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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 10:58 Uhr

Polizist mit Leib, Seele und Humor

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach mehr als 40 Jahren als Schutzmann in Wilster hängt Rüdiger Mengel seine Dienstmütze an den Nagel

Der letzte Dorfsheriff der Wilstermarsch mit Residenzpflicht geht in den Ruhestand. Nach etwas mehr als 44 Jahren gibt Polizeioberkommissar Rüdiger Mengel am kommenden Mittwoch seine Dienstwaffe und die blaue Uniform ab. Damit verliert die Wilstermarsch einen Schutzmann vom alten Schlag – und vor allem ein Urgestein. 40 Jahre und 36 Tage seiner Dienstzeit sorgte Mengel in Wilster und Umgebung mit Leib und Seele und viel Feingefühl für Recht und Ordnung. So lange wie keiner vor ihm und voraussichtlich auch niemand mehr nach ihm.

„Ich habe in meinem bisherigen Leben lediglich eine einzige Bewerbung geschrieben“, sagt der 60-Jährige, der sich unmittelbar nach seinem Abschluss an der Realschule in Albersdorf bei der Landespolizei in Eutin für den Polizeidienst bewarb.

„In Rahmen der Anhörungstermine zum Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf war ich vor meiner Versetzung ein paar Mal in Wilster“, so Mengel. Ansonsten war ihm die beschauliche Gemeinde lediglich vom Durchfahren bekannt. Nur wenige Tage nach seinem Wechsel in die Marschenstadt wurde es unruhig. Tausende Menschen versammelten sich zunächst friedvoll rund um Wilster, um gemeinsam gegen den umstrittenen Bau des Atomkraftwerkes Brokdorf zu demonstrieren. Am 13. November mündeten die friedlichen Kundgebungen in gewaltsame Auseinandersetzungen. Etwa 150 Demonstranten und gut 79 Polizisten wurden dabei verletzt. „Es gab eine Situation, da hatte ich doch große Sorge, dass ich da nicht wieder heil herauskomme“, erinnert sich Rüdiger Mengel.

Mit seinem damaligen Kollegen durchfuhr er im Dienstwagen die Schmiedestraße, als ihnen eine aufgebrachte Gruppe von mehreren hundert Demonstranten entgegenkam. „Im Schritttempo sind wir zunächst weitergefahren, bis wir inmitten der Menschenmenge waren und immer mehr Demonstranten gegen unser Fahrzeug schlugen und begannen daran zu rütteln.“ Kurzerhand entschieden die beiden Polizisten, sich mit dem Fahrzeug auf dem Gelände eines Kohlehandels Am Rosengarten zu verstecken, um die Situation nicht weiter zu verschärfen.

„Ich habe während meiner 44-jährigen Dienstzeit so viel erlebt, dass ich ganze Bücher füllen könnte“, sagt Rüdiger Mengel. „Zu den schönsten Ereignissen zählt ganz klar eine Geburt auf der Wache“, sagt Mengel. Am 2. Mai 2001 wurden die Polizisten in Wilster von der Leitstelle informiert, dass eine hochschwangere Frau zu ihnen kommen werde, die bis zum Eintreffen des Rettungswagens von den Polizisten umsorgt werden sollte. Doch bereits vor der Dienststelle platzte die Fruchtblase der Schwangeren und kündigte die bevorstehende Geburt an. „Für die Frau war es glücklicherweise die zweite Geburt. Sie wusste somit, was auf sie zukommt und es ging dann auch alles ganz schnell.“ Noch bevor der Rettungswagen vor Ort eintraf, erblickte der heute 15-Jährige das Licht der Welt.

„Meine Hauptprämisse lautete in all den Jahren: Mensch bleiben“, sagt der 60-Jährige. Für Rüdiger Mengel heißt das, sich auch außerhalb der Dienstzeiten zu engagieren, wenn Hilfe erforderlich ist. Es heißt aber auch, mal auf eine Anzeige zu verzichten, wenn ein ernstes Gespräch und ein erhobener Zeigefinger ebenfalls zur gewünschten Einsicht bei dem Klienten führen. Aufgrund seiner langjährigen Dienstzeit in Wilster, kennt Rüdiger Mengel „seine Pappenheimer“. „Nicht jeder, der mal etwas Dummes anstellt, was gegen das Gesetz ist, ist hochgradig kriminell.

„Ich bin all die Jahre gerne zur Arbeit gegangen und würde diesen Beruf jederzeit wieder wählen. Trotz der zunehmenden Bürokratie, insbesondere den Statistiken, die wir ausfüllen müssen“, so Rüdiger Mengel. Und doch freut er sich jetzt auf die Zeit nach dem Berufsleben. „Langeweile werde ich mit Sicherheit nicht haben, dafür habe ich einfach zu viele Hobbys“, ist der Polizeioberkommissar zuversichtlich.



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erstellt am 25.Nov.2016 | 17:16 Uhr

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