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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 13:20 Uhr

Soziale Stadt : Sanierungsfall Glückstadt-Nord?

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Alexandra Ulrich-Timm und Claudia Dickmann (r.) von der Interessenvertretung Haus und Grund sind skeptisch, wenn es um das städtische Zukunftskonzept geht.

Glückstadt-Nord soll formal ein Sanierungsgebiet werden (siehe Infokasten). Das Ziel ist eine Aufwertung des Stadtteils. Alexandra Ulrich-Timm und Claudia Dickmann halten davon wenig. Als Vorstand der Interessenvertretung Haus und Grund mit insgesamt 1170 Mitgliedern sehen sie zu viele Probleme für Eigentümer von Mehrfamilienhäusern. Sie haben eine Stellungnahme zu diesem Thema eingereicht. Ulrich-Timm: „Wenn die Politik entscheidet, soll klar gesagt werden, dass ein Sanierungsausgleich gezahlt werden muss.“ Noch fataler fände sie es, wenn Ausbaubeiträge für Straßensanierungen gezahlt werden müssten. Nach ihrem Wissen ist auch dies in der Diskussion. „Dafür sind die Grundstücke einfach zu groß“, sagt sie zu den Kosten.

„In einem Sanierungsgebiet zahlt der Eigentümer der Grundstücksflächen Ausgleichsbeträge“, erklärt Alexandra Ulrich-Timm. „Und dann wird weniger investiert.“ Zudem hält es die Vorsitzende für illusorisch, dass die Eigentümer dann energetisch ihre Wohnblöcke sanieren. „Zurzeit können elf Prozent dieser Kosten auf die Miete umgelegt werden“, sagt die 49-Jährige. Doch bei einer Erhöhung der Mieten seien diese nicht mehr verträglich zu den Hartz-IV-Sätzen. Danach stehen solch einem Mieter in Glückstadt 313,50 Euro Miete im Monat zu. „Inklusive Betriebskosten“, sagt Ulrich-Timm. Werden die Mieten erhöht, würde dies die Behörde, das Jobcenter, nicht mittragen – und der Mieter müsste ausziehen. Es gebe in Nord vieler solcher Wohnungen.

Und, so sagt sie zu Kosten für die Eigentümer: „Das Dach in einem Mehrfamilienhaus mit drei Eingängen neu decken zu lassen, kostet ab 250 000 Euro.“ Für sie nur ein Beispiel. In mehreren Wohnblöcken müsste im Inneren viel gemacht werden, von alten Leitungen bis hin zu alten Heizungen. Doch würden die Eigentümer mit Ausgleichsbeträgen belastet, würden sie auf notwendige Investitionen wohl verzichten. Ein Mehrfamilienhaus mit sechs Wohnungen, das seien im Monat rund 1500 Euro Ertrag. „Da wird überlegt, ob es neue Fenster gibt.“ Und einigen Eigentümern fehle schlicht das Geld.

„Ich rede von 80 Wohnungen, die ich für Haus und Grund vertrete“, sagt die Vorsitzende. Es seien aber weit mehr. „Wer soll am Ende die Rechnung bezahlen? Es nützt dann auch nichts, wenn die Parkanlage schön ist“, sagt sie zu den Plänen der Stadt diese in Nord herzurichten. Zudem soll angeregt werden, dass die Mieter die Gärten selber pflegen. Auch dass müsse bezahlt werden. Es komme vor, dass solch ein Garten „zurückgebaut“ werden muss. Das hieße, ein Mieter müsste im Vorwege eine Kaution entrichten, wenn er einen Garten anlegen will.

Was sowohl Alexandra Ulrich-Timm als auch Claudia Dickmann am Herzen liegt: Glückstadt-Nord müsse einen anderen Namen bekommen. Aus ihrer Sicht sei er zu negativ behaftet. „Gebt dem Stadtteil einen Namen oder mehrere“, sagt Ulrich-Timm. Das neue Baugebiet würde jetzt ja auch „am Leuchtturm“ heißen. Und alle anderen Stadtteile hätten Namen. Dies würde helfen, wenn in absehbarer Zeit viele der Einfamilienhäuser in Nord zu verkaufen sind, aufgrund der Altersstruktur, ist Claudia Dickmann überzeugt.

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erstellt am 09.Sep.2016 | 17:00 Uhr

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