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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 11:14 Uhr

Sanfte Klänge und Paukenschläge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

140 Musiker führen die Oper „Messa da Requiem“ von Verdi in der Stadtkirche auf / Publikum gibt lang anhaltenden Beifall

140 Akteure auf der Bühne und ein Dirigent, der vor Temperament nur so strotzte. Sie präsentierten die Musik des italienischen Komponisten Guiseppe Verdi. Das hatten die Besucher der Glückstädter Stadtkirche so noch nicht erlebt.

Zurecht als „Verdis schönste Oper“ bezeichnet, wurde das „Messa da Requiem“ von Verdi gespielt und gesungen von einem deutsch italienischen Musikprojekt. Zwei Chöre aus zwei Länder, ebenso zwei Orchester, vier Solisten und ein italienisch-temperamentvoller Dirigent begeisterten das Publikum.

Eindrucksvoll war bereits der Einmarsch der 140 Musiker in die voll besetzte Stadtkirche. Beim Stimmen der Instrumente ließ sich erahnen, welche Klangfülle die Besucher erwartete. „Es war nicht einfach, dieses Ensemble im Altarraum unterzubringen, aber ich glaube, wir haben das ganz gut gemeistert“, sagte Kantor Florian Hanssen bei seiner Begrüßung des Publikums.

Die Chöre und Orchester haben lange geprobt, um dieses Musikstück Verdis auf die Bühne zu bringen. Sie haben auch keine weiten Reisen gescheut, um gemeinsam zu spielen. Die deutschen Mitglieder des Ensembles fuhren nach Italien, bevor die Südeuropäer zum Gegenbesuch aufbrachen.

Die ersten beiden Auftritte hatten im Mai in Italien jeweils vor vollen Sälen stattgefunden und viel positive Resonanz ausgelöst. Nach der Aufführung in Hamburg war Glückstadt jetzt die letzte Station für Verdis Requiem. Mit sanften, leisen Klängen begann das Orchester das Stück. Doch die ruhige Stimmung hielt nicht lange an und nach nur wenigen Minuten gipfelte der einleitende erste Satz in einem Crescendo von Sängern und Instrumentalisten.

Souverän und mit viel Begeisterung führte Dirigent Mauro Roveri das große Ensemble durch die einzelnen Sätze. Eine beachtliche Leistung des italienischen Dirigenten nicht nur wegen der Größe des Ensembles, sondern auch durch die Vielstimmigkeit von Verdis Oper.

Mauro Roveri hat Operndirigieren und Orchesterleitung studiert. Er war bereits künstlerischer Leiter der Meisterkurse am Opernhaus in Venedig. Für das Verdi Requiem dirigierte er das Kammerorchester St. Pauli sowie „I Filamonici“ di Trento und die beiden Chöre Coro Citta di Piazzola sul Brenta und den Chor der Friedenskirche Hamburg. Hinzu kamen noch die vier Solisten Rosanna Io Greco, Eugenia Zuin, Riccardo Gatto und Maurizia Franceschetti. Obwohl sie mit dem Rücken zum Dirigenten standen, erhielten auch sie präzise Einsätze. Die Solisten standen ganz nah an der ersten Sitzreihe. Sie hatten ein Stimmvolumen, wie es einem Opernhaus würdig wäre.

Obwohl in der Glückstädter Stadtkirche immer wieder sehr gute Musiker zu Gast sind, ist ein Konzert in dieser Qualität und mit einem solchen Ensemble etwas Besonderes. Perfekt aufeinander abgestimmt und zusammengehalten vom Dirigenten gab jeder einzelne Musiker sein Bestes. Dadurch kam Verdis Vertonung des Textes der Totenmesse, in seiner ganzen Fülle beim Publikum an. Der Zuhörer vergaß Zeit und Raum um sich herum, während die Musik wie eine Welle durch die Kirche rauschte. Das Publikum spürte jeden Paukenschlag und genoss die ruhigen, sanften Töne des Requiems.

Und auch, wenn die Musiker kaum alle Platz fanden: die Glückstädter Stadtkirche mit ihrer besonderen Atmosphäre und der guten Akustik war ein passender Ort für Verdis Oper. Die Musik ließ die alte Kirche aufleben, drang in jede Ecke vor, bis sie schließlich in einem spannungsgeladenen letzten Satz gipfelte, der das Publikum noch einmal aufhorchen ließ. Dann: gespannte Stille. Die Gäste ließen das Musikstück noch einige Sekunden auf sich wirken. Danach brach Applaus aus. Minutenlang klatschte das Publikum stehend und ließ die Akteure nur widerwillig von der Bühne.

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erstellt am 27.Jun.2016 | 16:41 Uhr

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