zur Navigation springen

Perspektiven für Flüchtlinge : Praktikum als Einstieg in Arbeitsmarkt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Arbeitsagentur und Bibeku bieten Perspektive für junge, erwerbslose Ausländer – der Einstieg erfolgt über ein Praktikum.

Die Zahl der ausländischen Arbeitslosen steigt. Das sei im vergangenen Jahr bereits abzusehen gewesen und auf die vielen Flüchtlinge und Asylbewerber zurückzuführen, erklärt Ronald Geist, Leiter der Agentur für Arbeit in Heide. Der Scheitelpunkt sei allerdings nicht erreicht. „Wir werden einen sukzessiven Anstieg erleben“, so Geist, der aber betont, dass die Zahl der Arbeitslosen insgesamt nach wie vor sinkt. Schon jetzt habe sich der Anteil von Arbeitslosen aus Syrien von 84 Personen (August 2015) auf 331 (Juli 2016) mehr als vervierfacht. Auch die Zahlen der Arbeitslosen aus Eritrea, Iran und Irak seien etwa im gleichen Verhältnis gestiegen, auch wenn die absolute Zahlen deutlich geringer ausfielen.

Genau in diesem Bereich versucht die Heider Arbeitsagentur, die für Dithmarschen und Steinburg zuständig ist, gegenzusteuern. Mit verschiedenen Elementen wie Sprachkursen, Integrationskursen, begleitenden Maßnahmen versuchen die Arbeitsagentur und das Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge gemeinsam mit Betrieben den ausländischen Arbeitslosen Perspektiven zu bieten. Am Ende stehen der Berufsabschluss und die Arbeitsstelle. Dabei gilt es noch einen Aspekt zu berücksichtigen. „Bei den Flüchtlingen handelt es sich in der Mehrzahl um einen besonderen Personenkreis“, sagt Geist. Sie sind überwiegend jung (70 Prozent unter 35 Jahre) und bedürfen in den allermeisten Fällen Sprachförderung (17,5 Prozent verfügen über verwertbare Sprachkenntnisse). Ein Problem liege auch in dem dualen Ausbildungssystem – dem deutschen Markenzeichen –, das weder im EU-Ausland und schon gar nicht in den Herkunftsländern der meisten Flüchtlinge praktiziert wird. „Wir müssen also erst einmal überprüfen, über welchen Ausbildungsstand die Menschen verfügen. Und gerade bei den Jüngeren ist es unser Ziel, ihnen eine längere Perspektive zu geben“, erklärt Ronald Geist. Am Anfang steht dabei immer die Sprachförderung, die allerdings nicht von der Arbeitsagentur übernommen werden darf. „Anschließend folgt die klassische Förderung, die wir auch deutschen Arbeitslosen anbieten.“

Und da kommt der Kooperationspartner für Steinburg und Dithmarschen ins Spiel: die Gesellschaft für Bildung, Beruf und Kultur (Bibeku). Gemeinsam wurde Mitte April das Projekt „Perspektiven für junge Flüchtlinge“ (Perjuf) ins Leben gerufen. „Wir schaffen ein niedrigschwelliges Angebot im Vorfeld der späteren Berufswahl“, berichtet Farina Lorenzen von der Bibeku. Die jungen Flüchtlinge sollen eine erste Orientierung erhalten, sich ausprobieren dürfen. So stehen relativ schnell die Praktika an, die in vier Berufsfeldern angeboten werden: Holz, Metall, Farbe und Hauswirtschaft; zudem gibt es bereichsübergreifende Ansätze wie Theaterbühne, Cafeteria und Fahrradwerkstatt.

„Die Unternehmen sind sehr aufgeschlossen. Wir haben viel Zuspruch.“ Und eines kann Lorenzen aufgrund der Rückmeldung durch die Betriebe jetzt schon sagen: „Die Praktikanten sind hochmotiviert und sehr leistungs- und lernorientiert. Einige könnten sofort loslegen, aber dafür fehlt aber leider noch ein Zeugnis.“ Allerdings gibt es auch häufig die Rückmeldung, dass die Sprachkenntnisse noch nachbesserungswürdig seien. Den Projektteilnehmern müsse man zudem zunächst erklären, wie das komplexe, deutsche Ausbildungssystem funktioniert. „Und da ist viel Überzeugungsarbeit zu leisten“, weiß Roland Geist. „Gerade, wenn bereits eine Ausbildung vorliegt, ist es schwer zu begreifen, dass die jungen Menschen noch einmal fast bei Null anfangen müssen“, sagt Farina Lorenzen. Aber letztlich verstünden sie, dass nur so der Einstieg in den Arbeitsmarkt gelingen kann.

zur Startseite

von
erstellt am 10.Aug.2016 | 05:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen