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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 08:04 Uhr

Seltener Vogel : Pfeifender Gast aus Nordamerika

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Virginiawachtel lebt seit kurzem im Osten Itzehoes – Ornithologen vermuten Flucht aus einer Voliere.

Erst tief, dann hoch. Ein Doppelpfiff. „Ein exotischer Ruf, fast schon regenwaldartig“, sagt Leonhard Peters. Selbst der Vogel-Experte, Vorsitzender im Ortsverband des Naturschutzbundes Nabu, musste erst forschen, mit was für einem Tier er es zu tun hatte. Das Ergebnis: Es ist ein Gast aus Nordamerika, die Virginiawachtel, auch Baumwachtel genannt.

Sein Ornithologen-Kollege Joachim Kock hatte den Ruf im Bereich der Malzmüllerwiesen gehört. Sofort setzte sich Peters auf sein Rad. Erst fanden sie den Vogel nicht, im Bereich des Westerhofs hörten sie ihn dann aber, nahmen den Ruf auf und lockten ihn damit. Und da war das Tier: Ein Männchen in der Größe einer Ringeltaube, mit bräunlich gesprenkeltem Gefieder sowie weißem Kehlfleck und weißen Streifen über den Augen. „Ein hübscher Vogel“, so Peters.

Und ein ruffreudiger Vogel. Seit Wochen ist er im Bereich Oelixdorfer Straße/Kratt zu hören. Zeit für einen Ortstermin mit dem Nabu-Vorsitzenden im Kleingarten-Gelände Stadtkoppel. Die Virginiawachtel schweigt an diesem Morgen, aber Peters hat vorgesorgt: Vom Handy spielt er über einen Lautsprecher den Ruf ab: Erst tief, dann hoch. Sofort ertönt die Antwort, die Wachtel ist ganz in der Nähe. „Sie kommt dann eigentlich auch“, sagt der Ornithologe. Heute nicht. Er animiert den Vogel weiter zum Rufen, pirscht sich über einen Seitenweg anhand der Antworten heran. Und tatsächlich: Auf dem hinteren Gartenzaun eines Grundstücks an der Oelixdorfer Straße sitzt die Virginiawachtel, reckt sich bei jedem Ruf ein wenig. Der Doppelpfiff, sagt Peters, „ist nicht vergleichbar mit etwas, was wir hier haben“.

Er hat die ornithologische Datenbank befragt: In dieser Gegend sei der Vogel noch nie registriert worden. „Ich denke mal, es ist ein Volieren-Flüchtling aus der Region“ – eigenartig sei dann allerdings, dass die Baumwachtel keinen Ring trage. In anderen Gegenden komme sie schon verwildert vor. Das sei grundsätzlich nicht ungefährlich, weil heimische Arten verdrängt werden könnten, was bei diesem Vogel aber nur begrenzt gelte.

Ähnlich wie heimische Wachtelsorten lebe die Virginiawachtel von Beeren und Insekten, „verhungern wird der nicht“, sagt Peters. Aber die Fortpflanzung werde mangels Weibchen schwierig, und auch sonst sieht der Nabu-Vorsitzende keine goldene Zukunft für den Vogel, der fast schon zutraulich offen auf dem Gartenzaun sitzt: So könne er leicht zur Beute für einen Habicht werden.

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erstellt am 21.Jul.2016 | 05:00 Uhr

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