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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 02:24 Uhr

Orgelwerke : Sechs Konzerte für die Königin der Instrumente

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Neue Musikreihe im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf vom 4. September bis 9. Oktober in fünf Gotteshäusern. Eröffnung wird in St. Laurentii in Itzehoe sein.

Johann Sebastian Bach war ein praktischer Mann. Als Kirchenmusiker erfand der Großmeister nicht nur herrliche Musik für viele Anlässe, er sorgte auch dafür, dass seine Arbeitsgeräte in Schuss blieben. Ganz besonders die Orgeln, die er in Thüringen regelmäßig zu bespielen hatte, lagen ihm am Herzen. Der Komponist (1685-1750) kämpfte dafür, dass die Instrumente betriebsbereit blieben und war als Kantor gefragter Gutachter bei Neu- und Umbauten.

Das ist lange her, doch Pflege und Präsentation der Orgeln sind heute noch zentrale Aufgaben der Kantoren – auch im Kirchenkreis Rantzau-Münsterdorf. Und da gibt es einige Perlen der Orgelbaukunst zu bewundern. Kreiskantor Kristian Schneider aus Elmshorn und seine Itzehoer Kollegin Dörthe Landmesser haben fünf besondere Instrumente für den ersten Orgelherbst ausgewählt. Vom 4. September bis 9. Oktober sind sechs Konzerte zu hören. „Wir möchten den Menschen unsere hochwertigen Orgeln vorstellen“, sagt Kristian Schneider.

Elmshorn, Itzehoe, Neuendorf, Neuenkirchen und Münsterdorf sind die Spielorte des kleinen Festivals. Die Besucher der Konzerte erleben nicht nur interessante Programme mit bekannten Interpreten, sie lernen auch die vielfältige Orgellandschaft in der Region kennen. Kristian Schneider verspricht den Besuchern barocke Juwelen der Bach-Zeit aus der Schule des berühmten norddeutschen Orgelbauers Arp Schnittger, „romantisch-weich klingende“ Instrumente aus dem 19. Jahrhundert und „stilkopierende Neubauten“.

Größte Orgel der Tour ist das Instrument in der Itzehoer St. Laurentii Kirche mit vier Manualen (Tastaturen) und 45 Registern (Klangfarben, Stimmen). Wesentlich intimer ist der „Sound“ der neuen Truhenorgel in der Elmshorner St.-Nikolai-Kirche. Das kleine Instrument verfügt gerade einmal über ein Manual und drei Register. Dennoch: Sie ist genauso unverwechselbar im Klang wie alle anderen Instrumente, die während des Orgelherbstes erklingen. „Mir gefällt besonders, wie authentisch die Orgeln sind“, sagt Dörthe Landmesser.

Zusammen mit ihrem Kollegen Kristian Schneider hat sie bereits alle Orgeln gespielt. Ihr Favorit ist das kleine Instrument in St. Nicolai in Neuenkirchen. Die habe eine ganz besondere Ausstrahlung, so die Kirchenmusikerin. Kristian Schneider ist begeistert von der Schreiber-Orgel in der Neuendorfer Trinitatis-Kirche. Lange vernachlässigt und schließlich renoviert, entfaltet sie jetzt ihre ganze Klangfülle.

Die beiden Kantoren aus dem Kirchenkreis musizieren während des Orgelherbstes in Elmshorn, Neuenkirchen und Münsterdorf. Sie haben für die Konzertreihe zusätzlich eine Reihe renommierter Kollegen eingeladen. Aus Würzburg kommt die Organistin Liselotte Kunkel und aus Italien reisen Giovanna Bragadin (Venedig, Alt), Luca Dalsass (Castelfranco, Violine) und Sofia Bolzan (Treviso, Violine) an. Gast ist auch der Organist Stefan Viegelahn (Landau/Pfalz) . Er hat an der Musikhochschule in Frankfurt am Main einen Lehrauftrag für Orgelimprovisation. An der Hamburger Musikhochschule lehrt Isolde Kittel-Zerer Cembalo und Korrepetition. Die Kirchenmusikerin aus Klein Nordende tritt mit ihrem Chor „Fontana d’Israel“ in Itzehoe auf.

Musikalisch ist das Programm des Orgelherbstes breit gefächert. Von frühbarocken Kompositionen über Musik der Romantik bis zu Jazzimprovisationen haben die Planer den Bogen gespant. Natürlich gehört Johann Sebastian Bach dazu, aber auch Werke von Max Reger, Hugo Distler, Schütz, Scarlatti und Mendelssohn sind zu hören. Im Programm ist ebenfalls eine Orgelfahrt nach Lüneburg – die ist aber längst ausverkauft.

„Wir sind dem Kirchenkreis für die Finanzierung dankbar. So haben wir die Möglichkeit, unsere Instrumente wirkungsvoll zu präsentieren“, sagt Kristian Schneider. Schirmherr, ist Propst Thomas Bergemann.

Der Orgelherbst soll keine einmalige Angelegenheit bleiben. Die Organisatoren planen, die Konzertreihe jährlich fortzusetzen. Schließlich soll die Königin der Instrumente so oft wie möglich im Mittelpunkt stehen.

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erstellt am 02.Sep.2016 | 16:00 Uhr

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