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Norddeutsche Rundschau

09. Dezember 2016 | 22:26 Uhr

Trio „Likedeelers“ : Piratenbande aus der Amtsverwaltung

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie sich drei Mitarbeiter zu einem Trio zusammengefunden haben. Erster Auftritt auf der Trichtergarten-Bühne beim Jahrmarkt.

Es dürfte nicht viele Verwaltungen geben, die ein eigenes Trio auf die Beine stellen können. In der Wilstermarsch gibt es diese musikalischen Talente, die sich für den Broterwerb eher mit Akten herumschlagen, nach Feierabend aber mit ihren Instrumenten die Bühne beherrschen. In einer Mittagspause sprachen wir darüber im Amtsgebäude mit Melany Preiß, Thorsten Franck und Marc Bäkler.

Die am weitesten verzweigten musikalischen Wurzeln hat wohl Thorsten Franck. Seit 20 Jahren macht der Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes Musik. „Vor zwölf Jahren hatte ich mir sogar mal überlegt, das hauptberuflich zu machen. Dann kam eine Tochter – und bei mir der Beamte durch.“ Sein zweites Leben als treibende Kraft der Liekedeelers hat der 47-Jährige daher auf den Feierabend und die Wochenenden verlegt. Die Liekedeelers, so hieß einst die Piratenbande von Klaus Störtebeker. Und so ähnlich ist Thorsten Franck auch unterwegs: Er fischt musikalisch in allen Gewässern.

„Angefangen habe ich als Bassist in einer Heavy Metal-Band.“ Heute greift er lieber zur Ukulele. „Da muss man nicht so schwer schleppen.“ Durch puren Zufall fand er seine Partnerin für das Duo – nur wenige Büros in der Amtsverwaltung weiter. „Ich wusste, dass sie Instrumente spielt. Aber ich dachte da eher an Trompete oder Flöte.“ Sie, das ist Melany Preiß, Mitarbeiterin im Einwohnermeldeamt. Dann stellte sich heraus, dass die 45-Jährige auch Gitarre spielen kann. „Als Kind war ich im Posaunenchor der Kirchengemeinde Lägerdorf aktiv und auch im Jugendsinkreis.“ Gemeinsam sind sie nun als Liekedeelers unterwegs. Ihr Repertoire umfasst 200 bis 250 Lieder – von plattdeutschen Klassikern über populäre Stimmungsmacher bis hin zu modernen Stücken von Torfrock oder Godewind. Zum Fundes der beiden Multiinstrumentalisten gehören aber auch eigene Stücke. Englisch, plattdeutsch, Gospel, Country – die Musikpiraten sind da sehr breit aufgestellt. „Englisch ist doch auch nur schlecht genuscheltes Plattdeutsch“, heißt es auf der gemeinsamen Homepage, wobei Thorsten Franck die traditionelle Sprechweise quasi in die Wiege gelegt wurde. „Mein Vater ist Vorsitzender des plattdeutschen Krink in Brunsbüttel. Am meisten gelernt habe ich aber von meiner Oma.“

Ob in Kneipen, bei Veranstaltungen, in Seniorenheimen oder auch mal auf einer Tagung der Friseurinnung: Die Liekedeeler bieten für jeden Geschmack etwas. „Nur reine Tanzmusik nicht“, betont Thorsten Frank. „Und wer Andrea Berg will, muss Andrea Berg buchen“, wirft Marc Bäkler ein. Der 40-Jährige rundet die musikalischen Freibeuter in der Amtsverwaltung mit seinem Dudelsack ab. „Ich hatte das mal in Mittelalter-Bands gesehen und dachte, das ist eine lustige Sache.“ 2009 stieg Bäkler, tagsüber Mitarbeiter in der Steuerabteilung, dann richtig ein. Inzwischen ertönt seine Sackpfeife auf Hochzeiten, bei Whisky-Proben, bei Landesmeisterschaften im Kickboxen, bei den Highland Games in Eckernförde und sogar einmal bei einer Beerdigung. „Das kann im Prinzip jeder, der nicht ganz talentfrei ist“, wirbt er für ein in unseren Breiten eher ungewöhnliches Instrument.

Den ersten großen gemeinsamen Auftritt hatte das Dreigespann beim Jahrmarkt auf der Bühne im Trichtergarten. Vorausgegangen waren lediglich zwei Übungseinheiten – abends im Amtsgebäude. „Wer übt, ist feige“, findet Thorsten Franck improvisieren ohne viel schöner. Schließlich stehe das Grundprogramm ja auch fest. Er ist überzeugt: „Das Trio ist ausbaufähig.“ Das findet auch Marc Bäkler: „Dann gehen wir auf Welttournee. AC/DC haben schließlich auch mal mit einem Dudelsack angefangen.“ Bei Bedarf kann Thorsten Franck noch das australische Ureinwohner-Instrument Didgeridoo anstimmen.

Auf Wunsch gibt er hierfür sogar Kurse. Auch in der Volkshochschule in Wilster gibt Franck gerne Unterricht – für den Umgang mit der Ukulele. „Fehlt eigentlich nur noch die bengalische Wurfzitter“, hat auch Marc Bäkler erkannt, dass dem Trio musikalisch kaum Grenzen gesetzt sind.

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erstellt am 11.Aug.2016 | 05:00 Uhr

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