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Norddeutsche Rundschau

05. Dezember 2016 | 13:39 Uhr

Verkehr : Radler verärgert über Schutzstreifen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Viele Itzehoer haben Angst, auf der Straße zu fahren, Autofahrer ignorieren die Markierungen. Die Stadt stoppt zunächst das Projekt.

„Auf dem Fahrradstreifen habe ich Angst um mein Leben“, sagt Lisa Dix. Die Anwohnerin der Alten Landstraße hat kein Auto und keinen Führerschein, alle Besorgungen macht sie mit dem Fahrrad. Dass vor ihrer Haustür jetzt ein Schutzstreifen für Fahrradfahrer verläuft, direkt neben einem herkömmlichen Radweg auf dem Bürgersteig, ist in ihren Augen ein Schildbürgerstreich.

Seit Jahren schon stelle sie fest, dass das Verhalten der Autofahrer gegenüber den Radlern rücksichtsloser werde. Dass die Zweiräder nun von den Radwegen zurück auf die Straße sollen, kann sie nicht nachvollziehen. „Die Stadt macht das Radfahren kaputt“, behauptet sie. Autofahrer würden die neuen Schutzstreifen überhaupt nicht beachten, gnadenlos über die Markierung fahren. Bei Gegenverkehr müssten sie sogar auf die Streifen ausweichen, weil die Alte Landstraße viel zu eng sei. „Eine Gefahr für die Radfahrer.“

Lisa Dix ist nicht allein mit ihrem Ärger. Seit die Stadt im vergangenen Monat in Teilen des Kamper Wegs und der Alten Landstraße neue Schutzstreifen für Radfahrer angelegt hat (wir berichteten), häufen sich die Anrufe verärgerter Bürger in der Redaktion unserer Zeitung. An sich sind die Schutzstreifen in Itzehoe nichts Neues: Schon seit vielen Jahren gibt es solche Markierungen beispielsweise Am Lehmwohld und in der Brunnenstraße. Allerdings wurden jetzt erstmals an solchen Stellen Streifen angelegt, an denen auch herkömmliche Radwege neben der Fahrbahn – genau genommen Gehwege, die für Radfahrer freigegeben sind – existieren.

Eigentlich sollte der Schutzstreifen an der Alten Landstraße, der bislang an der Königsberger Allee beginnt und am Ostlandplatz endet, noch bis zum Langen Peter verlängert werden. Weil aber auch bei der Stadtverwaltung und der Polizei schon zahlreiche Anfragen und Beschwerden eingegangen sind, ist das Projekt zunächst gestoppt worden.

„Wir sind überrascht von der Heftigkeit der Proteste“, sagt der städtische Fahrradbeauftragte, Bernd Voss. Schließlich hätten sowohl im Kamper Weg als auch in der Alten Landstraße Radfahrer schon auf der Straße fahren dürfen, bevor es die Schutzstreifen überhaupt gab. Mit den Markierungen folge die Stadt den Vorgaben der Straßenverkehrsordnung, nach der Radfahrer nach Möglichkeit vorzugsweise auf der Straße fahren sollen. Gemeinsam mit der Polizei habe man sich angeschaut, an welchen Stellen im Stadtgebiet die Einrichtung solcher Streifen Sinn mache. Berücksichtigt worden sei unter anderem auch die Breite der Straße: „Sowohl in der Alten Landstraße als auch im Kamper Weg passen zwei Autos aneinander vorbei, ohne auf den Schutzstreifen fahren zu müssen. Zur Not müssen Autofahrer eben ein bisschen langsamer fahren.“

Das bestätigt auch Michael Raupach, Leiter der Verkehrsabteilung bei der Polizeidirektion Itzehoe. Ihm sei bewusst, dass Autofahrer aktuell häufig die neuen Streifen ignorieren würden. „Wir reagieren mit Aufklärung und demnächst auch mit Überwachung“, kündigt er an.

Angesichts der Proteste soll in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Dienstag nächster Woche erneut über die Radstreifen beraten werden. Die Markierungen wieder zu entfernen, wie es einzelne Bürger fordern, sei aber keine Option, sagt Bernd Voss. „Wir folgen hier nur einer Entwicklung, die es in ganz Deutschland gibt.“ Und: „Wir zwingen die Radfahrer ja nicht, auf der Straße zu fahren.“ Sowohl in der Alten Landstraße als auch im Kamper Weg könne man weiterhin auf den ausgeschilderten Wegen neben der Fahrbahn fahren. Aus der Sicht von Lisa Dix die einzige Option: „Auf den neuen Streifen fahre ich definitiv nicht.“

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