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Norddeutsche Rundschau

04. Dezember 2016 | 11:18 Uhr

Glückstadt : Postboten und die Furcht vorm Hund

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Zusteller lernen den richtigen Umgang mit Vierbeinern. Seminarleiterin rät: „Notfalls dem Tier das Paket auf den Kopf schlagen.“

Trotz aller Vorsicht: Wird der Postbote vom Hund gebissen, helfe nur ein energisches „Hau ab!“ Diesen Rat gab Hundefachfrau Cornelia Schumacher jetzt 13 Postboten. „Vermeiden Sie nach einem Hundebiss hektische Zerrbewegungen. Schlagen Sie dem Hund notfalls das Paket auf den Kopf – auch wenn dieser hiervon Kopfschmerzen bekommt und Tierschützer jetzt aufschreien.“

Wie sich Zusteller gegenüber Hunden richtig verhalten, das lernten die Mitarbeiter des zur Niederlassung Kiel gehörenden Post-Zustellstützpunktes Glückstadt an einem Vormittag bei der Polizeibeamtin, die auch Hundeführerin ist. Mitgebracht hatte sie ihren Hund Gustav. Ihr Rat zu Pfefferspray: Schwierig, weil der Sprayer sich bei Gegenwind selbst schnell umlegen könne. In jedem Fall sollten Zusteller nach einem Hundebiss einen Arzt aufsuchen, Augenzeugen suchen und den Fall der Polizei melden sowie die Beißattacke nicht mit dem Halter des Hundes ausdiskutieren. Eine Rechtsschutzversicherung, die jeder Postler für sich abschließen müsste, sei ratsam.

Im vergangenen Jahr hat es bundesweit 2000 Attacken von Hunden gegen Postzusteller gegeben – 500 von ihnen mussten über mehrere Tage ins Krankenhaus. Aus dem Bereich Glückstadt waren zwei Fälle dabei. „Das Thema nehmen wir sehr, sehr ernst und bieten Seminare wie diese an, um Kollegen Hilfestellungen zu geben“, erklärte Post-Pressesprecher Martin Grundler. Er war mit Gerd Richini von der Abteilung „Arbeitssicherheit“ dabei.

Cornelia Schumacher als Dozentin hatte viele Tipps mitgebracht. „Gustav kennt bereits die Anekdoten, Witze und Beispiele meines Vortrages“, begann sie ihr Seminar in den Räumen des Zustellstützpunktes im Glückstädter Gewerbegebiet. Während sich die Postboten rege mit dem Thema auseinandersetzten, sah Gustav kurz nach 8 Uhr eher gelangweilt in die ihm gegenüber sitzende Runde.

Viele Halter, so Schumacher, würden sich nicht genug um ihre Tiere kümmern. Solche Hunde langweilen sich. „Die einzige Abwechslung gibt es dann, wenn die Post kommt.“ Treffen Zusteller auf einen Angstbeißer, sollten sie diesen nicht anstarren.

„Schleichen Sie sich niemals an einem liegenden Hund vorbei, denn der könnte denken, dass es sich um einen Angriff handelt oder Sie ihm das unter dem Fell wohlbehütete Spielzeug wegnehmen wollen“, erklärte die Dozentin. Das Gegenstück: Hunde, die plötzlich um die Ecke kommen, gefährlich knurren oder die Zähne fletschen. „Nicht wegrennen“, sagte sie. Denn das löse beim Hund den Jagd- und Beutetrieb aus. „Dann ist es egal, ob gerade ein Hase oder der Postbote gejagt wird. Und sollte dem Zusteller die Flucht tatsächlich glücken, gibt es noch immer ein zweites Mal wo der Hund denkt: Heute warst Du schneller, das nächste Mal aber ich“, sagte Schumacher.

Für alle Begegnungen gelte: Entspannt bleiben – auch wenn es einem schwer falle, ruhig stehen bleiben, solle man den Tierhalter auffordern, den Hund auf Abstand zu halten. „Und was ist mit einem Leckerlie?“, wollte Zustellerin Doris Kumschließ wissen. Darauf sollte verzichtet werden. Früher von der Post selbst noch aktiv unterstützt, gehören Leckerlies heute der Vergangenheit an, weil Hunde den täglichen Snack vom Postboten irgendwann einfordern würden. „Dann haben wir eventuell ein Problem, wenn der Stammzusteller Urlaub hat und ein Vertreter den Bezirk übernimmt“, meint Schumacher.

Weil laut Gerd Richini die meisten Übergriffe bei der Übergabe von Postsendungen passieren, spielte Gustav beim praktischen Teil die Hauptrolle. Doris Kumschließ und Henry Wolf hatten die Aufgabe, der „Kundin“ Cornelia Schumacher eine Briefsendung zu übergeben. Auch wenn Gustav den beiden Zustellern mehr als freundlich gesonnen war, gab die Dozentin beiden mehrfach Ratschläge mit auf den Weg. Mit diesem Wissen widmeten sich die Seminarteilnehmer anschließend ihrer eigentlichen Tätigkeit und begannen mit der Zuordnung von Briefen ihrer jeweiligen Zustelltouren – ohne Hundestress.

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