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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 20:49 Uhr

Eisenbahn-Denkmal : Stellwerk-Museum vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weil die Deutsche Bahn die Kosten für die Sanierung des Gebäudes am Glückstädter Bahnhof nicht übernehmen will, ist am 31. März 2017 Schluss im ehrenamtlich betriebenen Museum.

Sie haben unzählige Stunden an ehrenamtlicher Arbeit hineingesteckt. Jahrelang haben Glückstädter das ehemalige Stellwerkgebäude instand gehalten und der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht. Jetzt steht das Stellwerk-Museum vor dem Aus. Die Bahn als Eigentümer will das Haus schließen. Der Grund: Der Dachboden muss saniert werden und die Kosten von rund 10  000 Euro sind dem Unternehmen zu hoch.

Das Gebäude aus dem Jahr 1938 steht unter Denkmalschutz. Doch Bertold Köster vom Landesdenkmalamt macht wenig Hoffnung. „Jeder Eigentümer hat die Verpflichtung, sein Denkmal zu erhalten. Wir können ihm aber nicht auferlegen, es zu sanieren.“ Der Denkmalschützer selbst hat sich das Stellwerk-Museum angesehen – und war begeistert. „Das Stellwerk zeigt die Bedeutung des Kulturdenkmals Glückstadt.“ Die dort vorhandene Technik im Gebäude sei ein „Zeugniswert“. Was mit dem Stellwerk in der Zukunft geschehen wird, ist noch unklar. „Selbstverständlich werden wir den Auflagen des Denkmalschutzes Rechnung tragen“, sagt Egbert Meyer-Lovis, Pressesprecher der Bahn. Und: „Eine weitere Vermarktung steht noch nicht fest.“

Bis zuletzt hatte die Bahn das ehemalige Stellwerkgebäude der Stiftung Bahn-Sozialwerk (BSW) überlassen. Glückstädter Bürger, allesamt Mitglieder des BSW, betreiben das besondere Museum seit den 90er Jahren. Egbert Meyer-Lovis: „Das BSW ist seit vielen Jahren ohne Mietvertrag in dem Gebäude. Derzeit stehen umfangreiche Dachsanierungsarbeiten an. Es gab Verhandlungen mit dem BSW, in denen alle Möglichkeiten ausgelotet worden sind.“ Dazu gehörten eine Mietvereinbarung oder ein Ankauf. „Leider waren diese Verhandlungen nicht von Erfolg gekrönt“, so der Pressesprecher. Jetzt gäbe es die eine einvernehmliche Lösung: Der Auszug zum 31. März 2017.

Steffi Meyer von der Stiftung Bahn-Sozialwerk hätte das Museum gern erhalten. „Mir blutet das Herz.“ Die Mitglieder hätten dort viel Energie und Arbeit hineingesteckt. Schriftliche Vereinbarungen über einen Mietvertrag gibt es nicht. „Der Mietvertrag wurde damals noch per Handschlag abgeschlossen“, sagt sie. Doch als Stiftung könne sie die notwendigen 10  000 Euro für die Reparaturaufgaben nicht aufbringen. Das wäre eine „Mittelfehlverwendung“ als Stiftung. Deshalb habe sie beim Eigentümer angefragt und die Antwort bekommen, dass die Bahn selbst keine Mittel dafür habe. Als Stiftung sei es nicht möglich das Stellwerk zu kaufen, sagt sie.

Auch den neun Ehrenamtlern aus Glückstadt sind die Hände gebunden. Aber besonders in Hinblick auf die 400-Jahr-Feier hätten sie 2017 gern viele Besucher durch das Museum geführt und ihnen die historische Technik vorgeführt, wie sie es bereits für Besucher aus ganz Deutschland getan haben. „Wir würden gerne weitermachen, wir haben sehr viel Arbeit reingesteckt“, sagt Ehrenamtler Dieter Meier. Sein Mitstreiter Ewald Jahrstorfer geht noch weiter: „Wir würden gerne alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit das Museum erhalten bleibt.“ Als ehemaliger Eisenbahner weiß er aber, dass dies schwierig wird. Als pensionierter Stellwerker kennt er sich im Detail aus und kann die historische Anlage im Gebäude bedienen und vorführen. „Wir können Züge einfahren lassen – die Bedienung des Stellwerkes von A bis Z demonstrieren.“

Am Sonntag werden die Ehrenamtler zum letzten Mal ins Museum einladen – von 14 bis 17 Uhr. Danach geht es an die Vorbereitungen für den Auszug, denn im Museum gibt es viele Leihgaben rund um die Eisenbahngeschichte.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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