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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 17:25 Uhr

Ernährung : So regional wie möglich

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Einzelhandelsketten rüsten ihre Biosortimente auf: In Itzehoe gibt es aber bereits seit Jahren kleinere Händler, die auf Bio-Nahrung spezialisiert sind. Sie freuen sich über viele Stammkunden.

Bio ist in Deutschland in aller Munde. Seit Jahren steigt der Umsatz mit ökologischen Produkten stark an. Fast neun Milliarden Euro wurden in 2015 mit Bioprodukten umgesetzt, elf Prozent mehr als 2014. Der Markt reagiert auf dieses Phänomen: Einzelhandelsketten schaffen in den Regalen Platz für ihre eigenen Bio-Hausmarken – von Chia-Samen bis zum Allzweckreiniger ist alles zu finden. Ökologische Produkte erhält man aber nicht nur bei großen Einzelhändlern. Auch in Itzehoe gibt es kleinere Händler, die sich auf verantwortungsvolle Konsumenten spezialisiert haben.

Der einzige Bioladen der Stadt befindet sich am Dithmarscher Platz. Geschäftsführerin Gyde Urbschat hat bereits als Jugendliche in der Branche gearbeitet und den Naturkostmarkt vor 17 Jahren eröffnet. Damals war Bio noch kein Trend. „Es war schwer, die Leute für die neue Idee zu begeistern“, sagt sie. Heute würden bei ihr vor allem Obst und Gemüse, Müsli oder Superfoods wie Flohsamen gekauft. Auch der Vegan-Trend sei zu spüren. Milchprodukte, Fleisch, Brot und herzhafte Aufstriche verkauft Obschart von regionalen Anbietern. Dass die Einzelhandelsketten mittlerweile mit Bioprodukten aufrüsten, bekommt sie zu spüren. „Viele denken, die Produkte in einem Bioladen wie unserem wären teurer als beim Discounter. Das stimmt aber nicht, viele Produkte sind sogar günstiger“, sagt ihre Tochter Maya.

Ein weiteres Geschäft mit Öko-Angebot ist das Reformhaus in der Feldschmiede. Bio ist auch hier Programm: Es gibt Fleischersatzprodukte, Babybrei und täglich frisches Bio-Brot. Selbst die Riegel an der Kasse heißen nicht Twix oder Mars: Es sind Bio-Fruchtriegel. „Derzeit sind Smoothies, Leinöle und Produkte zur Entsäuerung des Köpers im Trend“, sagt Betreiber Olaf Schulze. Waren in Reformhäusern müssen sehr hohe Qualitätsstandards erfüllen, die viele Einzelhändler nicht haben. Wem gesunde Nahrungsmittel von hoher Qualität wichtig sind, der ist im Reformhaus also genau richtig, muss teilweise aber auch mehr bezahlen. Viele tun das jedoch gerne: „Ich gehe seit Jahrzehnten ins Reformhaus“, sagt Stammkundin Heike Tobias. „Hier gibt es hohe Qualität und gute Beratung, da fühlt man sich auf der sicheren Seite.“

Bewusste Ernährung sieht Schulze als einen Trend, den immer mehr Menschen verfolgen – auch jüngere. „Das fällt schon auf, dass hier immer mehr junge Leute reinkommen“, sagt er. Lediglich den Schwund an Geschäften in der Innenstadt bedauert Schulze: „Ohne den wäre mehr los.“

Viel los ist am Donnerstag auf dem Itzehoer Wochenmarkt. Genauer: Am Bio-Gemüsestand „Hof Dannwisch“ und am Biofleisch-Wagen „Hof Ehlers“, die sich hier seit Jahren jede Woche gegenüberstehen. „Wir sind total zufrieden mit dem Geschäft“, sagt Christiane Ehlers. Sie verkauft ausschließlich hauseigenes Biofleisch aus Hasenmoor und hat viele Stammkunden.„Den Leuten ist es wichtig den Kreislauf ihres Essens zu kennen. Sie wollen wissen, woher das Fleisch kommt“, sagt sie. Besonders häufig würde Geflügelfleisch gekauft.

„Ich komme hierher, weil mir das Wohl der Tiere wichtig ist, und ich gegen Massentierhaltung bin“, sagt eine von Ehlers’ Kundinnen. Billiges Discounterfleisch würde ihr deswegen nicht in den Kühlschrank kommen. Für höhere Qualität zahle sie gern höhere Preise. Dörte Jüchter vom Hof Dannwisch gegenüber legt viel Wert auf das „Demeter-Siegel“. Demeter-Erzeuger halten sich an strengere Auflagen, als es die EU-Öko-Verordnung vorschreibt. Die bestimmt nämlich lediglich Mindeststandards für Biowaren. Am beliebtesten sind an Jüchters Stand die Nahrungsmittel, die direkt auf ihrem Horster Hof produziert werden. Dazu gehören Kartoffeln, Möhren, rote Beete, Mais oder Gurken. Alle nicht-selbstproduzierten Produkte versucht Jüchter „so regional wie möglich zu besorgen.“ Ein Konsens, den alle Itzehoer Biohändler tragen.

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erstellt am 29.Sep.2016 | 12:19 Uhr

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