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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 09:07 Uhr

Reha : Sport verleiht neuen Lebensmut

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Reha-Sportgruppe Krebs sucht Mitglieder – Männer sind auch willkommen

„Tut mir leid. Wir sind heute ganz knapp besetzt. Sonst kann ich in meiner Gruppe immer sechs bis acht Mitmacher begrüßen.“ Anke von der Lieth ist leicht enttäuscht – aber nur ein bisschen. Jeden Donnerstag trifft sie sich mit einer Gruppe – zurzeit sind es ausschließlich Frauen – in der Sporthalle der Bürgerschule. Und das hat seinen speziellen Grund: Die Frauen nehmen teil am Reha-Sport nach Krebserkrankungen.

Sport nach Krebs? Was viele Unwissende aufschrecken lässt, ist für diese Frauen pure Entspannung, Flucht aus der Krankheit. „Studien haben ergeben, dass sich die Rückfallquote bei sportlicher Betätigung enorm minimiert“, berichtet Renate Hoppe. Sie selbst ist seit Gründung der Gruppe vor etwa zwei Jahren dabei. Und Käthe Piening aus der Engelbrechtschen Wildnis schätzt die Gemeinschaft in der Gruppe: „Hier können Probleme diskutiert und gemeinsam aufgefangen werden.“ Denn es bleibt ja nicht beim Sport.

Die Frauen treffen sich gerne mal zum Frühstück oder sind privat unterwegs. Und dann wird keineswegs immer die Krankheit thematisiert. „Ach – bin ich froh, dass ich wieder Schwimmen darf“, sagt Käthe Piening. Seit ihrer Brustkrebs-Diagnose war ihr das vorläufig untersagt. Jetzt konnte sie schon wieder regelmäßig im Freibad ihre Bahnen ziehen. Geholfen hat ihr dabei auch der Sport in der Gruppe. Denn die Aktivität verleiht Lebensmut und Ablenkung; Bewusstsein, die Krankheit zu akzeptieren, mit ihr zu leben und sie auch besiegen zu können.

Seit etwa zwei Jahren besteht diese Gruppe innerhalb der SG Gesundheit und Rehabilitation im ETSV Fortuna Glückstadt. Und seit dieser Zeit leitet Anke von der Lieth nicht nur diese Krebs-, sondern auch eine Lungen-Reha-Gruppe. „Wir trainieren Ausdauer, Kraft, Feinmotorik, machen Gymnastik und Entspannungsübungen oder eben einen Mix aus allem“, erklärt die speziell ausgebildete Übungsleiterin.

Und dabei geht sie immer auf die individuelle Tagesform jeder einzelnen Teilnehmerin ein: „Wenn jemand mal nicht so gut drauf ist, dann wird natürlich Rücksicht genommen.“ Ihr ist es wichtig, zu verdeutlichen, dass Sport – egal, bei welchem Krebs und auch schon während der Chemotherapie – dem Genesungsprozess zuträglich ist. „Das haben viele Studien gezeigt“, bekräftigt Anke von der Lieth.

Eine gründliche ärztliche Untersuchung und Verordnung ist zur Teilnahme unerlässlich. Die Trainerin weiß, wovon sie spricht: Seit einem dreiviertel Jahr ist sie selbst Betroffene. „Das hat mir anfangs den Boden unter den Füßen weggezogen. Ich habe mich aber der Krankheit gestellt und jetzt gibt mir der Sport Kraft. Ich therapiere mich praktisch selbst“, sagt sie. Eines allerdings bereitet ihr Kummer: „Unsere Gruppe ist so klein. Normal sechs bis acht Personen. Ich würde gerne mehr Teilnehmer begrüßen können.“

Sie hofft mit diesem Aufruf, Betroffene ansprechen zu können und zum Mitmachen zu bewegen. „Und gerne auch Männer. Ich weiß, dass die Herren oftmals eine Hemmschwelle haben. Aber hier braucht sich niemand vor nichts zu schämen“, muntert Anke von der Lieth männliche Krebserkrankte auf. Zum Mitmachen braucht es nicht viel: Eine ärztliche Verordnung, die Genehmigung der Krankenkasse, die Anmeldung bei Anke von der Lieth. Kosten entstehen keine; in der Regel tragen die Krankenkassen die Kosten, Vereinsbeiträge fallen nicht an. Einmal wöchentlich (donnerstags von 16 bis 16.45 Uhr) trifft sich die Gruppe in der Sporthalle der Bürgerschule. Das Alter – Voraussetzung ist natürlich die Volljährigkeit - spielt auch keine Rolle: „Sport bei Krebs kann in jedem Alter helfen.“ Davon ist Anke von der Lieth überzeugt. Wer mitmachen möchte, kann sich bei ihr unter 04124/932018, 0152/21771089 oder per Email: aha.vdl@t-online.de anmelden. Dann werden die Abläufe detailliert besprochen.

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