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Norddeutsche Rundschau

08. Dezember 2016 | 01:16 Uhr

Wacken Open Air 2016 : Polizei erhöht Präsenz auf dem WOA

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Nach Terror und Attentaten in den vergangenen Tagen werden auch auf dem Metal-Festival in Wacken die Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Alle Informationen rund um das Festival finden Sie auf shz.de/wacken.

Nach zahlreichen Attentaten und Terroranschlägen in den vergangenen Wochen stellen sich die Sicherheitskräfte auch für den Schutz des Wacken Open Airs (WOA) neu auf. Der Veranstalter des Festivals, das am Donnerstag beginnt, hatte bereits vor einigen Tagen ein Mitnahmeverbot von Taschen auf das Veranstaltungsgelände angekündigt. Auch die Polizei wird die Zahl der eingesetzten Beamten erhöhen. Die Verkehrs- und Drogenkontrollen würden verschärft, teilte Stefan Hinrichs, Sprecher der zuständigen Polizei in Itzehoe, gestern mit. „Veranstalter und Polizei haben sich intensiv auf denkbare Gefährdungsszenarien vorbereitet und die Einsatzkonzepte danach ausgerichtet.“

Nach den jüngsten Anschlägen bestehe auch für das WOA „eine abstrakt hohe Gefährdungslage“, so Hinrichs weiter. „Konkrete Anhaltspunkte für bevorstehende Anschläge gibt es für Schleswig-Holstein jedoch nicht.“ Man sei in ständigem Kontakt mit den Landes- und Bundesbehörden. Zu taktischen Details indes gebe es aus Sicherheitsgründen keine Angaben.

Bei der Steinburger Kreisverwaltung, die im Ernstfall für den Katastrophenschutz zuständig ist, werden schon seit vielen Jahren verschiedene Szenarien, die sich auf Großveranstaltungen ereignen können, durchgespielt. „Wir üben nicht speziell die Katastrophe auf dem Wacken Open Air, wir üben für Katastrophen auf Großveranstaltungen allgemein“, sagt der zuständige Dezernent Hans Treinies. Vor zwei Jahren habe man begonnen, den entsprechenden Plan des Kreises intensiv zu überarbeiten.

Im April dieses Jahres kamen Kreisverwaltung, Polizei, Rotes Kreuz, Kreisfeuerwehrverband, Ordnungsamt und weitere Vertreter zu einem Workshop zusammen. Die Ergebnisse wurden zu einem neuen Sonderplan zusammengetragen, der im nächsten Jahr bei einer Großübung mit allen Einsatzkräften erprobt werden soll.

Der Plan orientiere sich nicht an bestimmten Szenarien wie Terror oder Unwetter. Vielmehr werde in Modulen gedacht, so Hans Treinies. Komme es auf dem WOA zu einem Unfall, bei dem eine große Zahl von Personen verletzt werde – zum Beispiel ein Einsturz der Hauptbühnen, greift das Modul „Sanitätsdienstliche Versorgung“. Zahlreiche Menschen müssten schnell und optimal vom Rettungsdienst versorgt werden. Käme es darauf an, das Gelände möglichst schnell zu räumen – beispielsweise bei flächendeckenden Knickbränden, ist die „Räumung und Unterbringung von Personen“ das richtige Modul.

Auch für einen derartigen Fall habe man verschiedene Szenarien durchgespielt: „Wenn die Straßen noch befahrbar sind, ist es in einem solchen Fall das einfachste, das Ende des Festivals vorzuverlegen und die Leute abreisen zu lassen“, so Treinies. Seien die Straßen nicht mehr für jedermann zugänglich, müsse man die Leute schnellstmöglich in Sammelunterkünfte bringen. Dafür stünden zahlreiche Gebäude in der Umgebung bereit – unter anderem auch die leer stehende Landesunterkunft für Flüchtlinge in Itzehoe, die über 2000 Menschen Platz bietet.

Bis tatsächlich der Katastrophenfall ausgerufen würde und der Kreis Steinburg die Führung übernehme, müsse schon einiges passieren, sagt Hans Treinies. In erster Linie sei zunächst einmal der Veranstalter des Wacken Open Airs für die Sicherheit verantwortlich. Und der sei aus seiner Sicht sehr gut aufgestellt. „Der Vorteil des Wacken Open Airs ist, dass es über 25 Jahre gewachsen ist. So wurde schon viel Erfahrung gesammelt.“

WOA-Produktionsleiter Thomas Hess sieht das ähnlich: „Ich bin jetzt 20 Jahre dabei. Außer Schnee habe ich hier schon alles erlebt.“ Sowohl auf Unwetter als auch auf Terroranschläge sei man vorbereitet. „Wir machen uns nicht erst seit letzter Woche Gedanken, sondern entwickeln unser Sicherheitskonzept seit Jahren stetig weiter.“ Eine Reaktion auf die Ereignisse der vergangenen Wochen sei das Verbot von Taschen auf dem Veranstaltungsgelände. „Eine Maßnahme, die der eigenen Sicherheit der Fans dient.“

Natürlich habe er die Nachrichten in den letzten Tagen intensiv verfolgt, so Hess. Beunruhigt sei er aber nicht: „Ich organisiere im Jahr bis zu 200 verschiedene Veranstaltungen. Die Sicherheit der Besucher und der Crew gehört dazu und hat oberste Priorität.“


>Ein Interview mit WOA-Produktionsleiter Thomas Hess lesen Sie in der Festivalzeitung „Festival Today“, die Donnerstag unserer Zeitung beiliegt.



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erstellt am 30.Jul.2016 | 07:14 Uhr

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