglich 500 seien wieder entfernt worden – von politisch rechts stehenden Personen illegal.

Harald Karstens und Uwe Erickson, die zu Ehren der beiden Opfer des Nationalsozialismus jeweils drei rote Rosen neben die Stolpersteine legten, wollen mit ihrer Idee ein Zeichen gegen das Vergessen setzen. Uwe Erickson: „Wir hoffen, dass sich die Menschen Gedanken machen über das, was damals geschehen ist, und dass sie sich dafür einsetzen, dass sich damaliges Unrecht nicht wiederholt.“ Das Wort ergriff auch Gerlinde Böttcher-Naudiet. Die Kreistagsabgeordnete bedankte sich dafür, dass sie „an dem bewegenden Moment“, den die Initiatoren geschaffen hätten, teilhaben durfte. Niemand der Anwesenden hätte im Dritten Reich leben wollen, doch Leid und Not gebe es immer noch: „Die Flüchtlinge bei uns berichten von ähnlichen Gräueltaten, wie es sie bei uns zur NS-Zeit gegeben hat.“ Im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingslage ergänzte Bürgermeister Heiner Sülau: „Wenn man sieht, was gerade in der Welt passiert, kann einem Angst und Bange werden. Dass demokratisch gewählte Regierungschefs nicht in der Lage sind, Frieden zu schaffen, ist erschreckend.“

 

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