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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 12:46 Uhr

Glückstädter Matjeswoche : Schmuckstücke kunstvoll geschmiedet

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Thies Lindemann aus St. Margarethen präsentiert seine Werke auf der Matejesmeile und lässt sich bei der Arbeit über die Schulter schauen

Klonk! Klonk! Klonk! Mit präzisen Hammerschlägen bearbeitet Thies Lindemann das glühende Hufeisen, das er gerade aus dem Feuer geholt hat. Ein paar Schläge noch – und es wird die Form eines Herzens haben. Ineinander geschlungen mit einem weiteren Herz wird es auf einem Stab zum individuellen Schmuckstück im Garten. „Solche Stäbe sind sehr in Mode“, sagt der 45-Jährige. Im Lagerraum auf seinem Hof in St. Margarethen reihen sich dutzende davon aneinander: mit Herzen, in Blumenform einfach nur gebogen als Aufhängung für Laternen. Dazu kommen Kugeln aus Hufeisen und Feuerschalen.
All diese Werke wird Thies Lindemann auch bei den Matjeswochen in Glückstadt an seinem Stand am Hafen verkaufen – und demonstrieren, wie sie entstehen. Er freut sich schon sehr darauf. „Die Leute fragen nach, sind interessiert. Ich unterhalte mich mit ihnen, kann ihnen meine Arbeit zeigen“, erzählt er. „Das macht Spaß.“

Für Thies Lindemann sind die kunsthandwerklichen Arbeiten der „Ausgleichssport“ zu seiner Haupttätigkeit als Hufschmied. „Vormittags bin ich auf den Höfen unterwegs, nachmittags kommt die Kür“, sagt er. „Das ist Passion, mit Wirtschaftlichkeit hat es nicht so viel zu tun.“ Der Sinn für handwerklich Gefertigtes sei wieder stärker ausgeprägt, freut sich der Schmied. „Es erlebt eine kleine Renaissance“, sagt er. Auch Aufträge für Türbeschläge oder Nägel, die bei der Renovierung alter Häuser zum Einsatz kommen, nehmen zu. „Individuelles ist wieder gefragt.“

Bei Schmiedekursen können Interessierte mit seiner Hilfe auch selbst ihr Geschick testen. In kleinen Gruppen mit zwei bis drei Personen entstehen Werke vom Kerzenhalter über den Schwenkgrill bis zum Tor. „Die Teilnehmer sind ganz unterschiedlich, das reicht von der Hausfrau bis zum Richter“, erzählt er. Auf Kraft komme es dabei nicht in erster Linie an, sondern auf Formgefühl und technische Raffinesse. „Es ist vergleichbar mit Kochen: Man muss vorher überlegen, was man machen will, und dann einen Plan haben, was man wann macht, um dahin zu kommen“, erklärt der Schmied, der auch eine Ausbildung als Schlosser gemacht hat. „Es hat viel mit dem richtigen Gefühl dafür zu tun. Der eine hat’s, der andere nicht“, fügt er hinzu.

Tricks und Kniffe sind neben den handwerklichen Grundlagen – etwa dem Wissen um die verschiedenen Beschlagstechniken, die je nach Rasse und Nutzung zum Einsatz kommen – auch bei Thies Lindemanns Arbeit als Hufschmied nötig. Doch das alleine reicht nicht aus. „Das Handwerkliche ist nicht das größte Problem, das Schwierige ist, sich mit den Tieren auseinander zu setzen“, sagt der 45-Jährige. „Man muss die Pferde lesen können, ein Auge dafür haben, was man mit welchem Tier machen kann.“ Unaufmerksamkeiten enden schnell schmerzhaft. „Pferde finden den Schmied nicht zwingend gut und neigen dazu, auch mal zu beißen oder zu treten“, sagt Thies Lindemann. „Man muss die Sinne beieinander haben und auf die Mimik des Tieres achten, gucken, wie zum Beispiel die Ohren stehen.“ Er müsse jedes Tier in Ruhe kennen lernen, das brauche Zeit. Und manchmal hilft auch ein genauerer Blick auf den Halter: „Genau wie Hunde sind auch Pferde oft Abbild ihrer Besitzer.“ Er habe das große Glück gehabt, seine Ausbildung bei einem sehr guten Schmied zu machen, der auch Pferde betreut, die an den olympischen Spielen teilnehmen. „Da konnte ich viel lernen.“

Die Kunden wissen es zu schätzen, die meisten sind Stammkunden. Das Einsatzgebiet des Hufschmieds reicht bis nach Segeberg und Hamburg. „Früher hatte jedes Dorf seinen Schmied, da kamen die Pferde zum Schmied – heute kommt der Schmied zu den Pferden“, sagt er. „Es entsteht ein Vertrauensverhältnis, wie wenn Menschen zum Zahnarzt gehen.“ Und wenn er beispielsweise einem Pferd, das lahmt, helfen kann, wieder gut zu laufen, sei das einfach schön. Genau wie das Gefühl, wenn er irgendwo in einem Garten eines seiner Kunstwerke sieht oder Kunden bei den Matjeswochen an seinen Stand kommen und sagen: „Ich hab vor fünf Jahren so einen Stab bei Ihnen gekauft und freue mich jeden Tag daran!“

 
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Buntes Hafenprogramm bei den Matjestagen: Sonnabend und Sonntag, 11. Und 12. Juni, 10 bis 18 Uhr. Details : www.glueckstadt-tourismus.de

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erstellt am 27.Mai.2016 | 12:00 Uhr

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