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Norddeutsche Rundschau

02. Dezember 2016 | 19:11 Uhr

KIrche in Wilster : Ort der himmlischen Ruhe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Pastor Wolfgang Schulz ist Hausherr in der Wilsteraner St. Bartholomäus-Kirche. Besucher erwarten Trost und Hoffnung

Wer nach einem stressigen Alltag einfach mal nur seine Ruhe haben will, findet den passenden Ort dafür mitten in der Stadt. Und zu übersehen ist der auch nicht. Man wundert sich höchstens, dass es vielleicht eher ein Geheimtipp ist. „Hier lässt man die Welt draußen“, bestätigt Wolfgang Schulz. Der 63-Jährige sitzt an diesem späten Nachmittag tiefenentspannt auf einem der 1200 Sitzplätze in der St. Bartholomäuskirche. Er liebt dieses Gotteshaus – nicht nur, weil es auch sein Arbeitsplatz ist. Hier hat er geheiratet, hier genießt auch er gerne einmal die geradezu himmlische Ruhe.

Natürlich muss ein Seelsorger von seiner Kirche schwärmen. Im Fall von Wilster sind Superlative aber auch für jeden unbedarften Besucher nachvollziehbar. Tatsächlich hört man vom Treiben rund um den Marktplatz hier praktisch nichts. Gleichzeitig ist der große Raum von einem wärmenden Licht durchflutet. „Selbst Christus mit der Gnadensonne darüber wirkt hier nicht erdrückend, sondern auf dem Weg zur Auferstehung“, lenkt der Pastor den Blick auf die Figur über dem Altar.

„Für mich bedeutet Kirche auch: Ich trete aus dem Alltag heraus“, umschreibt er seine Gefühle, wenn er den vom Hamburger Baumeister Ernst Sonnin vor mehr als 200 Jahren entworfenen Backsteinbau betritt. Vielleicht hat seine Sicht auf die lange Geschichte der Kirchengemeinde auch ein bisschen mit seinem persönlichen Lebensweg zu tun.

Wolfgang Schulz ist seit 1983 in Amt und Würden, als Pastor begann er in der ehemaligen DDR. „Es gab auch mal Gottesdienste, da kam keiner. Es fehlte eben einfach die Tradition.“ Zwar hat er auch an seinen späteren Wirkungsstätten bemerkt, dass es in der Beziehung zu Gott und Kirche starke Veränderungen gibt. „Je näher man an städtische Räume kommt, umso krasser.“ Aber hier in Wilster gebe es noch so etwas wie eine „kleine kirchliche heile Welt“. In Wilster predigte er jedenfalls noch nie vor leeren Bankreihen. „Die Besucher hier erwarten von der Kirche und von mir auch Trost und Hoffnung. Die kommen ganz bewusst zu den Gottesdiensten.“

Als erfahrener Seelsorger hat Wolfgang Schulz nicht nur stets alle erforderlichen Inhalte parat, sondern auch seine Zuhörer immer im Blick. Seine Gottesdienste absolviert er in freier Rede. „Nur bei ganz komplizierten Texten lese ich auch mal ab.“ Mit seinen Schäfchen hält er dabei stets Augenkontakt. „Ich sehe das schon, wenn da mal einer wegnickt“, schmunzelt er. Ansonsten versucht er immer auch, sich persönlich und mit eigenen Erfahrungen einzubringen. Das schafft dann die besondere Nähe zu seinen Zuhörern.

Natürlich, so räumt er ein, habe er auch als Pastor nicht für alle Probleme eine Lösung. Glauben, so fügt er hinzu, könne man ohnehin nicht lernen. Den müsse man sich erarbeiten. Oder sich schenken lassen. „Aber abholen musst du dir das Geschenk dann schon selbst.“ Der Gang ins Gotteshaus ist für manche da vielleicht schon ein erster Schritt? „Ein Ort des Friedens und der Ruhe. Und des Optimismus“, fängt Wolfgang Schulz gleich wieder an zu Schwärmen. Er würde sich wünschen, wenn mehr Menschen hineinkämen. Und sei es nur, um für wenige Momente diese himmlische Ruhe genießen zu können.

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erstellt am 16.Aug.2016 | 16:56 Uhr

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