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Norddeutsche Rundschau

11. Dezember 2016 | 05:09 Uhr

Regionales Berufsbildungszentrum : Praktisch Sprachbarrieren überwunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Zwei Wochen sind sechs Auszubildende aus Polen in Betrieben im Kreis Steinburg tätig. Möglich macht das ein Austauschprojekt der beruflichen Schulen.

„Ich hoffe, Sie genießen Ihren Aufenthalt bei uns“, sagte Landrat Torsten Wendt als er sechs Auszubildende aus dem polnischen Partnerkreis Elbing im historischen Rathaus empfing. Die Jugendlichen im Alter von 17 und 18 Jahren waren im Rahmen eines neu gestarteten Partnerschaftsprojekts zwischen dem Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) Steinburg und der beruflichen Schule in Paslek in Itzehoe und Umgebung zu Gast. Die Auszubildenden Natalia Zydanowicz (18), Ilona Stemporzecka (18), Michal Potrapeluk (17), Tomasz Traczewski (17), Piotr Urbanowski (18) und Monika Barbara Finster (18) besuchen in Paslek den wirtschaftlich-technischen Berufsschulzweig und absolvierten nun ein zweiwöchiges Praktikum in den Bereichen Gastronomie, Kfz-Mechatronik und Landwirtschaft. Darüber kamen sie mit Landrat Torsten Wendt ins Gespräch, begleitet von RBZ-Lehrer Rainer Kattge, der gemeinsam mit seinen Kolleginnen Marie Kluthe und Christel Butenschön das Betreuer-Team bildete, sowie von Damian Prochota, ebenfalls Lehrer am RBZ, zudem Gastvater und Dolmetscher.

Torsten Wendt lobte die Partnerschaft zwischen Kreisen und Städten und berichtete von seinem Aufenthalt im Landkreis Elbing. Er habe auch die berufliche Schule in Paslek besucht und sei beeindruckt gewesen von der Ausstattung und guten Bildung. Er freue sich über deren Beziehung zum RBZ. Nachdem er Gastpräsente verteilt und ein klein wenig über den Kreis Steinburg und den historischen Kreistagssaal im Kreishaus erzählt hatte, fragte er die jungen Gäste, ob ihnen der Aufenthalt gefallen habe. Ein einstimmiges Ja war die Antwort, und die Erklärung warum: In Deutschland habe in der Ausbildung die Praxis eine größere Bedeutung als in Polen, dort werde der Schwerpunkt auf die Theorie gelegt. Entsprechend konnten die Jugendlichen viel praktische Erfahrung sammeln. Natalia Zydanowicz startete im Hotel Adler um 7 Uhr ihren Arbeitstag. „Ich bereite im Restaurant Tische vor, falte Servietten“, erzählte sie. Im Hotel räumte sie die Zimmer mit auf und half auch in der Küche. Gleiche Aufgaben verrichtete Ilona Stemporzecka im Hotel Mercure.

Michal Potrapeluk berichtete von seiner Arbeit ab 8 Uhr in der Werkstatt des Autohauses Eskildsen. „Ich mache unter Aufsicht den Service am Auto.“ Da gehörte der Ölwechsel ebenso dazu wie die Winterreifen aufzuziehen. Ebenfalls Werkstatterfahrung sammelte Tomasz Traczewski im Autohaus Duitsmann. Was Michal Portrapeluk von seinem Praktikum für sich mitnimmt? „Die deutsche Genauigkeit“, antwortete er prompt. Für Monika Barbara Finster, die ebenso wie Piotr Urbanowski in der Landwirtschaft tätig ist, war das selbstständigere Arbeiten als in Polen besonders wichtig. „Ich durfte viel ausprobieren, auch Traktor fahren“, erzählte sie begeistert von ihrem Aufenthalt auf dem Hof Thorsten Mohr in Heiligenstedtenerkamp, während Pjotr Urbanowski auf dem Hof Malte Krohn in Kummerfeld tätig war.

Die Begeisterung der jungen Leute teilten die Ausbilder. So bescheinigte beispielsweise Eike Hempel, Serviceberater der Firma Eskildsen, Michal Portrapeluk: „Er machte insgesamt einen positiven Eindruck, war super nett und hat sich gut eingebracht.“ Auch die Sprache sei kein Problem gewesen. Verständigungsprobleme machten Natalia Zydanowicz im Hotel/Restaurant Adler etwas mehr zu schaffen. „Aber sie war sehr freundlich, das hat positiv auf die Gäste gewirkt“, erzählte Hotelfachfrau Karen Hoffmann lächelnd. Überall habe die 18-Jährige geholfen. „Wir waren zufrieden.“

Aber auch der reguläre Berufsschulunterricht am RBZ gehörte zum Praktikum dazu, was die jungen Auszubildenden aufgrund der sprachlichen Barrieren als etwas langweiliger empfanden, meinte Rainer Kattge. Lediglich die jungen Frauen aus der Gastronomie brauchten nicht die Schulbank zu drücken, weil dieser Berufszweig nicht in Itzehoe, sondern in Elmshorn gelehrt wird. Neben Arbeit und Unterricht blieb aber auch noch Freizeit, in der gemeinsame Ausflüge im Kreisgebiet und nach Hamburg unternommen wurden. „Alles hat tadellos geklappt“, zog Rainer Kattge positive Bilanz. Der Austausch, den der Kreis mit einem Kostenzuschuss unterstützt, solle „lebendig gehalten“ werden. Jüngst waren übrigens drei junge Frauen aus dem Verwaltungsbereich des RBZ für drei Praktikumswochen in Paslek. Auch ganz im Sinne des Landrats. Torsten Wendt hob hervor, dass eine Partnerschaft besonders davon lebe, dass junge Menschen sich austauschen.

 

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erstellt am 23.Nov.2016 | 17:00 Uhr

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