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Norddeutsche Rundschau

25. Januar 2017 | 00:29 Uhr

Glückstadt : Speisekarte nach 36 Jahren wieder da

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

1980 nach dem Essen im Ratskeller stibitzt, brachten Cuxhavener Tennisspieler das hochwertige Exemplar jetzt zurück.

Sie können alle heute herzlich darüber lachen: 1980 unternahmen Cuxhavener Tennisspieler eine Radtour, die nach Glückstadt und in den Ratskeller führte. Die Speisekarte beeindruckte vom Angebot, aber genauso von der Aufmachung her. Eine hölzerne, vom Fachmann gedrechselte Halterung und hochwertiges Papier machten sie zum begehrten Souvenir. Eine zu stibitzen gelang Hans-Jürgen Ottow – und nun fiel sie ihm bei Aufräumarbeiten wieder in die Hände. Seit Donnerstag hat Hannelore Urmersbach, damalige Eigentümerin des Ratskellers, das gute Stück zurück. Die Männer hatten sich noch einmal auf den Weg gemacht, um die Speisekarte von einst wieder der Besitzerin zukommen zu lassen.

Es war der 13. September 1980: Hans-Jürgen Ottow hatte für diesen Tag eine Fahrradtour für seine Mitspieler im Tennisclub Schwarz-Weiß Cuxhaven organisiert. „Eine Fahrt ins Blaue, nur für Herren“, erzählt er. „Das war damals so“, fügt er schmunzelnd hinzu. Start war an dem Sonnabend um 7 Uhr. Die Strecke: zirka 100 Kilometer. „Proviant und Getränke sind in angemessener Menge mitzubringen“, hieß es in der Einladung weiter.

Bei traumhaftem Wetter, Sonnenschein und Rückenwind, traten zwölf Männer kräftig in die Pedale. „Wir sind schnell in Glückstadt angekommen“, erinnert sich Ottow. Er hatte im Vorfeld mit Hannelore Urmersbach telefoniert und einen Tisch für alle bestellt. „In den Ratskeller Glückstadt wollte ich immer schon mal.“ Nur, seine Mitstreiter „zierten“ sich allerdings nach dem ersten Blick auf den Speisekarten-Aushang und die Preise im Ratskeller. „Den meisten war es zu teuer.“ Zu Dritt gingen sie nur hinein, die anderen wollten sich noch umschauen – nach und nach gesellten sie sich dann aber doch zu dem Trio. „Schließlich hatten wir alle was auf der Karte gefunden und fröhlich gegessen.“

Hans-Jürgen Ottow weiß heute noch was er damals bestellte: „Ochsenrückensteak mit gestoßenem Pfeffer für 24,80 D-Mark. Das war damals ganz viel Geld für ein Essen.“ Und es hat wunderbar geschmeckt. Dann mussten sie aufbrechen, um die Fähre Brunsbüttel noch zu erreichen. Damals existierte diese Verbindung nach Cuxhaven noch – und die neue wurde jetzt natürlich auch wieder genutzt. Damals auf der Rücktour wie vergangenen Donnerstag auf der Hintour mit der Speisekarte im Gepäck.

Die hatte es Hans-Jürgen Ottow nämlich so richtig angetan. „Was ich da aber nicht wusste war, dass auch die anderen schwer beeindruckt von der Karte waren.“ Und noch bevor die Männer den Ratskeller verlassen konnten, wurden sie von Hannelore Urmersbach aufgehalten. Sie hatte nämlich festgestellt, dass etliche Speisekarten fehlten. „Alle mussten ihre Jacken aufmachen“, berichtet sie lachend. Da kamen viele Karten zum Vorschein. Warum sie darauf bestand, hat sie den Herren damals auch erklärt: Der Drechsler, der die Halterung angefertigt hatte, war verstorben, außerdem waren die Halterungen nicht gerade billig. Nur einen übersah Hannelore Urmersbach bei der „Leibesvisitation“: Hans-Jürgen Ottow.

Das einzige „Souvenir“ unterschrieben später alle Mitfahrer, dadurch wusste Ottow immer noch die Namen aller Teilnehmer, nachdem er die Karte wiedergefunden hatte. Gemeinsam mit Hansi Schoon, der ein Fotoalbum vom Ausflug zusammengestellt hatte, gelang es noch einige zu erreichen. Erneut machten sich Hans-Peter Knochen (72), Wolfgang Berndt (77) – er war extra von Mallorca angereist – Jens Papendick (59), Axel Hensch (61) und Hans-Jürgen Ottow (81) per Fahrrad auf den Weg, Hansi Schoon (78) begleitete die Radler per Pkw, diesmal für eine Strecke von 64 Kilometern insgesamt. Im Ratskeller trafen sie Hannelore Urmersbach (74) – über den Wirt hatte Hans-Jürgen Ottow ihre Telefonnummer erhalten und mit ihr Kontakt aufgenommen. Von 1964 bis 1998 leitete sie den Ratskeller – „sowas ist mir in all den Jahren nicht wieder passiert“, sagt sie augenzwinkernd. „Und jetzt freue ich mich sehr“, fügt sie hinzu. Die Speisekarte wird nun bei ihr zu Hause einen Ehrenplatz bekommen, an der Wand im Speisezimmer. Und im Ratskeller ließen die Männer sich nun gemeinsam mit Hannelore Urmersbach das Essen wieder so richtig gut schmecken.  

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erstellt am 29.Mai.2016 | 08:30 Uhr

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