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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 01:36 Uhr

Wilster : Schluss mit Sondertarifen im Hallenbad

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Um Verluste aufzufangen, werden Sondertarife ersatzlos gestrichen. Ratsversammlung kündigt weitere Einschnitte an.

Der größte Verlustbringer der Stadt Wilster kommt jetzt auf den Prüfstand. In einem ersten Schritt hat die Ratsversammlung die bisherigen Sondertarife für Frühschwimmer und Abendgäste sowie die Kombination aus Abendtarif und Sauna ersatzlos gestrichen. Erhoffte Verbesserung in der bislang desaströsen Bilanz: jährlich rund 10000 Euro. Reichen wird das nicht. Weil der Stadt die Kommunalaufsicht im Nacken sitzt, kündigen die Ratsfraktionen umfangreiche Beratungen in den nächsten Wochen und Monaten an. Erklärtes Ziel: Das jährliche Defizit soll um mindestens 50000 Euro reduziert werden.

Dabei steht das städtische Hallenbad eigentlich recht gut da, wie Werkausschuss-Vorsitzender Andreas Prüß (CDU) jetzt in der Ratsversammlung hervorhob. Die Einrichtung am Schulzentrum mache optisch einen sehr ordentlichen und sauberen Eindruck. Die technischen Anlagen seien in den vergangenen Jahren saniert worden. Und auch die Angestellten seien „mit Herzblut bei der Arbeit“. Letztlich bringe das Bad auch den unschätzbaren Vorteil, dass in Wilster alle Kinder schwimmen lernen können.

Das Problem sind die dauerhaft roten Zahlen. Laut Prüß fuhr das Hallenbad im vergangenen Jahr einen Verlust von 418  000 Euro ein. Über die vergangenen fünf Jahre gesehen, habe die Stadt mehr als 1,5 Millionen Euro zubuttern müssen. „Die Aufsichtsbehörde fordert uns auf, hier nach Lösungen zu suchen“, machte Prüß den Handlungsbedarf deutlich. Allzu viele Stellschrauben auf der Kostenseite gibt es aber nicht. So machten die Fixkosten rund 84 Prozent der gesamten Ausgaben für das Bad aus. Theoretisch, so rechnete Prüß vor, müsste jeder Badegast 12,30 Euro an Eintritt bezahlen, um die Kosten wieder hereinzubekommen.

Und auch das würde wohl nur funktionieren, wenn sich durchgehend viele Schwimmer im Becken tummeln. Jede Hallenbad-Stunde schlägt nämlich mit 200 Euro an Kosten zu Buche. „Ohne Veränderungen und Einschnitte wird es nicht gehen“, kündigte Prüß daher schon einmal vorsorglich an.

Nach Einschätzung von SPD-Fraktions-Chef Helmut Jacobs könnten die Wilsteraner schon durch regeren Besuch dafür sorgen, dass die Stadt aus ihrer finanziellen Notlage herauskommt. „Ich bin dreimal die Woche da, und da gibt es immer viele freie Schwimmflächen.“

In einem flammenden Appell wandte sich Jacobs denn auch an die Bevölkerung, das Hallenbad stärker zu nutzen: „Da ist noch Platz für viele Bürger.“ Mit düsterer Vorahnung fügte er hinzu: „Wenn es das Hallenbad eines Tages nicht mehr geben sollte, ist das Geschrei groß.“

So weit wollen es die Kommunalpolitiker aber nicht kommen lassen. Über die Fraktionsgrenzen hinweg herrschte Einigkeit, dass die Einrichtung wenn irgend möglich erhalten bleiben soll. Mit Blick auf die angespannte Finanzlage war es für die Ratsversammlung dann ein kleiner Trost, dass wenigstens die Stadtwerke nach nicht immer guten Jahren wieder einen erklecklichen Gewinn abwerfen.

Mit dem Jahresabschluss 2015 konnten jetzt rund 280  000 Euro an Gewinn für den städtischen Haushalt verbucht werden. Die guten Zahlen, so Andreas Prüß, habe man geschickten Einkäufen bei Strom und Gas sowie dem Umstand zu verdanken, dass die Verbrauchszahlen gestiegen seien.
 



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