zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 09:13 Uhr

Windräder : Schmerzensgeld für Anwohner ?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Landeigentümer von Vorrangflächen für Windkraftanlagen sorgen vor dem Bürgerentscheid in Stördorf für Wirbel

Im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Thema Windenergienutzung in Stördorf sorgt eine Versammlung von Landeigentümern für Wirbel. Laut einem Protokoll der Interessengemeinschaft Windpark Stördorf, das unserer Zeitung vorliegt, sollen 15 Prozent der Erträge an etwa 20 Anwohner ausgeschüttet werden, die von den Anlagen betroffen sind, aber nicht über eigene landwirtschaftliche Flächen verfügen. Pro Einfamilienhaus sollen dabei mindestens 1000 Euro fällig werden. Entscheidende Einschränkung: Landflächeneigentümer wie auch Hausbesitzer, die gegen den geplanten Bürgerwindpark sind, sollen leer ausgehen. Lambert Lucks hält die Zahlung von „Schmerzensgeld“ für höchst bedenklich: „Soll Wohlverhalten jetzt erkauft werden  ?“ Was den Stördorfer als einen von drei Vertretungsberechtigten des Bürgerbegehrens aber besonders umtreibt, ist die Frage, wie man denn feststellen wolle, ob jemand für oder gegen Windräder sei. Schließlich handelte es sich bei dem Bürgerentscheid um eine geheime Abstimmung.

14 von insgesamt 19 Landeigentümern im Vorranggebiet hatten sich Anfang vergangener Woche zum Meinungsaustausch und zum Einholen von Informationen getroffen. In diesem Rahmen hatten sich gleich vier mögliche Planungsbüros vorgestellt. Deren Vertreter mahnten zum Teil allerdings auch zur Gelassenheit, weil man erst einmal die Ergebnisse der Regionalplanung des Landes abwarten sollte. Entscheidungen wurden denn auch auf die nächste Versammlung vertagt.

Das ins Auge gefasste Windparkgebiet soll sich vorwiegend auf das „Stördorfer Feld“ erstrecken. Die Begrenzung erfolgt durch die Straße Stördorf im Süden, die Bekau im Osten, die Straße Honigfleth im Norden und die Stördorf-Moorhusener Wettern im Westen. Einigkeit habe unter den Landeigentümern über die Verteilung der Erträge geherrscht. Zehn Prozent sollen für Zuwegungen verteilt werden, weitere zehn Prozent für die Mühlenstandorte. Nach Abzug der erwähnten Ausschüttung für Anwohner verbleiben 65 Prozent, die über die restliche landwirtschaftliche Nutzfläche verteilt werden.

Für Lambert Lucks stellt sich nun die Frage nach der möglichen Befangenheit von Gemeindevertretern und vor allem nach der Wahrung des Datengeheimnisses. Er schaltete inzwischen die Kommunalaufsicht beim Kreis Steinburg ein. Antwort von dort: Es sei derzeit nicht erkennbar, dass eventuell befangene Gemeindevertreter an Beschlussfassungen teilnehmen. Zum Thema Datenschutz heißt es dann wörtlich: „Für das Handeln der Interessengemeinschaft ist meine Zuständigkeit nicht gegeben.“ Lucks hatte dabei auf die für das Bürgerbegehren erforderliche Liste mit insgesamt 46 gültigen Unterschriften von Einwohnern verwiesen. Das Amt als zuständige Meldebehörde hatte die Antragslisten geprüft. Zwar werde das Amt ehrenamtlich durch den Amtsvorsteher geleitet, der in diesem Fall in Personalunion auch Bürgermeister von Stördorf ist. Als Amtsvorsteher sei er aber zur Verschwiegenheit verpflichtet. Aus dem Amt Wilstermarsch hieß es, die Unterlagen seien unter Verschluss.

Der Bürgerentscheid „Stopp dem Windkraftausbau in Stördorf“ steht im Mittelpunkt der nächsten Sitzung der Gemeindevertretung. Nachdem die Kommunalaufsicht die Abstimmung durch die Bevölkerung für zulässig erklärt hat, muss die Gemeindevertretung nun einen Abstimmungsausschuss bilden und eine eigene Stellungnahme zu dem Thema abgeben. Außerdem muss ein Termin festgelegt werden. Die Verwaltung schlägt dafür Sonntag, 25. September, vor. Die Gemeindevertreter treffen sich zur Beratung am Mittwoch, 27. Juli, um 19.30 Uhr im Feuerwehrhaus Kasenort.

zur Startseite

von
erstellt am 23.Jul.2016 | 08:46 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen