zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 05:30 Uhr

Sicherheit : So schützen sich Itzehoes Behörden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Weil die Angriffe auf Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes bundesweit steigen, werden auch in Itzehoe Vorkehrungen getroffen

„Würden Sie einmal bitte Ihre Tasche aufmachen?“ – Seit 2013 gehört dieser Satz zum Standardvokabular der Wachtmeister am Itzehoer Landgericht. Eingangskontrollen für jeden Besucher sind seitdem Tagesroutine: Der Blick in die Tasche, der Gang durch die Schleuse und – wenn es piept – das Abtasten durch einen Mitarbeiter. Auch wenn Bundesinnenminister Thomas de Maizière erst in diesem Monat mit einer großen Pressekonferenz auf das Thema aufmerksam machte: Dass die Angriffe auf Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes bundesweit zunehmen, ist im Landgericht seit Langem bekannt – spätestens seit der Verhandlung im Dachauer Amtsgericht, bei der ein Angeklagter im Januar 2012 einen Staatsanwalt erschoss. „Die Einrichtung von Sicherheitsschleusen an den Landgerichten ist sicherlich eine Folge dieses Vorfalls“, sagt der Sprecher der Itzehoer Behörde Philipp Terhorst.

Anfangs fanden die Wachtmeister häufig Messer oder Pfefferspray bei den Besuchern, gelegentlich auch Einhandmesser, deren Tragen nach dem Waffengesetz verboten ist. „Aber die Schleuse schreckt natürlich ab“, sagt Terhorst. Inzwischen komme es nur noch selten vor, dass verbotene Gegenstände gefunden würden. Einen ernsthaften Angriff auf Mitarbeiter habe es in den vergangenen Jahren nicht gegeben. „Unser Sicherheitskonzept scheint also zu funktionieren.“ Dazu gehört auch, dass in allen Fluren, Dienstzimmern und Gerichtssälen Alarmknöpfe installiert sind, mit denen die Mitarbeiter einen der acht Wachtmeister herbeirufen können, falls es einmal brenzlig wird.

Im Finanzamt Itzehoe seien aktuell keine Vorfälle von Gewalt gegen Beamte bekannt, sagt Sprecher Eugen Witte. Wie in allen Finanzämtern des Landes wurden die dortigen Sicherheitsvorkehrungen erhöht, nachdem ein Bürger im September 2014 einen Finanzbeamten in Rendsburg mit mehreren Kugeln erschossen hatte. „Ein wesentliches Element ist die Einführung des softwarebasierten Mitarbeiteralarmsystems Vocario“, sagt Witte. Mit Hilfe dieses Programms können die Mitarbeiter in Konflikt- und Notsituationen per Alarmtaste Hilfe rufen. Darüber hinaus können sie einen Feuer- oder einen Amok-Alarm auslösen. Rund 150 000 Euro hat sich das Land diese Maßnahme für ganz Schleswig-Holstein kosten lassen.

Auch die Itzehoer Kreisverwaltung nutzt seit Mitte vergangenen Jahres dieses Alarmsystem. Bei 7000 Euro lagen die Anschaffungskosten, weitere 1800 Euro werden jährlich für Updates und Wartung fällig. Ausgelöst wurde der Alarm laut Sprecherin Britta Glatki bislang nicht. „Körperliche Angriffe hat es in den letzten Jahren in der Kreisverwaltung nicht gegeben. Dass Leute verbal ausfällig werden, kommt natürlich immer wieder mal vor. Aber in der Regel kriegen wir das schnell in den Griff.“ Nicht zuletzt würden regelmäßig Selbstverteidigungskurse für Mitarbeiter angeboten, um für den Ernstfall gerüstet zu sein.

Anders sieht es bei der Itzehoer Polizei aus, wo Gewalt gegen Beamte zum Alltag gehört. „Es ist durchaus eine zunehmende Verrohung einiger Bürger festzustellen“, sagt Sprecherin Merle Neufeld. „Wir erleben immer häufiger, dass es zu Beleidigungen oder auch körperlichen Auseinandersetzungen kommt.“ Sieben Fälle von Gewalt gegen Beamte registrierte die Polizei in der Kreisstadt im Jahr 2014, elf waren es 2015 und in diesem Jahr bereits acht. Neufeld spricht von „Gewaltformen unterschiedlicher Ausprägung“ wie Spucken, Kratzen, Schubsen, Treten und Schlagen bis hin zu massiver körperlicher Gewalt. „Arschloch“, „Wichser“ oder „Scheißbullen, ich mach euch platt“, gehörten zu den häufigsten beleidigenden Äußerungen.

Selbstverständlich seien die Polizeibeamten für solche Situationen geschult. In regelmäßigen Trainings würden teilweise konkrete Fälle aufgearbeitet und nachbesprochen. „Es wird kontinuierlich daran gearbeitet, die Sicherheit der Einsatzkräfte zu verbessern.“

Da sich die Gewalt gegen Beamte meist bei Außeneinsätzen ereigne, werden Besucher des Polizeireviers in der Regel nicht durchsucht. „Der Standort ist aus unserer Sicht nicht gefährdet.“ Dennoch würde der Pförtnerdienst dafür sorgen, dass niemand ohne Ausweiskontrolle und Begleitung ins Haus komme.

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 28.Apr.2016 | 12:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen