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Norddeutsche Rundschau

30. August 2016 | 22:46 Uhr

Wirtschaft : Polsterhandwerk für Milliardär-Yacht

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Jens Dittkrist stattet das Innenleben von Luxus-Schiffen aus

In Glückstadt wurden einst die großflächigen Segel für die „Gorch Fock“ – das Segelschulschiff der Bundesmarine – hergestellt und repariert. Damals in der eher unscheinbaren Halle der Glückstädter Segelmacherei „Hinsch & Ruhland“ am Rethövel. 2010 musste die Traditionssegelmacherei Insolvenz anmelden. Seitdem wurde auf dem Areal nicht mehr gearbeitet.

Jetzt ist dort nach mehreren Jahren des Stillstandes wieder Leben eingekehrt mit der „Polsterei Dittkrist“. Polsterer Jens Dittkrist (50) und die aus Neuendorf stammende Möbel-Restauratorin Christiane Rosenkranz (47) sind auch für Firmen in der Seefahrtsbranche tätig. „Wir arbeiten viel mit der Peters-Werft in Wewelsfleth zusammen und statten für deren Auftraggeber das Innenleben von Booten und Yachten mit aus“, erklärt Jens Dittkrist. Auch werde das kleine Unternehmen schon mal gebucht, wenn es um die Reinigung der Polster in einer Luxus-Yacht gehe. So auch für die Peters-Werft und andere.

Der größte Auftrag in diesem Bereich war auf der Mega-Yacht „Dynastie“, die dem Milliardär Alijan Ibragimov gehört. „Das war wegen ständiger Änderungen schon eine Herausforderung“, räumt der Glückstädter ein – ohne aus Gründen der Geheimhaltung weitere Details nennen zu können. Dittkrists Auftragslage habe sich seitdem ständig weiterentwickelt. „Offenbar finden Auftraggeber es besser, wenn beim Neubau ihrer Yacht in Wewelsfleth der Polsterer nicht aus Stuttgart, sondern aus dem viel näheren Glückstadt kommt.“

Auch Segler aus „einfachem Hause“ gehören zu den Kunden des Polsterers und seiner Restauratorin. „Jedes Innenleben eines Bootes ist Handarbeit und wird nach Schablonen gefertigt“, sagt Christiane Rosenkranz. Weil auf Booten widerstandfähige und langlebige Bezüge mit den entsprechenden Füllungen benötigt werden, suchen Jens Dittkrist und Christiane Rosenkranz ihre Kunden meist am Objekt auf. „Eine gute Beratung ist uns dabei wichtig“, sagen beide. Und im Internet könne der Kunde den Stoff nicht anfühlen.

Dieses wichtige Segment haben inzwischen auch andere Kunden, wie beispielsweise die Hamburger Elektrizitätswerke, für sich entdeckt und vor Restaurierung der Büro-Designmöbel das Gespräch mit den Glückstädtern gesucht. „Bei uns steht vorrangig die Werterhaltung im Mittelpunkt“, erzählt Christiane Rosenkranz. Was deutlich wird, wenn der Kunde die neue Arbeitsstätte der Polsterei Dittkrist betritt und ihm gleich ein sperriges Sofa aus den Sechzigern ins Auge fällt. Jedes Möbel-Design komme irgendwann wieder in Mode, ist sich die Neuendorferin sicher. Und dann gebe es auch noch die alten innerhalb der Familie vererbten Möbel, die zu Jens Dittkrist und Christiane Rosenkranz gebracht werden. „Nach dem Abpolstern erleben wir immer wieder, dass ein Sofa nur noch vom Polster gehalten wurde“, so Dittkrist. Durch Verleimen würden die Möbel neue Stabilität erlangen. Gleichwohl ist auch hier wegen des höheren Restaurierungsaufwandes ein vorheriges Gespräch mit dem Besitzer angesagt. „Die vielseitige Arbeit eines Polsterers muss einem Spaß machen und der Polsterer darf nicht nur an das Geldverdienen denken.“

Vor 20 Jahren hatte sich der heute 50-jährige Glückstädter entschieden, sich als gelernte Polsterer selbstständig zu machen. Firmensitz war bis vor kurzem die Wohnanschrift von Jens Dittkrist in der Reichenberger Straße. Während dort das Handwerk vollzogen wurde, ging die Lederrestauration in einem angemieteten Nebenraum bei der Firma „Hinsch & Ruhland“ vonstatten. Nachdem die über zweieinhalb Jahre leerstehende Halle der Segelmacherei inzwischen einen neuen Eigentümer hat, griff Dittkrist zu. Er mietete die Halle für seine Zwecke und suchte jemanden, der Möbel restaurieren kann.

Bei einen Kunden in Kollmar traf Dittkrist auf Christiane Rosenkranz und arbeitet seitdem mit ihr zusammen. Während die Neuendorferin an diesem Tag an einem wie ein Zeitungsständer aussehenden Ablagekasten für Briefe aus dem Jahr 1880 werkelt, schaut sich Jens Dittkrist seine riesige Lederkollektion an. „Wir sind einer von wenigen Betrieben, die sich an die schwierige Verarbeitung des Naturproduktes Leder herantrauen“, sagt Dittkrist. Oder, wie es seine Mitstreiterin treffend formuliert: „Man muss die Kuh dem Möbelstück anpassen.“

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