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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 19:46 Uhr

Interview : Seifenoper am nächtlichen Himmel

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Was Peter Kaminsky an der Astronomie so spannend findet und warum er jetzt Dozent bei der Volkshochschule Wilster ist.

An der Volkshochschule Wilster wird erstmals ein Kurs in Sternenkunde angeboten. Dozent ist der Hohenasper Peter Kaminsky. Das erste Treffen sollte ursprünglich morgen Abend stattfinden, wird aber verschoben auf den 2. November, von 19 bis 21 Uhr in der Bücherei der Wolfgang-Ratke-Schule. Geplant sind vier Abende Theorie und vier Abende Beobachtung des nächtlichen Himmels über der Wilstermarsch.

Wie kommt man als Deutschlehrer auf die Idee, sich mit Astronomie zu beschäftigen?
Da bin ich auf den Hund gekommen. Ich bin mit ihm abends am Ortsrand von Hohenaspe immer Gassi gegangen. Und dabei habe ich auch mal nach oben geschaut. Ich habe mich dann mit Astronomie ganz traditionell beschäftigt, eben Bücher darüber gelesen. Seit ich Enkel habe, habe ich keinen Hund mehr. Das Interesse ist geblieben.


Gab es einen Anlass, einen zündenden Funken? Vielleicht schon als Jugendlicher?
Als Jugendlicher war das überhaupt kein Thema für mich. Das kam dann erst im Erwachsenenalter.

Sternengucker bei der Volkshochschule: Warum wollen Sie das Thema auch anderen Menschen vermitteln?
Nach dem Einstieg in die Materie habe ich an meiner Schule einen Kurs für Oberstufenschüler angeboten. Das war der Renner. Die haben sich sehr viel mehr für Astronomie interessiert als ich dachte. Vom SSG-Förderverein ist das mit der Anschaffung eines großen Teleskops sehr gut unterstützt worden. Damit konnte man dann auch sehr spezielle Objekte wie die Planeten sehen, meist Saturn und Jupiter. Um die am Himmel zu finden, muss man sich allerdings erst einmal orientieren können. Den Kurs bei der Volkshochschule gebe ich, weil ich jetzt kein aktiver Lehrer mehr bin. Es gibt inzwischen natürlich auch tolle Apps für das Smartphone mit deren Hilfe man Himmelskörper identifizieren kann. Nur: Die reine Information bringt ja gar nix. Ich biete den Kurs auch deshalb an, weil sonst auch bei mir viel Wissen verloren geht, wenn man bei dem Thema nicht ständig weiter übt. Und da ich ja auch keinen Hund mehr habe...

Warum gerade bei der VHS Wilster?
Das ist einfach Zufall. Und Wilster liegt nicht so weit weg. Und natürlich auch deshalb, weil es in der Wilstermarsch so schön dunkel ist. Wenn es läuft, würde ich das Thema auch an anderen Standorten anbieten.

Kann man mit bloßem Auge überhaupt etwas Interessantes entdecken?
Mit bloßem Auge ist es am besten. Dann sieht man nämlich den ganzen Himmel. Mit einem Teleskop wird es schon recht schwer, sich zu orientieren. Es gibt heute natürlich auch schon To-go-Teleskope, die sich automatisch auf das Gesuchte einstellen. Das bringt aber eigentlich gar nichts, weil man ja auch wissen muss, ob es wirklich stimmt, was einem da gezeigt wird.

Welche Ausrüstung sollte man als Laie mitbringen?
Man braucht nur ein gutes Auge. Und dann natürlich etwas Wissen um die Bewegung, damit man die Planeten auch finden kann. Das Universum ist ja schließlich unfassbar groß. Und dann braucht man möglichst auch noch eine tolle Nacht.


Der Sternenhimmel über der Wilstermarsch: Wie unterscheidet der sich eigentlich von anderen Regionen?
Im Vergleich zur Mittelmeerregion sehen wir hier nicht so viel. Da, wo wir vom Großen Wagen sprechen, redet man dort vom Großen Bären, weil einfach sehr viel mehr Sterne zu sehen sind.

Man braucht für gute Aussicht in Richtung Firmament ja einen klaren Himmel. Welche Witterungsbedingungen sind denn ideal?
Optimal ist gute Durchsicht, das heißt möglichst wenig Feuchtigkeit in der Atmosphäre. Und natürlich möglichst kein Fremdlicht. Das ist bei uns gar nicht so einfach. Ich habe schon erlebt, dass ich nachts einen optimalen Platz zur Beobachtung gefunden habe. Und dann kommt da ein Bauer mit einer ganzen Batterie von Halogenscheinwerfern angefahren, weil er unbedingt um Mitternacht seine Saat ausbringen will.

Bei zwischenmenschlichen Beziehungen kann man – so hört man – mit der Kenntnis von Sternenbildern durchaus punkten. War das für Sie je ein Thema?
Weil ich bei der Astronomie Spätstarter bin, habe ich da keine Erfahrungen. Was das Thema unter Schülern auslöst, weiß ich natürlich nicht. Aber der Blick in den Himmel hat ja immer auch etwas Ergreifendes. Ich kann mir schon vorstellen, dass man sich da näher kommt.

Was sind Sie denn für ein Sternzeichen?
Fische. Wegen der Lichtverschmutzung aus Richtung Hamburg oder auch Elmshorn kann ich das am Himmel aber leider nicht sehen.

Was ist denn Ihr Lieblingsstern?
Andromeda. Dahinter verbirgt sich auch meine Lieblingsgeschichte. Es ist schon toll, was die Griechen für über 2000 Jahren so alles daraus gemacht haben. Dabei geht es um Kassiopeia, die sich für die schönste aller Frauen hielt. Das machte Poseidon so wütend, dass er mit seinem Dreizack auf den Meeresgrund stieß und damit ein Seeungeheuer weckte. Um dieses zu besänftigen, sollte ihm Andromeda geopfert werden. Der Held Perseus besiegte das Ungeheuer, befreite Andromeda und nahm sie zur Frau. Die aus der Verbindung entstandenen Kinder gelten nach der griechischen Mythologie als Stammväter persischer Könige.

Was kann man denn im Moment am besten sehen?

Das Sommer-Dreieck, zumindest noch für kurze Zeit. Dann folgt das Herbst-Viereck und schließlich das Winter-Sechseck. Am schönsten sind allerdings ohnehin die Geschichten, die mit den Sternenbildern verbunden sind. Ein Schüler von mir sagte einmal, das sei ja die reinste Seifenoper.

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erstellt am 04.Okt.2016 | 17:00 Uhr

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