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Norddeutsche Rundschau

07. Dezember 2016 | 21:19 Uhr

Ohne Industrie kein Wohlstand

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Kanzleramtsminister Peter Altmaier sieht Brunsbütteler ChemCoast Park auf dem richtigen Weg in die Zukunft

Das Thema beschäftigt in der Schleusenstadt schon lange: bessere Verkehrsinfrastruktur im Industriegebiet – immerhin dem größten des Landes. Große Hoffnungen waren im Juni auf Siegmar Gabriel gerichtet. Der Bundeswirtschaftsminister und zugleich stellvertretende Bundeskanzler sollte die Botschaft von Stadt und Werkleitern damals mit nach Berlin nehmen. Dann kam der Brexit und Gabriel konnte nicht an die Elbe kommen. Daher ruhten die Hoffnungen auf offene Ohren gestern beim Brunsbütteler Industriegespräch mit rund 150 geladenen Vertretern aus Wirtschaft und Politik auf Peter Altmaier. Der Kanzleramtsminister war prominenter Gast auf der „Adler Princess“. Versprechen konnte Altmaier aber nicht geben.

In der Bundesrepublik als größter europäischer Wirtschaftsnation sei die produzierende und verarbeitende Industrie ein elementares Standbein, erklärte Altmaier und fügte hinzu: „Wir werden alles dafür tun, dass diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird.“ Das schließe letztlich auch den Industriestandort Brunsbüttel mit ein. Die Schleusenstadt sei ein Beispiel dafür, „dass ganze Regionen von industriellen Clustern wie dem ChemCoast Park profitieren“ könnten.

Dessen Bedeutung hatte Werkleitersprecher Frank Schnabel in seiner Begrüßung umrissen: 2000 Hektar Gesamtfläche, davon 450 Hektar noch verfügbar, 4000 direkte und rund 12  500 indirekte Arbeitsplätze. Die Chemiewerke investierten in den vergangene Jahren mehre 100 Millionen Euro, weitere Millioneninvestitionen sind geplant. Das griff Altmaier auf: Floriere die Industrie, gebe es Arbeitsplätze und damit auch Wohlstand. Letzteren beschere gerade die Energiewende auch Schleswig-Holstein. Damit sei auch das gemeinsam mit Hamburg geplante Konzept Neue Energiewende (NEW) 4.0 eine Perspektive für Brunsbüttel.

Ob er damit auch den an der Elbe geplanten Flüssiggas-Terminal mit einschloss, ließ der Kanzleramtsminister offen. Er empfahl, dass die Stadt das Gespräch mit Wilhelmshaven suchen sollte, wo ein ähnliches Vorhaben angestrebt wird. Und er betonte, dass man gerade bei solchen Vorhaben den Kontakt in Berlin suchen müsse. Die Niedersachsen wären schon dort gewesen. Frank Schnabel, emsiger Verfechter eines LNG-Terminals in Brunsbüttel, hielt dagegen, dass es schon einen potenziellen Investor gebe, der 400 Millionen Euro in die Hand nehmen wolle – in Brunsbüttel wegen der besseren Lage. Was fehle, sei die klare Aussage der Bundesregierung, ob Deutschland überhaupt einen solchen Terminal haben wolle, um nicht übermäßig abhängig vom russischen Gas zu sein. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Reinhard Meyer kritisierte, dass es hier schwer sei, sich in Berlin Gehör zu verschaffen. Er betonte, der nationale Terminal gehöre nach Brunsbüttel. Der Standort sei dafür prädestiniert. Zugleich wertete Meyer das Industrieareal als Motor für das gesamte Land. Es gelte daher nicht nur, die bestehenden Unternehmen zu halten, sondern neue zu gewinnen.

Wie wichtig dafür letztlich auch die Infrastruktur ist, sagte Michael Westhagemann. Der Vorstandsvorsitzende des Industrieverbands Hamburg brachte das Problem auf eine simple Formel: „Fahren Sie mal die B5.“ Auch die Bahnanbindung lasse zu wünschen übrig. Ein Steilpass für Schnabel, der den seit Jahren geforderten Ausbau des Industriegleises im neuen Bundesverkehrswegeplan vermisste. Stattdessen werde ein – unwirtschaftlicher – Ausbau des Elbe-Lübeck-Kanals für ein Vielfaches der Kosten eines zweiten Gleises samt Elektrifizierung gefördert.

Peter Altmaier gab den Brunsbüttelern einen guten Tipp: Geld könnte durchaus fließen. Nämlich dann, wenn es andernorts nicht ausgegeben werde. Dafür müssten nur rechtzeitig Projekte baureif sein. „Melden Sie nicht 100 Vorhaben gleichzeitig an, formulieren Sie Prioritäten.“ Das habe sich in der Vergangenheit bewährt.

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erstellt am 15.Sep.2016 | 05:42 Uhr

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