zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 00:55 Uhr

Debatte : Schilder-Problem an Kreisgrenzen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Fraktionen im Steinburger Kreistag kritisieren Verwaltung wegen Austausch Patenkreis gegen Metropolregion ohne vorherige symbolpolitische Absprache

Schilder-Diskussion im Kreistag: Wie soll das Willkommen an den Kreisgrenzen aussehen? Mit dieser Frage befassten sich fast eine Stunde lang Redebeiträge in der Kreistagssitzung am Donnerstagabend. Ein Gemeinschaftsantrag der Fraktionen SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Piraten, Bürgerliste Steinburg sowie der Abgeordneten Hans-Emil Lorenz (WiSt) und Helmut Unger (Freie Wähler) brachte das Thema aufs Trapez, nachdem die Kreisverwaltung Willkommensschilder an den Straßenrändern hatte verändern lassen. Leidenschaftliche Fürsprache für Identifikation des Kreises mit seinen Partnern, mit der Metropolregion Hamburg ebenso wie mit Europa folgte.

Den Grund dafür brachte SPD-Fraktionsvorsitzender Rainer Naudiet in eine Tasche gehüllt mit ans Rednerpult. Daraus zog er zunächst die Hinweistafel auf den Patenkreis Preußisch Holland. Die war nämlich vom Willkommensschild Kreis Steinburg entfernt worden. „Über sechs Jahrzehnte wurde an ihnen kein Anstoß genommen, gut lesbar, früher mehr als heute verstanden.“ Nun sei nach 60 Jahren verständlicherweise ein Austausch nötig geworden. Allerdings habe Landrat Torsten Wendt im vergangenen Jahr die Hinweisschilder auf die Patenschaft komplett gegen Schilder mit der Aufschrift Metropolregion Hamburg ersetzt. Noch dazu kaum lesbare, wie Naudiet anhand des zweiten Schildes aus der Tasche monierte.

Genau da setzt die Kritik der Politiker an. Hätte es sich nur um den Austausch schadhafter Schilder durch neue gleichen Inhalts gehandelt, wäre es reine Verwaltungssache gewesen. „Eine Änderung des Inhalts ist für uns hingegen Symbolpolitik“, betonte Rainer Naudiet. Hier hätte es eine politische Entscheidung geben müssen. Naudiet wies auf die historische Bedeutung der Patenschaft mit dem Kreis Preußisch Holland hin, ebenso auf die Partnerschaft, die der Kreis mit dem polnischen Kreis Elblag/Elbing pflegt.

Auf das Geschichts- und Selbstbewusstsein zielten auch die Sprecher der anderen Fraktionen ab. Heinrich Voß (Grüne) betonte, dass mit der Schilderpräsentation der Kreis seine Stärken kommunizieren solle. Helmut Unger bekräftigte, dass mit den Schildern bei Besuchern Interesse geweckt werden solle. Auch Martin Dethlefsen (Bürgerliste) wies auf den Werbecharakter, insbesondere durch das Bekenntnis zur Metropolregion Hamburg, hin. Hans-Emil Lorenz hob die Präsentation der Partner hervor, so wie Städte und Gemeinden des Kreises dies auch täten, und Siegfried Hansen (Piraten) regte zusätzlich an, auf Europa hinzuweisen, das sei gerade jetzt wichtig.

Die CDU, so Fraktionsvorsitzender Reinhold Wenzlaff, habe sich nicht zu dem Thema äußern wollen. Da durch die Rednerbeiträge der subtile Eindruck entstünde, wer gegen die Schilder sei, sei gegen Partnerschaft, habe aber auch er sich ans Rednerpult begeben. Die CDU verwahre sich dagegen – und Wenzlaff bezeichnete das Ganze als „Schilderkampagne“.

Und so gestaltete sich inhaltlich schließlich eine mehrheitlich entschiedene Beschlussfassung: Der Kreis Steinburg ergänzt seine Kreisschilder an den Kreisgrenzen um die Hinweise auf seine Partnerschaft mit dem polnischen Kreis Elblag/Elbing sowie seine Patenschaft für den historischen Kreis Preußisch Holland und erneuert den Hinweis auf seine Mitgliedschaft in der Metropolregion Hamburg. Die Schriftzüge sollen so gestaltet sein, dass sie für Kraftfahrzeugführer lesbar sind. Dem jeweiligen Schriftzug sind die Wappen der beiden Kreise beziehungsweise das Logo der Metropolregion erkennbar beizufügen. Die Verwaltung solle die Kosten für die neuen Kreishinweisschilder ermitteln und den Mitgliedern im Haupt- und im Finanzausschuss mitteilen. Diese sollen dann darüber beschließen, die Mittel im Nachtragshaushalt 2016 zur Verfügung zu stellen.

 

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 03.Jul.2016 | 08:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen