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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 09:38 Uhr

G8 und G9 : Rekordjahr: 646 Schüler wollen das Abi

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Umstellung von neun auf acht Schuljahre führt zu Doppeljahrgang – eine Herausforderung für die Itzehoer Gymnasien.

Auf den ersten Blick sind Bele Wittrock und Philipp Thomas in einer ziemlich ähnlichen Situation: Beide sind 18 Jahre alt, besuchen die Kaiser-Karl-Schule (KKS) und stecken mitten in den Abitur-Prüfungen. Die erste fünfstündige Klausur haben sie schon vor den Osterferien geschrieben. Morgen steht die nächste schriftliche Prüfung an. Und wenn alles glatt läuft, nehmen die beiden Anfang Juli ihre Zeugnisse entgegen und feiern gemeinsam Abiball. Doch eins unterscheidet die beiden: Während Philipp Thomas neun Jahre lang die KKS besucht hat, ist Bele Wittrock nur acht Jahre auf dem Gymnasium gewesen.

Nach der Umstellung auf das „Turbo-Abi“ (G8) im Jahr 2008 machen 2016 in Schleswig-Holstein zwei Jahrgänge gleichzeitig ihren Abschluss. Unter den Schülern ist das kein großes Thema: „Da wir zusammen unterrichtet wurden, merkt man den Unterschied kaum“, sagt Bele Wittrock. Lediglich die große Altersspanne unter den Abiturienten sei ungewöhnlich. „Wir sind zwischen 17 und 21 Jahre alt. Da sind schon Unterschiede zu spüren.“

Am Anfang der Oberstufe sei eher zu merken gewesen, wer G8 und wer G9 mache, ergänzt Philipp Thomas. „Ich hatte das Gefühl, dass wir G9-er etwas besser darin waren, den Lernstoff zu reflektieren. Beim G8 wird in der Mittelstufe eher das schnelle Auswendiglernen des Stoffes gefördert.“ Dafür sei den G8-ern im Schnitt der Übergang in die Oberstufe leichter gefallen, meint Bele Wittrock. „Wir hatten das Lernen schon etwas besser gelernt.“

Gerade die hohe Arbeitsbelastung in der Mittelstufe ist aber einer der Gründe, warum Philipp Thomas froh ist, G9 gemacht zu haben. „Ich sehe das bei meinen jüngeren Geschwistern. Für Freizeit, Sport, Ehrenamt bleibt neben der Schule kaum Zeit. Ich denke nicht, dass das für die Persönlichkeitsentwicklung sehr förderlich ist.“ Er vermutet, dass deshalb auch mehr G8-er als G9-er noch nicht genau wüssten, was sie nach dem Abitur machen wollen. Dem widerspricht Bele Wittrock nicht. Sie selbst beginnt nach der Schule den Bundesfreiwilligendienst und wird mit psychisch kranken Menschen arbeiten. Diese „Orientierungsphase“ sei ihr wichtig.

Die Itzehoer Gymnasien stellt der doppelte Abi-Jahrgang vor organisatorische Herausforderungen. Der Korrekturaufwand der schriftlichen Prüfungen ist höher, das mündliche Abitur wird länger dauern. Die Schulleiter sind aber zuversichtlich, dass alles reibungslos klappt. „Wir hatten ja Zeit, uns vorzubereiten“, sagt Martin Baudach von der KKS. „Wir stellen den Stundenplan nach den Klausuren so um, dass die Kollegen in besonders beliebten Fächern einen Tag in der Woche nur für die Korrekturen haben.“

Auch Angelika Hartmann sieht ihre Schule, das Sophie-Scholl-Gymnasium (SSG), auf einem „guten Weg“. Die mündlichen Prüfungen seien aber nicht an den sonst üblichen drei Tagen möglich. Daher werden es 2016 viereinhalb Prüfungstage. Für die jüngeren Schüler werden Betreuungsangebote organisiert. Schulleiter Norbert Hartung von der Auguste-Viktoria-Schule (AVS) kombiniert die Bundesjugendspiele mit dem mündlichen Abitur. Das bedeutet weniger Unterricht und damit weniger Belastung für seine Kollegen. „Einige Kollegen haben fast dreißig Prüfungen. Das müssen wir entzerren. Aber zu viel Unterrichtsausfall für die jüngeren Schüler darf natürlich auch nicht sein.“ Nur am Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) wirkt sich die Umstellung von G8 auf G9 nicht aus. 83 Schüler treten dort zum Abitur an. „Business as usual“, sagt Abteilungsleiter Frank Oltmann.

An den Gymnasien ist auch bei den Feierlichkeiten Kreativität gefragt. Das SSG weicht für die Entlassung in die Elbmarschenhalle nach Horst aus, damit alle Schüler auf einer Feier verabschiedet werden können. AVS und KKS teilen ihre Zeugnisübergaben in zwei Feiern. Wichtig war allen Schulleitern, dass es keine Begrenzung für die Begleitpersonen pro Schüler gibt.

Der Abi-Ball des SSG findet in den Holstenhallen in Neumünster statt, die KKS-Schüler feiern in Elmshorn, die AVS auf dem Hungrigen Wolf. „Es war nicht einfach, eine passende Location zu finden“, sagt Bele Wittrock. Doch zuvor stehen die Prüfungen an. Philipp Thomas sieht den Klausuren „relativ entspannt“ entgegen. Bei Bele Wittrock steigt die Anspannung so langsam: „Das Abi ist schon etwas Besonderes.“

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erstellt am 20.Apr.2016 | 05:00 Uhr

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