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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 12:59 Uhr

Rattenplage – was tun?

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Mathias Günther und Sybille Petersen geben Tipps, wie die Nagetiere am besten bekämpft werden sollten.

„So etwas wie in Glückstadt-Nord darf nicht passieren“, sagt Sybille Petersen, Vorsitzende vom Naturschutzbund und Ärztin. Im Park in Glückstadt-Nord hatten kleine Kinder Köder-Boxen mit Rattengift gefunden und damit gespielt. Sie stapelten sie übereinander, ohne sich der Gefahren bewusst zu sein. Mittlerweile wissen alle Glückstädter Kindergärten von dem Vorfall.

Dies sei ein Negativbeispiel im Umgang mit Rattengift, betonten Kreisnaturschutzbeauftragter Mathias Günther und Sybille Petersen. „Solche Köder-Boxen müssen sichtbar gekennzeichnet sein“, sagt Günther. „Und dürfen nur von Sachkundigen in der Öffentlichkeit ausgelegt werden.“ Zurzeit sind wieder viele Ratten unterwegs, weil sie Winterquartiere suchen, erklärt der Fachmann. Vielerorts wird zur Bekämpfung der Tiere aufgerufen, weil sie Bakterien- und Viruserkrankungen übertragen. „Meine Botschaft für Privatleute: Sie sollten feststellen, ob sie überhaupt einen Rattenbefall auf ihrem Grundstück haben.“ Wenn ja, dann sollten sie für die Bekämpfung nur geschlossene Boxen auslegen. „Sie müssen so aufgestellt sein, dass kein Kind und kein Fremder herankommen kann.“ Wichtig sei auch, ein Warnschild aufzustellen.

Festgestellt hat der Kreisnaturschutzbeauftragte, dass zwar von Behörden zu Rattenbekämpfung aufgerufen wird, aber: „Keiner sagt etwas über Gefahren.“ Nur im Internet ist er fündig geworden. Dort ist der Text einer Broschüre vom Umweltbundesamt veröffentlicht mit vielen hilfreichen Informationen. Der Titel: „Nagetierbekämpfung mit Antikoagulanzien – Antworten auf häufige Fragen.“ Antikoagulanzien sind Produkte zur Hemmung der Blutgerinnung – auf diese Art sterben die Ratten. Sie verbluten innerlich, manchmal dauert dies mehrere Tage. Dieses Rattengift gibt es für Privatpersonen zu kaufen. Sie werden auch als Gifte der ersten und zweiten Generation bezeichnet.

Ihr Nachteil, wenn sie ausgelegt werden: Hunde und Greifvögel, die vergiftete Ratten fressen, vergiften sich selbst und können daran sterben. „Katzen sind nicht betroffen“, sagt Günther, weil sie die Bitterstoffe im Tier nicht mögen. Deshalb plädieren Günther und Petersen für Schlagfallen. „In der Schlagfalle sind die Tiere sofort tot“, sagt Sybille Petersen.

Günther: „Unsere Empfehlung ist, nur Boxen zu verwenden, bei denen das Gift nicht herausfällt, wenn man sie anhebt oder kippt. In die Boxen kann jedes Gift gelegt werden. Die Boxen sind aus Kunststoff oder Metall, damit haltbar und können immer wieder genutzt werden. Sie werden mit einem Schlüssel geöffnet. Es sollten auch nur Köder genutzt werden, die in der Box fixiert werden können. Also keine losen Köder wie vergiftete Haferflocken.“

Es gäbe nur wenige Biozide ohne Gerinnungshemmer. Dazu zitiert Günther aus der Broschüre des Umweltbundesamt: „Grundsätzlich muss man feststellen, dass es bisher im Vergleich zu Antikoagulanzien keine gleichermaßen effektiven und gleichzeitig weniger umweltgefährlichen Wirkstoffe zur Nagetierbekämpfung gibt.“

Vorbeugung gegen Ratten sei ebenfalls wichtig: Kein Essen auf den Kompost oder in die Toilette werfen, Rattenlöcher verstopfen, keine Tiernahrung offen herumstehen lassen und keine Enten draußen füttern. Das Futter lockt auch Ratten an.

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erstellt am 16.Okt.2016 | 16:19 Uhr

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