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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 17:28 Uhr

Tarifstreit : Pfeifkonzert für mehr Gehalt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Beschäftigte von Kommunen und öffentlichen Unternehmen legen kurzfristig die Arbeit nieder / Protestzug durch Itzehoer Innenstadt

Im Tarifstreit im öffentlichen Dienst für die Beschäftigen bei Kommunen und Bund verschärfen die Gewerkschaften den Ton und erhöhen mit einem erneuten Warnstreik den Druck auf die Arbeitgeberseite – auch in Itzehoe. Über 400 Beschäftige zogen gestern Vormittag bei der zentralen Protestkundgebung der Gewerkschaften Verdi und GEW (Erziehung und Wissenschaft) für die Kreise Steinburg und Pinneberg lautstark durch die Stadt und demonstrierten unter anderem vor Rat- und Kreishaus.

An den Arbeitsniederlegungen beteiligten sich Mitarbeiter von Stadtwerken, Rettungsdienst, Krankenhäusern, Kindergärten und Kommunalverwaltungen. „Das vorliegende Angebot der Arbeitgeberseite aus der zweiten Verhandlungsrunde ist eine Unverschämtheit, wie es sie noch nicht gegeben hat“, begründete Gewerkschaftsfunktionär Jens Festersen den Aufruf von Verdi zum Warnstreik. Zwar seien drei Prozent mehr Gehalt, verteilt über zwei Jahre, angeboten worden, aber in Verbindung mit der gleichzeitig geforderten Erhöhung des Arbeitnehmeranteils bei der betrieblichen Altersversorgung laufe das Angebot „praktisch auf eine Nullrunde“ hinaus, kritisierte auch Astrid Thie, Personalratsvorsitzende der Itzehoer Stadtverwaltung und Mitglied der Bundestarifkommission von Verdi. „In einem Jahr, in dem die Steuereinnahmen sprudeln, hätte man auch sagen können, ‚Ja, davon soll unser öffentlicher Dienst eine Scheibe abbekommen‘, aber wir haben es mit einem Arbeitgeber zu tun, der offensichtlich nicht möchte, dass unsere Arbeit aufgewertet wird“, so Thie. „Ganz schlimm“ sei das bisherige Verhalten von Bund und Kommunen. Verdi halte daher an der Forderung nach sechs Prozent mehr Gehalt und einer Übernahmegarantie für Auszubildende fest.

Aus seinem Berufsalltag im Rettungsdienst berichtete Jan-Hendrik Schneider, dass viele Kollegen 48 statt der bezahlten 38 Stunden in der Woche arbeiten würden. „Und die Belastungen wachsen immer weiter.“ Deshalb seien er und seine Kollegen bereit auf die Straße zu gehen. „Wir kämpfen für eine angemessene Bezahlung.“

Zu massiven Störungen im Betriebsablauf von Behörden und kommunalen Unternehmen hat der Warnstreik nach Verdi-Angaben in Steinburg und Pinneberg nicht geführt. In einigen Kitas seien „Notgruppen“ eingerichtet worden. Auch in Behörden haben Bürger teilweise eventuell etwas länger warten müssen, sagte Festersen.

Deutlich eingeschränkt wurde allerdings der Itzehoer Berufsverkehr durch den Protestmarsch. Auf der Schumacherallee stauten sich die Fahrzeuge. „Eigentlich wollten wir den Verkehr noch mehr lahm legen, um Aufmerksamkeit für unsere Anliegen zu erzeugen“, sagte Festersen. Die Polizei habe aber wegen des zeitgleich stattfindenden Blitzermarathons Einwände gegen die ursprünglich geplante Route geäußert, die von mehr Polizisten hätte begleitet werden müssen. „Dafür haben wir natürlich Verständnis. Die Kolleginnen und Kollegen bei der Polizei haben ja bereits genug Überstunden.“

Am 28. April startet die nächste Verhandlungsrunde. Endet sie ohne Ergebnis, so machten Gewerkschaftsvertreter gestern in Itzehoe klar, sei mit weiteren Streiks zu rechnen. 

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erstellt am 22.Apr.2016 | 14:30 Uhr

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