zur Navigation springen

Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 05:58 Uhr

Kreispolitik : Politiker haben keine Lust aufs Tablet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Trotz Kosten- und Arbeitsersparnis der Steinburger Verwaltung: Nicht einmal die Hälfte der Mandatsträger nutzt elektronischen Versand von Sitzungsunterlagen.

Der papierlose Kreistagsabgeordnete – davon ist Steinburg noch weit entfernt. Von 81 Mandatsträgern in Ausschüssen und Kreistag nutzen lediglich 30 die Möglichkeit, mit einem Tablet online auf das Kreistagsinformationssystem Allris zurückzugreifen. Alle anderen Politiker erhalten die umfangreichen Vorlagen noch in Papierform. Anders sieht es in Dithmarschen aus. Dort gibt es eine ähnliche Anzahl Mandatsträger, aber nur zwei werden mit Papiervorlagen bedient. Obwohl beide Kreise ähnlich strukturiert sind und auch das gleiche System benutzen.

Die Bereitschaft, ganz auf Papier zu verzichten, ist bei den Steinburger Politikern auch nicht vorhanden. Obwohl Patrick Friedrichs, Leiter der Rechtsabteilung, im jüngsten Hauptausschuss noch einmal für Allris warb. „Wir sind damit schneller und noch bürgerfreundlicher geworden“, betonte der Jurist. Doch Sorge bereite die mangelnde Akzeptanz der Politiker. Die Folge: Das System laufe mittlerweile zwar stabil, doch nicht wirtschaftlich. Denn der Verwaltungsaufwand für den Versand der Sitzungsunterlagen und der gleichzeitigen Einstellung in Allris habe sich erhöht. Die Einstellung weiterer Sitzungsunterlagen von Gremien, an denen der Kreis beteiligt sei, könnte zwar erfolgen, würde den Aufwand aber weiter erhöhen. „Ohne weitere Papierverzichtserklärungen ist eine Ausweitung der Systemnutzung nicht zu verantworten.“

Dies sahen die Hauptausschussmitglieder anders. Zu den nächsten Sitzungen soll die Verwaltung Vorschläge unterbreiten, wie weitere Gremien in Allris eingearbeitet werden können und mit welchem Aufwand dies verbunden ist. Auf Papier will eine Mehrzahl der Kreispolitiker trotzdem nicht verzichten. Die Online-Verweigerer gehen dabei fast quer durch die Fraktionen. So wollen die Piraten erst ganz umstellen, wenn alle Gremien in Allris erfasst sind, betonte Siegfried Hansen. „Jeder arbeitet anders. Deshalb sollten wir es so händeln, wie jeder es möchte.“ Auch die Grünen setzen teilweise weiter auf Papier, auch wenn es bei uns „Papier-Sharing“ gibt, wie Inken Carstensen-Herold betonte. Auch Hans-Emil Lorenz (Wist) möchte weiter Papier haben, er bräuchte Unterlagen in schriftlicher Form. „Solange wie ich hier bin, werde ich Papier nutzen“, erklärte auch der FDP-Fraktionschef Willi Göttsche. Die Vorzüge von Allris lobte hingegen Martin Dethlefsen (Bürgerliste Steinburg), er habe den Umstieg nicht bereut. Und wenn man die Papierform bräuchte, könnte man ja selbst die Unterlagen ausdrucken.

Diese Probleme gibt es im Kreis Dithmarschen nicht. Dort läuft Ende des Jahres die Testphase aus, dann werden bis auf zwei Mandatsträger alle ein Ipad haben. Unterschied zum Kreis Steinburg: Dort hat die Verwaltung für alle eine mobiles Endgerät angeschafft, in Steinburg wurde dies abgelehnt. „Wir haben sehr positive Erfahrungen gemacht“, sagt Hartmut Krohn, Leiter der Stabsstelle Finanzen und IT, auf Anfrage. Und das, obwohl wie in Steinburg lediglich Termine und Unterlagen des Kreistages und seiner Ausschüsse eingepflegt werden, andere Gremien fehlen noch. Für Krohn bedeutet die hohe Akzeptanz der Politiker eine „große Zeit- und Arbeitsersparnis“ für die Verwaltung. Die Anschaffung der Geräte habe zwar viel Geld gekostet, dies werde aber durch den Verzicht auf Papier in den kommenden Jahren wieder eingespart. Damit die Dithmarscher Politiker die Geräte optimal nutzen können, bot der Kreis zuvor zahlreiche Schulungen an, bei denen die Nutzer die Vorteile erkennen konnten. So können in Allris auch Markierungen vorgenommen und Notizen gemacht werden, „das Endgerät kann wie ein Stück Papier genutzt werden“, sagt Krohn. Außerdem sei die Transparenz für die Bürger deutlich erhöht worden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen