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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 15:35 Uhr

Verzögert : Schleuse später fertig

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Der Zeitplan für die dritte große Kammer in Brunsbüttel ist offenbar nur schwer zu halten. Zudem droht der Bau teurer zu werden.

Ende 2020 sollen die ersten Schiffe die derzeit im Bau befindliche fünfte Schleusenkammer für den Nord-Ostsee-Kanal passieren. Zumindest, wenn es nach dem ursprünglichen Plan des Bundesverkehrsministers Alexander Dobrindt (CSU) geht. Doch der Zeitplan gerät allmählich ins Schwimmen. „Wir hängen in vielen Dingen hinterher“, äußerte Fritz Peter Eißfeldt als Leiter des gesamten Schleusenbauprojekts am Montagabend vor rund 60 interessierten Besuchern in der Sporthalle der Brunsbütteler Südseite. „Dennoch versuchen wir im Zeitplan zu bleiben“, ergänzte der Bauingenieur, jedoch ohne dabei spürbaren Optimismus zu versprühen, das gesteckte Ziel auch wirklich erreichen zu können.

Aus den Reihen der Zuhörer, die der Einladung des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts (WSA) Brunsbüttel zur Informationsveranstaltung gefolgt waren, wurden nicht nur Bedenken bezüglich der Einhaltung des Bauzeitplans laut. Auch die Einhaltung der geplanten Kosten, wurden angesichts der zunehmenden Aufgaben angezweifelt, die nach Erklärung Eißfeldts im Vorfeld der Maßnahme als solches nicht berücksichtigt werden konnten.

„Wir sind hier nicht bei der Elbphilharmonie“, entgegnete Gesa Völkl den Bedenkenträgern. Die im Rahmen der Ausschreibungen ermittelten Kosten seien zwar eine grundlegende Größe, jedoch gehörten Abweichungen im gewissen Rahmen dazu. Grundsätzlich ließen sich tatsächliche Baukosten erst im Zuge der Projektrealisierung ermitteln, erläuterte die Leiterin des WSA-Brunsbüttel. Schon jetzt wird der Schleusenbau mit über 500 Millionen Euro kalkuliert. Völkl bestätigte, dass solche Projekte in aller Regel unbekannte Faktoren beinhalteten, die sich nicht kalkulieren ließen. Jedoch würden alle finanziellen Forderungen der bauausführenden Unternehmen genauestens auf Richtigkeit geprüft. Die Gefahr, dass die Kosten tatsächlich wie bei dem Konzerthaus im Westen der Hafen-City in Hamburg aus dem Ruder laufen könnten, sieht die Leiterin des WSA-Brunsbüttel für den Schleusenneubau allerdings nicht gegeben.

„Im Zuge der Kampfmitteluntersuchungen ist aufgefallen, dass die in den Planungsunterlagen eingetragene Böschungssicherung im Bereich des elbseitigen Vorhafens gar nicht existiert“, nannte Gesa Völkl ein Beispiel. Die fehlende Böschungssicherung habe zur Folge, dass sich die Bodenuntersuchung deutlich intensiviert und weitaus mehr Erdreich nach Blindgängern und Munition durchforstet werden müsse, als ursprünglich vorgesehen war. „Diese weiterführenden Untersuchungen erzeugen zusätzliche Kosten, die wir zwangsläufig übernehmen müssen.“ Gleichzeitig werde jedoch immer auch geschaut, wo sich Kosten einsparen lassen. Optimistisch zeigte sie sich allerdings, dass es nun bald mit den Planungen zum Bau des 21 Millionen Euro teuren Tor-Instandsetzungsdocks am WSA-Betriebshafen losgehen wird. Dazu fehlt dem WSA bislang schlicht das notwendige Fachpersonal, welches sich um die Umsetzung des Bauvorhabens kümmern kann.

Noch in dieser Woche werden Vorstellungsgespräche mit potenziellen Kandidaten geführt, die sich auf die ausgeschriebenen Ingenieurstellen beworben hatten. „Es ist unglaublich schwer Ingenieure zu bekommen“, bedauerte Gesa Völkl den Grund für den Verzug des Projekts. Alle erforderlichen Genehmigungen sind vorhanden und auch die Finanzierung für das 80 Meter lange, 26 Meter breite und 22 Meter hohe, schallgedämmte Hallengebäude steht.


>Wer sich einen Einblick in Europas größte

Wasserbaustelle verschaffen möchte, kann

dies über eine Schleusenführung im

Info-Zentrum an der Schillerstraße tun:

www.vhs-brunsbuettel.de

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