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Norddeutsche Rundschau

03. Dezember 2016 | 18:48 Uhr

Johann Hinrich Fehrs : Platt ist immer noch modern

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Itzehoe: 100 Jahre Fehrs-Gilde mit dreitägigem Festprogramm gefeiert zum Andenken an den niederdeutschen Dichter Johann Hinrich Fehrs.

Ob bei der Stadtführung durch Itzehoe, dem Gottesdienst auf Plattdeutsch oder dem umfangreichen Festakt der Fehrs-Gilde – Johann Hinrich Fehrs ist 100 Jahre nach seinem Tod wieder ein Stück lebendig geworden. So empfand es auch die erste Vorsitzende der Fehrs-Gilde, Marianne Ehlers, die mit einigen weiteren Unterstützern ein dreitägiges Programm zum 100-jährigen Bestehen der Fehrs-Gilde organisiert hat, die kurz nach Fehrs’ Tod gegründet wurde.

Ziel der Gilde war es schon damals, nicht nur die Werke von Johann Hinrich Fehrs, sondern auch die Niederdeutsche Sprache und Literatur zu bewahren. Dass dies nun schon 100 Jahre in der Fehrs-Gilde umgesetzt wurde, galt es von Freitag bis gestern zu feiern.

Den Beginn der Feierlichkeiten bildete am Freitag eine Musikveranstaltung in der Aula der Auguste-Viktoria-Schule, die eine Zeit lang von Fehrs als Schulleiter geleitet wurde. Dieser Teil des Festwochenendes gefiel insbesondere Mitorganisatorin Mechthild Hobl-Friedrich von der Kulturstiftung Itzehoe sehr gut. „Die Kinder haben zu den Versen von Fehrs gesungen und getanzt“, freute sie sich. Das zeige, wie lebendig Plattdeutsch auch heute sein kann.

Ganz besondere Programmpunkte der Feierlichkeiten waren auch die Stadtführung op Platt von Marianne Ehlers, gefolgt von einem bunten Abend im Kreismuseum Prinzesshof. Dazu waren zur Freude von Museumsdirektorin Anita Chmielewski 22 Nachkommen des Dichters anwesend und es habe viele Gespräche – natürlich auf Plattdeutsch – gegeben.

Den festlichsten Teil des Wochenendes läutete gestern ein plattdeutscher Gottesdienst in der St. Laurentii-Kirche mit Pastor Heinrich Kröger aus Soltau ein. „Für mich war der Gottesdienst sehr berührend und sehr schön“, berichtete Gustav Franzen, der schon seit 50 Jahren Mitglied der Fehrs-Gilde ist und für die Feier extra aus Hamburg kam. Auch für den dreistündigen Festakt waren zahlreiche Besucher nicht nur aus dem Kreis Steinburg zu Gast. So brachte Renate Schnack, Beauftragte des Ministerpräsidenten für Niederdeutsch, der Fehrs-Gilde Glückwünsche in Form einer Urkunde von Ministerpräsident Thorsten Albig aus Kiel mit. Sie lobte die Arbeit der Gilde, weil es wichtig sei, dass sich „Vereine wie die Fehrs-Gilde um den Erhalt vom niederdeutschen Teil unserer kulturellen Identität kümmern“. Bei der Arbeit der Fehrs-Gilde seien diese Bemühungen „erlebbar, nachvollziehbar, lesbar und sichtbar – und das ist toll“, freute sich Renate Schnack.

Auch die von Heiko Gauert von der Plattdeutschen Gilde Johann Hinrich Fehrs in Eckernförde moderierten Gesprächsrunden zeigten, dass Plattdeutsch nicht untergeht. „Wenn ganz viele mitmachen, hat die plattdeutsche Sprache eine gute Zukunft“, erklärte Hermann Schwichtenberg vom Heimatverband Kreis Steinburg optimistisch.

Wie relevant auch heute noch der Inhalt von Fehrs’ Werken und damit verbunden auch das Niederdeutsche ist, machte auch Robert Langhanke von der Europa Universität Flensburg in seiner Festrede „Johann Hinrich Fehrs ... Vundaag un güstern“ deutlich. Eine Umsetzung von Versen des Dichters konnten die Zuhörer auch jeweils zwischen den Vorträgen mit Elke Altstadt-Westphal an der Gitarre hören und in Erinnerung an die Jubiläumsfeier vor 50 Jahren trug Dörte Harms das Gedicht „De Heiloh“ genau wie damals vor.

Den Abschluss der Feierlichkeiten bildete gestern Nachmittag ein Rundgang durch Mühlenbarbek, den Geburtsort des Dichters. Insgesamt hatten rund 150 Teilnehmer an den Veranstaltungen teilgenommen, darunter viele Besucher aus der Region. Marianne Ehlers ist mit der Bilanz vom Festwochenende und dem großen Interesse sehr zufrieden: „Wir haben jetzt viele neue Ideen und wir sehen vor allem: Das Plattdeutsche ist immer noch modern“.


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