zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

26. März 2017 | 15:12 Uhr

Wirtschaft : Sparkasse Westholstein: Aus für 16 Filialen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zunehmende Digitalisierung und niedrige Zinsen sind die Ursachen. Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben.

Die Niedrigzins-Politik und das veränderte Kundenverhalten führen zu einem radikalen Einschnitt bei der Sparkasse Westholstein. Die Hälfte der 32 Filialen in Steinburg und Dithmarschen wird geschlossen. Für sechs Standorte bedeutet dies das endgültige Aus, die anderen zehn erhalten Selbstbedienungsautomaten. Darüber hinaus werden acht SB-Standorte auf Dauer dicht gemacht, bleiben werden danach noch 22. Trotz der Schließungen und Umwandlungen, die ab 2018 vorgenommen werden, soll es keine betriebsbedingten Kündigungen geben. „Handeln müssten wir auf Dauer auf jeden Fall. Doch das niedrige Zinsniveau zwingt uns, dies konsequenter zu tun als dies in der Vergangenheit der Fall war“, sagte gestern Vorstandsmitglied Tede Ibs.

In den Gremien seien die Maßnahmen schon seit längerer Zeit diskutiert, am Dienstag seien sie endgültig beschlossen worden. Mitarbeiter und auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden seien über die Umstrukturierungen informiert worden. „Die Bürgermeister hatten Verständnis, waren gleichwohl jedoch nicht begeistert“, fasst Vorstandssprecher Achim Thöle das Ergebnis der Telefonate zusammen. Den jetzt aufkommenden Diskussionen „müssen und wollen wir uns stellen“. Die geplante Umstrukturierung erfolge mit Augenmaß. Die zukünftigen Geschäftsstellen seien in zehn Minuten mit dem Pkw und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.

Neben dem niedrigen Zinsniveau sei auch das veränderte Kundenverhalten mit der zunehmenden Digitalisierung ausschlaggebend für die jetzt getroffenen Entscheidungen gewesen, betonte Ibs. „Im Durchschnitt besuchen unsere Kunden nur noch einmal im Jahr eine Sparkassen-Filiale.“ Mobile Endgeräte für Umsatzabfrage und Überweisungen würden dagegen 200-mal im Jahr benutzt. „Die Digitalisierung hat auch uns erreicht.“ Und auf das veränderte Kundenverhalten müsse sich die Sparkasse einstellen. „Der Kunde mit seinen Erwartungen bestimmt, wie wir uns aufstellen.“ Grundsätzlich halte die Sparkasse an ihrer Flächenpräsenz fest, allerdings werde das Beratungsangebot auf größere Standorte konzentriert und so „gestaltet, dass es sowohl den Bedürfnissen der Kunden als auch den wirtschaftlichen und gesetzlichen Anforderungen in der heutigen Zeit entspricht“.

Insgesamt hat sich die Sparkasse nach den Worten von Achim Thöle im vergangenen Jahr „in einem schwierigen Marktumfeld“ behauptet. Die Bilanzsumme der fünftgrößten Sparkasse in Schleswig-Holstein stieg um drei Prozent auf 3, 6 Milliarden Euro. Entwicklungstreiber war vor allem das Kreditgeschäft, dies legte um 3,4 Prozent auf drei Milliarden Euro zu. An neuen Krediten wurden 550 Millionen Euro ausgegeben, so Thöle. Etwas verwundert war der Sparkassenchef über den Anstieg der Spareinlagen um zwei Prozent auf jetzt 2,6 Milliarden Euro. Denn bei der niedrigen Zinspolitik und einer Inflation von fast zwei Prozent sei dies „echte Geldentwertung“. Investitionen in Aktien oder Immobilien seien für Sparer lohnender. Da die Sparkassenvorstände davon ausgehen, dass das niedrige Zinsniveau noch einige Zeit anhält und zu rückläufigen Jahresergebnissen von 40 bis 50 Prozent führen wird, haben sie bereits „Gegenmaßnahmen“ eingeleitet. Dazu zählt Thöle Gebühren für Kontobewegungen, Strafzinsen für gewerbliche Kunden und Kommunen ab einer Millionen Euro Guthaben aufwärts sowie neu ab Jahresbeginn Provisionen für eine nicht in Anspruch genommene Kreditlinie. Zusätzlich wolle die Sparkasse neue Geschäftsfelder erschließen oder bestehende Geschäftsfelder, wie das Verbundgeschäft, erweitern.

Die Sparkasse mit ihren fast 700 Mitarbeitern werde auch in Zukunft ein verlässlicher Partner in der Region bleiben, betonte Vorstandsmitglied Michael Burmeister. Auch das gesellschaftliche Engagement werde fortgeführt. Mit einer halben Millionen Euro an Fördergeldern bleibe die Sparkasse eine feste Größe.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen