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Norddeutsche Rundschau

10. Dezember 2016 | 15:52 Uhr

Landwirtschaft : Ohne Nachfolger – Aus für Bauernhof

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Strukturwandel in der Landwirtschaft erfasst auch den Pöppelhof in Kollmar. Hobe Bernhard kritisiert Ausrichtung auf immer mehr Wachstum

„Heute war ein schöner Tag für mich: Ein Enkelkind war zu Besuch, eine Kuh hat ein Zwillingspaar geboren, und ich bin mit dem Pflügen fertig.“ Hobe Bernhard ist immer noch gerne Bauer und liebt die Abwechslung des Berufs – tagelang beim Pflügen auf dem Trecker zu sitzen mag er nicht so gerne. Der 62-Jährige ist zufrieden, wenn er am Abend sehen kann, was er am Tag gemacht hat. Aber auch ein bisschen Wehmut schwingt mit, denn in den kommenden Jahren wird er die Landwirtschaft aufgeben und den Betrieb langsam auslaufen lassen.

„Ich habe gesundheitliche Probleme mit dem Rücken und der Hüfte, und von unseren Kindern will keines die Nachfolge antreten.“ Seit 34 Jahren bewirtschaftet Hobe Bernhard zusammen mit seiner Frau Doris (58) den „Pöppelhof“ im Ortsteil Strohdeich. Der Name kommt von den Pappeln, die vor dem Haus gestanden haben. Auch heute begrenzt eine lange Pappelreihe, die vor 60 Jahren für die Papierherstellung bei der Firma Temming angepflanzt wurde, die Hausweide. Gebaut wurde das auf einer Anhöhe gelegene imposante Wohn- und Wirtschaftsgebäude 1847 von Michael und Cäcilie Magens. Seitdem ist es in Familienbesitz.

Für Hobe Bernhard war schon als Kind klar, dass er Bauer werden wollte. Nach der Heirat 1980 übernahm er zwei Jahre später den Betrieb von seinen Eltern. „Mein Vater war froh, die Verantwortung abgeben zu können. Die ersten Jahre liefen wirtschaftlich gut, sodass ich noch Land dazukaufen konnte.“ Er hat jetzt 58 Hektar Eigenland und betreibt Milchvieh- und Pferdehaltung sowie Ackerbau. „Bis vor zehn Jahren hatten wir noch Schafe, aber das rechnete sich nicht mehr, und die bürokratischen Auflagen wurden immer größer.“ Die Pferdehaltung und -zucht lief über Jahre gut mit 15 bis 20 Zuchtstuten. „Unsere Tochter Annick hat die Pferde eingeritten, und wir konnten sie als Reitpferde im Alter von fünf bis sieben Jahren gut verkaufen, dann sind sie am teuersten.“

Inzwischen gibt es nur noch zwei eigene Pferde und einige Pensionspferde auf dem Hof, der über eine Reithalle und einen Reitplatz verfügt. Das Ehepaar Bernhard hat vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen, im Alter von 19 bis 35 Jahre. Dass kein Kind die Hofnachfolge antreten will, findet Hobe Bernhard nicht dramatisch: „Hauptsache ist, sie sind glücklich und zufrieden. Und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in der Landwirtschaft werden nicht leichter.“

Hobe und Doris Bernhard bewirtschaften ihren Betrieb allein, inzwischen werden aber schon einige Arbeiten wie das Mistfahren an Lohnunternehmer vergeben. „Wir haben keine Löhne zu zahlen, keinen Abtrag für Kredite zu leisten und keine Pacht zu zahlen. Dadurch kommen wir noch ganz gut zurecht.“ Die 35 Milchkühe werden von Doris Bernhard gemolken. Die gelernte Apothekenhelferin hat sich mit den Kühen angefreundet. „Unsere Kühe kommen im Sommer sowohl am Tag als auch in der Nacht auf die Weide. Mit unserer konventionellen Haltungsform habe ich ein gutes Gefühl.“

Vermarktet wird die Milch von der Breitenburger Milchzentrale. Eine der Milchkühe ist Duda, die als Werbung auf der Milchverpackung der Horster Meierei abgebildet ist. „Duda hat in zwölf Jahren schon über 120 000 Kilogramm Milch gegeben. Noch jetzt gibt sie zeitweise über 40 Liter am Tag. Das ist selten, dass eine Kuh so alt wird und ihre Milchleistung behält.“ Die Fütterung der Kühe wird elektronisch überwacht. Die Kühe tragen einen Transponder um den Hals und am Futterautomaten wird erfasst, welche Kuh wie oft und wie viel Kraftfutter gefressen hat. An einem Lesegerät können dann die Kuhdaten abfragt werden. Dort werden auch die „Alarmkühe“ angezeigt. Das sind Kühe, die nicht die vorgesehene Futtermenge gefressen haben.

Als Entspannung zur Hofarbeit walkt Doris Bernhard seit zehn Jahren zusammen mit Freundinnen zweimal die Woche zehn Kilometer über Wirtschaftswege oder an der Elbe.

Daneben besucht sie regelmäßig einen Yogakurs bei einer Physiotherapeutin. „Wenn wir den Hof aufgegeben haben, möchte ich einem Wanderverein beitreten und mehr verreisen und mich mehr um die Enkelkinder kümmern. Vielleicht ziehen wir dann nach Glückstadt, denn da wohnen zwei unserer Kinder.“

Wenn Hobe Bernhard auf seine Zeit in der Landwirtschaft zurückblickt, dann macht ihm der Strukturwandel Sorgen: „Die Entwicklung zu immer größeren Einheiten und zu mehr Produktion ist verrückt und beängstigend. Die bäuerliche Landwirtschaft geht verloren, wenn die Politik nicht mit Förderprogrammen gegensteuert – wenn es nicht jetzt schon zu spät ist.“ Enttäuscht ist er von den Positionen des Bauernverbandes, der „nur auf Wachstum setzt“.

Was mit der Landwirtschaft und der dörflichen Entwicklung passiert, ist ihm nicht egal. Er ist Gründungsmitglied der Wählergemeinschaft Kollmar vor 20 Jahren und in dieser Legislaturperiode bürgerliches Mitglied im Bau- und Wegeausschuss der Gemeindevertretung. Lange Zeit war er Vorsitzender des Reitervereins Kollmar. Jetzt ist er noch stellvertretender Vorsitzender des Holsteiner Verbandes im Körbezirk Steinburg.

Die Pferde sind sein Hobby und auch seine Leidenschaft. Das wird auch so bleiben. Wenn er in Zukunft mehr Zeit hat, will er zusammen mit seiner Frau mehr Turniere besuchen. Und sich mit den Enkelkindern beschäftigen. „Wir haben schon drei, aber es können ja auch noch mehr werden.“

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