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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 21:44 Uhr

Sparkasse in Herzhorn : SB-Filiale vor dem Aus

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kreditinstitut erwägt Schließung des Automaten-Hauses in Herzhorn – 2018 könnte Schluss sein.

Knapp 18 Monate ist es her, dass Bernd Heiden als Bürger die Vorzüge der Gemeinde Herzhorn in markanten Sätzen schilderte: mit Schule, Ärzten, Apotheke, der letzten Landbäckerei im Kreis, Sparkassen-Filiale, Vereinsleben. Droht diese Infrastruktur auseinander zu brechen? Trotz händeringender Suche gab es für die Apotheke keine Nachfolge. Und jetzt steht die Schließung der Sparkassen-Filiale – die sowieso nur noch in dem Gebäude gegenüber der Kirche aus einem Raum mit Geldautomaten besteht – vermutlich bevor.

„Nun, ganz so ist es nicht“, sagte Achim Thöle (59), Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Westholstein – im Gespräch mit unserer Zeitung. Thöle: „Wir als Sparkasse sind nun mal den Zwängen der Veränderung im demographischen Wandel und dem Verhalten der Menschen unterworfen. Diese Auswirkungen schlagen sich auch auf unser Filialgeschäft nieder.“

Schuld an einer eventuellen Schließung sei die mangelnde Auslastung der Herzhorner Filiale. Nur noch etwa zu 50 Prozent werde dort der Bankautomat genutzt, und die Nutzenintensität sei seit längerem nicht gestiegen. Ausschlag gebend seien dafür die rasante technische Entwicklung im bargeldlosen Zahlungsverkehr, vorwiegend von jüngeren Menschen, und die knappe Auslastung durch die ältere Generation.

Regionaldirektor Niels Burrichter (50): „Der Kunde holt sein Bargeld dort, wo er einkauft. Und das ist in den meisten Fällen nicht im Dorf. Aber wir beobachten natürlich die Entwicklung ganz genau, ehe wir zu einer Entscheidung kommen.“ Alle Sparkassen-Filialen unterliegen dabei einer periodischen Überprüfung auf ihre Wirtschaftlichkeit hin.

Achim Thöle unterstrich, dass die Sparkasse Westholstein in der Vergangenheit immer Filialen, die „auf der Kippe“ standen, längere Zeit subventionierte, ehe geschlossen wurde. Dieses Bild hat sich allerdings verschoben. Thöle: „Durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sind auch unsere Gewinne stark rückläufig. Und wenn eine Filiale in die roten Zahlen rutscht, sind wir gezwungen, eine unternehmerische Entscheidung zu treffen.“

Die Sparkasse Westholstein investiere jährlich einen fünfstelligen Betrag für Werttransporte, IT-Aufwendung, Versicherung. Niels Burrichter: „Es ist naturgemäß immer schwierig, den idealen Weg für alle Beteiligten zu finden. Die Entscheidung der Sparkasse Westholstein wird immer in Absprache mit der Gemeinde Herzhorn stattfinden.“

In diesem Punkt hakte Wolfgang Glißmann, Herzhorns Bürgermeister, ein: „Vorweg gesagt: Wir haben keinen Konflikt mit der Sparkasse. Aber das Institut sollte die Maßstäbe der Wirtschaftlichkeit nicht so eng stecken. Immerhin geht es auch um die Pflicht der Grundversorgung im ländlichen Gebiet.“ Dass er sich einer Schließung kaum verschließen kann, weiß auch Glißmann, aber: „Es müssen immer beide Interessen vertreten werden.“ Er werde jedenfalls in der Gemeinde propagieren, den Geldautomaten intensiver zu nutzen. Außerdem machte er den Vorschlag, eventuell bei der Suche nach geeigneten neuen Räumlichkeiten für den Automaten behilflich zu sein.

Die Vertreter der Sparkasse sahen das allerdings anders. Burrichter: „Was würde es helfen, wenn die Auslastung punktuell steigt, dann wieder nachlässt. Das Problem hätte sich nur zeitlich verschoben.“

Außerdem seien von Seiten der Sparkasse keine Pläne bekannt, das 1987 gebaute, 1988 als personengeführte Filiale in Betrieb genommene Haus gegenüber der Kirche zu veräußern. 2009 stand die Filiale schon einmal auf der Kippe. Auf Betreiben des damaligen Bürgermeisters Klaus Lange widmete die Sparkasse das Haus zu dem Zeitpunkt als ausschließliche SB-Filiale um.

Falls sich die Sparkasse entschließt, die Herzhorner Filiale zu schließen, wird dies eher nicht kurzfristig geschehen. „Der Verwaltungsrat muss darüber entscheiden. Und bei der diesjährigen Sitzung im Herbst steht dieses Thema nicht auf der Tagesordnung“, erklärte Achim Thöle. Frühestens im Herbst 2017 wird darüber entschieden. Eine Schließung könnte dann vermutlich erst für Anfang 2018 ins Haus stehen.

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