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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 00:59 Uhr

Schlachthof baut aus - Bürger entrüstet

vom

Kellinghusen | Die Schlachterei R. Thomsen wird erweitert. Den Antrag auf Erweiterung vom Mai 2008 hat das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein bereits genehmigt. Die Anwohner sind entsetzt. Sie fürchten, dass Lärm und Gestank zunehmen.

Wie das Bauernblatt berichtete, planen Schlachterei-Eigentümer Rüdiger Thomsen und Detlef Schlichting von der Vermarktungsgemeinschaft für Zucht- und Nutzvieh (ZNVG) in Neumünster einen gemeinsamen Um- und Ausbau. Weiter heißt es in dem Bericht: "Dazu sei bereits eine neue Betreibergesellschaft gründet, an der beide Partner beteiligt seien. Ziel sei eine Schlachtkapazität von einer Million Schweinen im Jahr. Durch feste Abnahmezusagen des Lebensmittelunternehmens Edeka soll eine Grundsicherung im Absatz geschaffen werden."

Konkret heißt das: Der Betrieb will die Schlachtkapazität von bisher 484 auf 685 Tonnen Lebendgewicht pro Tag erhöhen. Vorgesehen sind 336 Tonnen lebende Rindern, also rund 600 Tiere, 288 Tonnen Schweine (2440 Tiere) und 61 Tonnen Lämmer (1525 Tiere) - für letztere Tierart hat das Unternehmen nun auch die Schlachtgenehmigung erhalten. Entsprechend soll der Betrieb aufgerüstet werden: Der Lärmschutzwall soll erhöht und durch eine Lärmschutzwand nach Westen verlängert werden. Das wurde Ende vergangenen Jahres bereits genehmigt. Innerhalb der kommenden sechs Monate müssen nun die Lärmschutzwallerhöhung und die Lärmschutzwand stehen. Darüber hinaus wurde ein Antrag gestellt, die nördliche Hoffläche zu überdachen und die zurzeit im Erdgeschoss befindliche Schweine-Schlachtung in ein neu zu errichtendes Obergeschoss zu verlegen. Die Antragsunterlagen werden zurzeit erstellt.

Das Unternehmen selbst wollte sich zu den Erweiterungsplänen gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. Auch wie viele Schweine derzeit jährlich in dem Betrieb geschlachtet werden, wollte der Geschäftsführer des Kellinghusener Betriebes, Gerhard Franze, nicht beziffern. Einziger Kommentar: "Ein Schwein nach dem anderen."

Die geplante Erweiterung des Schlachthofs sorgt bei den Nachbarn aus den umliegenden Straßenzügen für dicke Luft. Diese hatten erst kürzlich von den Plänen des Betriebes erfahren. Jetzt befürchten sie Lärm- und Geruchsbelästigungen. "Wir gehen davon aus, dass diese Erweiterung Auswirkungen auf unsere Lebensqualität haben wird. Dabei geht es neben Gestank und Lärm auch um den Wertverlust von Eigenheimen. Der Lkw-Verkehr wird zunehmen und der Blick auf eine hohe Lärmschutzwand wird für viele Anwohner störend sein", schildert ein Anwohner seine Bedenken. Martin Schmidt, Pressesprecher des Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein sieht für derartige Befürchtungen keinen Grund: "Die Maßnahmen werden insgesamt auf eine Verbesserung der Situation hinauslaufen." So würden beispielsweise die Kälteaggregate der Fahrzeuge von Diesel auf Elektro umgestellt, seien also künftig leiser. Außerdem seien zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen geplant.

Bürgermeisterin Helga Nießen begrüßt die Erweiterung des Betriebes: "Die Stadt hat nichts dagegen. So können mehr Arbeitsplätze geschaffen werden." Und auch angesichts der derzeitigen Haushaltslage sei der Schritt zu begrüßen, weil mehr Gewerbesteuer in die Kasse fließe.

Die Anwohner bleiben skeptisch. Sie fühlen sich nicht ausreichend über die Baupläne informiert. "Wir wollen nicht uninformiert dem Ausbau des Schlachthofes zusehen", so ein Anwohner. Auf der Ratsversammlung kommenden Donnerstag wollen sie deshalb in der Einwohnerfragestunde auf ihre Befürchtungen aufmerksam machen und mit der Politik in den Dialog treten.

Ratsversammlung: Donnerstag, 18. Februar, 19 Uhr, im Saal des Bürgerhauses, Hauptstraße 18 in Kellinghusen.

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erstellt am 13.Feb.2010 | 04:59 Uhr

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